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       # taz.de -- Verurteilter AfD-Abgeordneter: Vom Stadion in den Bundestag
       
       > Die AfD bringt neue Kompetenzen in den Bundestag ein. Mit
       > Nachwuchspolitiker Sebastian Münzenmaier sitzt bald ein verurteilter
       > Hooligan im Plenum.
       
   IMG Bild: Beihilfe zur Körperverletzung: Sebastian Münzenmaier (rechts im Bild) im Gerichtssaal
       
       Am kommenden Dienstag zieht ein wegen Beihilfe zu einem Gewaltdelikt
       verurteilter AfD-Politiker in den neuen Deutschen Bundestag ein. Am
       Mittwoch hat das Mainzer Amtsgericht den AfD-Nachwuchspolitiker Sebastian
       Münzenmaier zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde zur
       Bewährung ausgesetzt. Münzenmaier muss außerdem 10.000 Euro Strafe zahlen.
       Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
       
       Zehn Verhandlungstage hatte Münzenmaier zu den Vorwürfen gegen ihn
       geschwiegen. Nach dem Urteil geriet er in Rage. Von einer „Unverschämtheit“
       sprach er und nannte die Argumentation des Gerichts „reine Spekulation“.
       
       Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass Münzenmaier vor fünf Jahren
       an einem gewalttätigen Sturmangriff militanter Hooligans beteiligt war.
       Rund fünfzig, zum Teil vermummte Hooligans aus Kaiserslautern hatten in der
       Nacht des 17. März 2012 den Fans des Bundesligakonkurrenten Mainz 05
       aufgelauert. Obwohl sich auf dem Parkplatz vor dem Bruchweg-Stadion auch
       Kinder und Frauen aufhielten, flogen Flaschen, Bierkästen, Verkehrsschilder
       und Fahnenstangen. Es gab Knochenbrüche und Platzwunden. Dieser Angriff, so
       urteilte das Gericht, sei von langer Hand, mit Münzenmaiers „Wissen und
       Wollen“ geplant worden.
       
       Ein Zeuge hatte Münzenmaier beschuldigt, die Kampftruppe in Mainz an einer
       Tankstelle empfangen und zum Stadion gelotst zu haben. Das Gericht folgte
       seiner Darstellung. Zudem hatte die Polizei den SMS und Telefonverkehr der
       Schlägertruppe ausgewertet. Münzenmaier hatte mit anderen Hooligans
       logistische Details ausgetauscht und unmittelbar vor und nach dem Angriff
       mit inzwischen verurteilten Rädelsführern der Attacke telefoniert. Eine
       direkte Beteiligung am „Kampf“ war ihm allerdings nicht nachzuweisen.
       
       Mit dem Urteil vom Mittwoch geht eine Serie von Prozessen gegen die
       Beteiligten der Mainzer Randale zu Ende. Polizei und Staatsanwaltschaft
       hatten gegen fast 38 Tatverdächtige ermittelt. Zwölf von ihnen erhielten
       nach Erwachsenenrecht Bewährungsstrafen von bis zu zwei Jahren. Das Angebot
       des Gerichts, eine niedrigere Bewährungsstrafe zu akzeptieren und zu
       gestehen, hatte Münzenmaier zurückgewiesen.
       
       20 Oct 2017
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Christoph Schmidt-Lunau
       
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