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       # taz.de -- Kriegsrecht im Kongo: Kein Frieden für die Friedlichen
       
       > Das Kriegsrecht im Osten Kongos folgt auf gewaltsames Vorgehen gegen
       > friedliche Proteste. Auch der Tod eines prominenten Imam wirft Fragen
       > auf.
       
   IMG Bild: Der in seiner Moschee erschossene Imam von Beni wird zu Grabe getragen, Sonntag, 2. Mai
       
       Beni taz | Nur noch Müll erinnert vor dem Rathaus von Beni an eine
       bemerkenswerte Protestbewegung. Über 500 Schüler hatten hier tagelang
       kampiert, im Windschatten der Demonstrationen gegen die [1][UN-Mission im
       Kongo (Monusco)] und deren Untätigkeit gegen bewaffnete Gruppen im Osten
       der Demokratischen Republik Kongo. Sie errichteten ein Lager mit Toiletten
       und Duschen hinter Palmenzweigen.
       
       Ihre Forderung: Kongos Präsident Félix Tshisekedi möge nach Beni kommen und
       den [2][Massakern der Rebellenarmee ADF (Allied Democratic Forces)] ein
       Ende setzen. „Ich fürchte, wir wurden falsch verstanden“, sagt jetzt
       Kasereka Mulwahali, einer der Anführer.
       
       Denn in Reaktion darauf kam Präsident Tshisekedi zwar nicht nach Beni, aber
       er hat über die Region das Kriegsrecht verhängt. Am Donnerstag bereits
       hatte er in der Hauptstadt Kinshasa „starke Maßnahmen“ angekündigt und in
       Bezug auf den Schülerprotest von Beni „die Manipulation dieser Kinder durch
       Politiker“ verurteilt.
       
       Dabei stützten nicht Politiker, sondern Benis Frauen den Schülerprotest.
       Frauengruppen brachten den Kindern Essen und organisierten einen eigenen
       Protestzug, den die Polizei gewaltsam auflöste, als er zum Gelände der
       UN-Mission zog. Danach stürmte die Polizei auch das Protestcamp vor dem
       Rathaus, mit Peitschen und Tränengas. 67 Kinder wurden festgenommen. Am
       gleichen Tag beschloss Kongos Regierung das Kriegsrecht.
       
       Das alles schockiert die Menschen in Beni. „Wie kann man Kinder in
       Schuluniform verhaften?“, fragt der Jurist Elie Vahumawa, der die Schüler
       juristisch vertritt. „Das ist eine flagrante Menschenrechtsverletzung.“
       
       Zur Auflösung des Frauenprotestes empört sich Diane Tudi, eine der
       Organisatorinnen: „Es war nicht geplant, die Monusco zu belagern. Wir
       wollten zum Rathaus gehen, um den Kindern den Rücken zu stärken, und dann
       zurück zum Kreisverkehr, um zu beten. Aber ein paar Zuschauer infiltrierten
       den Marsch und lenkten ihn in Richtung UN-Camp um.“
       
       Die Behörden weisen die Vorwürfe zurück. „Wir brauchen alle Frieden, aber
       dafür Kinder einzusetzen, ist nicht gut“, sagt Benis Bürgermeister Modeste
       Bakwanamaha. „Vernünftige Eltern können das nicht zulassen. Der Platz der
       Kinder ist in der Schule.“
       
       Benis Polizeichef, Oberst François Kabeya, weist Gewaltvorwürfe zurück:
       „Das sind falsche Beschuldigungen. Wir haben bloß die Ordnung
       wiederhergestellt. Die Kinder wurden nicht inhaftiert, sondern nur
       erkennungsdienstlich behandelt, da wir Informationen hatten, wonach es
       nicht alles Kinder waren.“
       
       ## „Was macht die Armee eigentlich?“
       
       Nun aber sind die Spannungen noch höher als sonst in Beni, in dessen Umland
       seit 2014 über 6.000 Menschen Massakern zum Opfer gefallen sind,
       hauptsächlich von der ADF verübt. Auch jetzt gehen die Massaker weiter, und
       Hinterbliebene bezichtigen die Armee der Tatenlosigkeit. „Sie fahren in
       ihren Pick-ups hin und her, aber was machen sie eigentlich?“, fragt eine
       Frau einer Familie, die um sechs getötete Angehörige im Dorf Mwenda
       trauert.
       
       Am Samstagabend wurde mitten in der Stadt der Imam von Beni, Cheikh Ali
       Amin, in der Großen Moschee während seines Gebets zum Fastenbrechen im
       laufenden Ramadan erschossen. In diesem Teil Kongos gibt es eine kleine,
       alteingesessene muslimische Minderheit – sie steht nun im Fokus, weil die
       ADF einst in der muslimischen Minderheit des Nachbarlandes Uganda entstand
       und heute als islamistische Terrorgruppe gilt.
       
       Der Imam von Beni, Führer der muslimischen Gemeinde der Region, war ein
       scharfer Kritiker der ADF, seine Predigten kursieren auf sozialen
       Netzwerken. Dass er einem Attentat zum Opfer fiel, verstehen die Menschen
       nicht, die ihn am Sonntag zu Grabe tragen.
       
       Die Moschee liegt nur 400 Meter vom Armeehauptquartier von Beni entfernt.
       Eine Woche vor seinem Tod hatte der Militärgeheimdienst den Imam
       einbestellt und ihn gewarnt, sein Leben sei in Gefahr. Schutzmaßnahmen
       wurden keine getroffen.
       
       Ein Trauernder bezweifelt, dass es wirklich die ADF war: „Wieso töten sie
       eine Einzelperson, wo sie doch sonst bei jedem Angriff Dutzende umbringen
       und mehrere Hundert Gläubige in der Moschee waren? Die Behörden müssen den
       Mörder finden, auch wenn es einer der ihren ist.“
       
       4 May 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://monusco.unmissions.org/en
   DIR [2] /ADF-Rebellen-im-Kongo/!5661450
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kennedy Muhindo
       
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