# taz.de -- Gewalt in den Niederlanden: Deutlicher Mittelfinger
> Nicht nur in den Unruhen von Rotterdam zeigt sich ein Frust auf das
> Establishment – mit einer klaren rechtspopulistischen Ausrichtung.
IMG Bild: Bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen kam es in Rotterdam zu Ausschreitungen
Die Krawalle sind zurück. Im Januar löste die Einführung der Sperrstunde
nächtelange Gewalt in den Niederlanden aus, nun war es die heftig geführte
Impfpflichtdebatte. Wobei das mit der Kausalität eher vage ist: Anders als
die eskalierte Anti-2G-Demonstration in Rotterdam, bei der die Polizei mit
scharfer Munition auf Protestierende schoss, [1][waren die Riots der
folgenden Nächte, an denen vor allem Jugendliche beteiligt waren], eher
Ritual denn Teil einer politischen Agenda.
Ein Krisensymptom aber, ein inhaltlich vager, aber symbolisch umso
deutlicherer Mittelfinger gegen das gesellschaftliche Establishment sind
sie dennoch. Dass sich dahinter kein emanzipatorischer Anspruch zu
verbergen braucht, erleben die Niederlande seit knapp zwei Jahren auf
Kundgebungen gegen die Coronamaßnahmen oder zuvor bei den Bauernprotesten.
Beide Bewegungen haben übrigens eine starke rechtspopulistische
Unterströmung.
Frustrationen und Wut auf die vermeintlich etablierte Politik äußern sich
nach gut anderthalb Jahren Pandemie auf verschiedene Weise: die in dieser
Saison wieder aufgeflammte Hooligan-Gewalt bei Fußballspielen, die
massenhafte Impfverweigerung der Fundamental-Calvinisten im sogenannten
[2][Bibelgürtel], Bedrohungen von Ärzten oder von Kameraleuten, die auf
Coronademos nur noch mit Security-Begleitung ihrer Arbeit nachgehen.
In der Impfpflichtdebatte verdichten sich diese Faktoren. Besonders in
Erscheinung tritt dabei das rabiat identitäre [3][„Forum voor Democratie“].
Die völkischen Impfgegner bilden ein Scharnier zwischen Straße und
Parlament. Dass einer ihrer Abgeordneten unlängst einem liberalen Kollegen
androhte, er werde dereinst vor ein Tribunal gestellt, war ein extremer
Moment des aufgeheizten Covid-Diskurses. Zugleich zeugt er davon, dass
Einschüchterung dabei ein zunehmend gängiges Stilmittel ist.
Dass die aktuellen Koalitionsverhandlungen von der Zustimmung der
calvinistischen „ChristenUnie“ zum 2G-Konzept abhängig sind, ist in diesem
Kontext besonders brisant.
24 Nov 2021
## LINKS
DIR [1] /Gewaltsame-Coronaproteste/!5816799
DIR [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelg%C3%BCrtel_(Niederlande)
DIR [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_voor_Democratie
## AUTOREN
DIR Tobias Müller
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