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       # taz.de -- Abtreibung als „garantierte Freiheit“: Historisches Votum für die Frauen
       
       > In Frankreich stimmt auch der Senat deutlich dafür, das Recht auf
       > Abtreibung in der Verfassung zu verankern. Damit ist es so gut wie
       > beschlossen.
       
   IMG Bild: Abtreibungsbefürworterinnen mit Transparent „Abtreibung ist ein Grundrecht“ am Mittwoch in Paris vor der Universität La Sorbonne
       
       Paris taz | Mit 267 gegen 50 Stimmen hat sich am Mittwochabend der
       französische Senat dafür ausgesprochen, dass der Schwangerschaftsabbruch
       als „garantierte Freiheit“ in der Verfassung verankert wird. Da dies im
       selben Wortlaut verabschiedet worden ist wie zuvor bereits von den
       Abgeordneten der Nationalversammlung, kann nun Staatspräsident Emmanuel
       Macron wie von ihm gewünscht am Montag die beiden Parlamentskammern im
       Schloss von Versailles vereint als Kongress einberufen, um diese
       Verfassungsänderung definitiv zu beschließen.
       
       Es braucht dafür eine qualifizierte Mehrheit von drei Fünfteln. Doch nach
       dem klaren Votum des Senats besteht kaum noch ein Zweifel am Zustandekommen
       dieser erforderlichen breiten Zustimmung.
       
       Frankreich wird damit das erste Land der Welt, in dem die Verfassung Frauen
       das Recht auf die Abtreibung garantiert. In der Verfassung soll also in
       Zukunft stehen: „Das Gesetz bestimmt die Bedingungen, unter denen die den
       Frauen garantierte Freiheit auf freiwilligen Schwangerschaftsabbruch
       ausgeübt wird.“
       
       Über die Formulierung dieses Artikels 34 war lange und heftig diskutiert
       worden. Bis zuletzt war es nicht sicher, dass die mehrheitlich
       konservativen und männlichen Senatoren ihren anfänglichen Widerstand
       aufgeben würden.
       
       ## Standen Senatoren unter häuslichem Druck?
       
       Mehrere Medien und Ratskolleginnen glauben zu wissen, dass in den
       vergangenen Tagen bei manchen Mitgliedern des Senats zu Hause gestritten
       wurde. Der Einfluss von Gattinnen, Töchtern oder Freundinnen scheint sich
       nun tatsächlich ausgezahlt zu haben. Da am Ende „nur“ noch 50 Senatoren
       sich der Verfassungsänderung widersetzt haben, wollen eine ganze Reihe von
       Senatoren nicht als frauenfeindliche und rückständige Hinterwäldler und
       grundsätzliche Abtreibungsgegner dastehen.
       
       Einige zögerten oder versuchten – wie namentlich Senatspräsident Gérard
       Larcher ihre Ablehnung mit dem wenig überzeugenden Argument zu verteidigen,
       dass der Schwangerschaftsabbruch als Recht in Frankreich ja, anders als in
       den USA, nicht gefährdet sei und darum nicht geschützt werden müsse.
       
       Dass nun nicht die meist religiösen Abtreibungsgegner, sondern die
       Feministinnen einen stärkeren Einfluss auf das Parlament hatten, macht
       diese Abstimmung zu einem historischen Votum für die Bewegung für die
       Frauenrechte.
       
       29 Feb 2024
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rudolf Balmer
       
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