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       # taz.de -- Finanzierung der Entlastungsmaßnahmen: Länder wollen Klarheit
       
       > Der Bund plant weitere Entlastungen in der Energiekrise. Zur Beteiligung
       > an der Finanzierung haben die Länder Fragen an Kanzler Scholz.
       
   IMG Bild: Muss die Finanzierung des „Doppelwumms“ den Ländern erklären: Kanzler Olaf Scholz (SPD)
       
       Berlin dpa | Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) berät am Dienstag in Berlin
       mit den Regierungschefs der Länder über den weiteren Kurs in der
       Energiekrise. Die Länder erwarten von Scholz und seiner Ampel-Regierung
       Klarheit über die [1][geplante Gaspreisbremse] und die Finanzierung
       diverser Entlastungsmaßnahmen. Bundespolitiker wiederum haben die
       Erwartung, dass die Länder die Entlastungspläne mittragen.
       
       Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte den Zeitungen der Funke
       Mediengruppe (Dienstag): „Ich bin sicher, dass Bund und Länder die offenen
       Fragen gemeinsam klären werden und die Entlastungen auf den Weg bringen,
       die Unternehmerinnen und [2][Bürger so dringend brauchen.“] SPD-Chef Lars
       Klingbeil sagte der Rheinischen Post: „Die Ampel hat geliefert. Und ich
       erwarte, dass jetzt auch die Konservativen auf Länderebene diesen Ruck
       nicht ausbremsen.“
       
       Der Bund will Verbraucher und Unternehmen mit einem Maßnahmenpaket von bis
       zu 200 Milliarden Euro vor hohen Energiepreisen wegen des Ukraine-Kriegs
       schützen. Die Preise für Gas und Strom sollen gedeckelt werden. Für Firmen
       soll es Liquiditäts- und Eigenkapitalhilfen geben. Die Hilfen sollen über
       Kredite finanziert werden. Zudem geht es um die Umsetzung des vom Bund
       geplanten dritten Entlastungspakets mit einem Volumen von 65 Milliarden
       Euro.
       
       Bundesfinanzminister Christian Lindner forderte die Bundesländer vor den
       Beratungen über die Finanzierung der geplanten Entlastungen auf, ihren
       Beitrag zur Krisenbewältigung zu tragen. „Man muss sich gegenseitig helfen.
       Aber es kann auch nicht sein, dass, wenn ich das in aller Höflichkeit so
       sagen darf, Länder einfach Koalitionsvorhaben umsetzen,
       Haushaltsüberschüsse erzielen – und der Bund ist in tiefen roten Zahlen und
       muss Krisenmanagement machen“, sagte der FDP-Politiker am Dienstag im
       ZDF-„Morgenmagazin“. „Ich denke, die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass
       alle staatlichen Ebenen ihren Beitrag dazu leisten, dass unser Land ohne
       großen Schaden durch diese Zeiten kommt.“
       
       Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte die Bundesländer auf, das
       dritte Entlastungspaket nicht zu blockieren. „Wir brauchen Solidarität der
       Starken mit den Schwächeren und eine Gemeinschaftsanstrengung von Bund und
       Ländern“, sagte die Vorsitzende Michaela Engelmeier. Seit der Einigung auf
       das Paket seien vier Wochen vergangenen. „Bund und Länder dürfen ihren
       Streit nicht auf dem Rücken der Betroffenen austragen.“ Sie forderte Tempo:
       „Die hohen Kosten für Lebensmittel fallen jede Woche an.“
       
       ## Konzept für die Gaspreisbremse
       
       Noch ist etwa unklar, wie die Gaspreise gedeckelt werden. „Das muss jetzt
       zügig geklärt werden“, forderte der nordrhein-westfälische Regierungschef
       Hendrik Wüst (CDU) am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Man
       sollte das jetzt nicht seitens der Regierung in Berlin auf die lange Bank
       schieben.“ Familien und Unternehmen müssten zu Beginn der Heizperiode
       wissen, woran sie sind.
       
       Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk
       Deutschland bislang sei den Ländern allein das Volumen von 200 Milliarden
       Euro zur Deckelung der Energiepreise bekannt. Die Länder arbeiteten
       konstruktiv mit, um die Energiekrise zu bekämpfen. Aber der Bund müsse die
       Länder weiter finanziell unterstützen: „Der 200-Milliarden-Schirm kann
       nicht dazu führen, dass die Länder jetzt im Regen stehen.“
       
       ## Finanzierung der Wohngeldreform
       
       Strittig ist auch, wie die von der Bundesregierung geplante, deutliche
       Ausweitung des Wohngelds finanziert werden soll. Ab Januar soll der
       staatliche Mietzuschuss um durchschnittlich 190 Euro pro Monat steigen –
       außerdem soll er an 1,4 Millionen Bürger mehr gezahlt werden. „Der Bund
       möchte da viel machen, dann soll er es auch selber bezahlen“, sagte Wüst.
       Bisher wird das Wohngeld hälftig von Bund und Ländern finanziert, doch die
       Länder wollen nicht länger mitmachen.
       
       ## Finanzierung der 9-Euro-Ticket-Nachfolge
       
       Auch nach dem Ende des 9-Euro-Tickets soll es ein bundesweites ÖPNV-Ticket
       geben, zu einem Preis zwischen 49 und 69 Euro im Monat. Details sollen die
       Länder untereinander ausmachen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) bot
       an, dafür die sogenannten Regionalisierungsmittel um 1,5 Milliarden Euro
       jährlich zu erhöhen. Die Länder halten das auch angesichts der hohen
       Energiepreise für zu wenig, um dauerhaft einen attraktiven Nahverkehr
       anbieten zu können.
       
       ## Finanzierung der Aufnahme von Flüchtlingen
       
       Hunderttausende Menschen sind vor dem russischen Krieg aus der Ukraine nach
       Deutschland geflohen. Die Länder verlangen, dass der Bund seine Zusage aus
       dem Frühjahr einlöst, sie stärker bei den Kosten für die Unterbringung und
       Betreuung zu unterstützen. Wüst sagte: „Wenn jetzt der Winter kommt, wenn
       Kälte und Nässe in die zerstörten Häuser in der Ukraine eindringen, dann
       werden weitere Menschen zu uns kommen – kommen müssen.“ Ihre anständige
       Unterbringung und Versorgung gehöre zu den großen Aufgaben für Kommunen und
       Länder. „Dafür braucht es Geld.“
       
       ## Zusätzliche Entlastungen
       
       Vor dem von [3][Scholz als „Doppelwumms“] bezeichneten
       200-Milliarden-Euro-Paket hatten die Länder weitere Entlastungen ins Spiel
       gebracht. Dazu zählen etwa die Stundung von Steuerzahlungen vor allem von
       Unternehmen und der Schutz von Mietern vor Kündigung, wenn sie Nebenkosten
       und Miete nicht bezahlen können. Unklar ist, ob solche Forderungen im
       Gespräch mit dem Bund auf den Tisch kommen.
       
       4 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
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