# taz.de -- Rüstungsunternehmen auf der ILA: „Man kann die Dollarzeichen in den Augen sehen“
> Auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA zeigt sich, dass bei
> Waffenherstellern Partystimmung herrscht. Doch es gibt auch Protest. Ein
> Ortsbesuch.
IMG Bild: Ein Flugsimulator für einen Eurojet 2000 auf der er Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin
Die großen Unternehmen haben ihre eigenen Pavillons aufgebaut, der Zugang
ist exklusiv. Eintreten darf nur, wer eine gesonderte Einladung vorweisen
kann. Ein durchtätowierter Türsteher, der sich ebenso gut vor einen
Berliner Technoclub machen würde, kontrolliert den Einlass zum Showroom von
Rheinmetall.
Fünf Männer in marineblauen Anzügen nicken ihm kurz zu und kommen rein. Ein
anderer Mann, der eine „hochinteressante“ Geschäftsidee vortragen möchte,
aber keinen Termin hat, blitzt ab. Von dem Pavillon des Rüstungsherstellers
nebenan, Diehl Defence, ist Lounge-Musik zu hören.
Drinnen bei Rheinmetall dürfte die Stimmung hervorragend sein. Das
Unternehmen hat [1][zu der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung
(ILA)] in Schönefeld bei Berlin eine Entwicklung von Boeing aus Australien
mitgebracht, die beide Firmen gemeinsam der Bundeswehr anbieten möchten:
Eine Jagdbomberdrohne.
Das unbemannte Gerät soll – wie der Name sagt – andere Kampfjets jagen und
Bomben abwerfen können. Die Unternehmen werben damit, dass Pilot*innen
künftig weniger Gefahren ausgesetzt werden, wenn autonome Fluggeräte diese
Aufgaben übernehmen.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger und die australische Boeing-Chefin Amy
List enthüllen das Fluggerät am Mittwoch auf der Messe: Unter dem Tuch
kommt ein etwa 10 Meter langer grauer Keil mit kurzen Flügeln zum
Vorschein. Wie eine kubistische Figur ziert der Ghost Bat jetzt den Eingang
zum Showroom [2][des deutschen Rüstungsgiganten.]
## Männer bei Minimal-Beats
Die ILA läuft von Mittwoch bis Sonntag und ist eine der weltweit führenden
Luft- und Raumfahrtmessen. Mehr als 750 Aussteller aus etwa 40 Ländern
zeigen hier ihre neusten Entwicklungen. Es geht hier nicht ausschließlich
um Waffen, doch deren Hersteller nehmen den größten Raum auf der Messe ein.
Und bei den Rüstungsherstellern ist die Stimmung besonders gut: Hier ist
förmlich zu greifen, wie die weltweite Aufrüstung ihre Gewinne in immer
neue Höhen treibt. Es herrscht Partystimmung.
In der Messehalle mit der Aufschrift „Defence“ herrscht am Mittwoch und
Donnerstag ein wahnsinniges Gedränge. Überall Männer: in dunklen Anzügen,
mit frisch polierten Schuhen oder frechen weißen Sneakern, in
Militäruniformen. Es gibt feste Händedrücke und unbeholfene Umarmungen,
Visitenkarten und artiges Schulterklopfen. Frauen sind außer den adrett
gekleideten Messe-Hostessen kaum zu sehen. Ein DJ steht lässig am Stand des
Drohnen-Herstellers Argus und untermalt das Treiben mit Minimal-Techno.
Alle Stände sind so aufgebaut, dass vorne die Exponate präsentiert werden:
Hier ein Quadrokopter, dort ein Kampfsteuerungssystem, auch ein Eurofighter
steht in der Halle. Der größte Trend ist, dass die meisten Geräte damit
beworben werden, [3][auf irgendeine Art „AI-driven“ zu sein] und ihre
Aufgaben, wenn nötig, völlig autonom ausführen können. Hinter den
Ausstellungsstücken gibt es Besprechungskabinen. Männergruppen verschwinden
dort in angeregten Unterhaltungen – und wenn es gut läuft, kommt es zu
einem Geschäft.
Eine langjährige Ausstellerin sagt, dass ad hoc abgeschlossene Verträge nur
einen kleinen Teil der Deals auf der Messe ausmachen. Doch es gebe immer
wieder im Voraus geplante Geschäfte, die dann auf der ILA unterschrieben
würden. Gut sei die Stimmung auf der Messe eigentlich immer schon gewesen,
sagt sie. Neu sei allerdings, dass das viele Geld auch solche Player in den
Rüstungsbereich locke, die sonst nie etwas mit Waffen zu tun haben wollen.
„Da kann man die Dollarzeichen in den Augen förmlich sehen.“
## Champagnerflaschen und Völkermord
Am Stand von Elbit Deutschland, Tochter des gleichnamigen israelischen
Rüstungsgiganten, werden am Mittwochnachmittag Champagnerflaschen geköpft.
Aus dem Besprechungsraum kommen Männer, die sich laut unterhalten und
lachen. Sie haben etwas zu feiern, was genau, ist nicht zu erfahren.
Die Rolle von Elbit im Gazakrieg spielt hier natürlich keine Rolle. Dem
Unternehmen wird vorgeworfen, Geld mit dem mutmaßlichen Völkermord an den
Palästinenser*innen zu verdienen, weil es Waffen baut, die dort im
Krieg zum Einsatz kommen. [4][In Stammheim stehen aktuell
Aktivist*innen vor Gericht,] weil sie auf dem Firmengelände von Elbit
Deutschland in Ulm randaliert und Messelektronik beschädigt haben, um gegen
den Krieg zu protestieren.
Eine kleine, aber erstaunlich erfolgreiche Störaktion gab es auch hier
direkt zum Messeauftakt. Vier Aktivist*innen hatten es geschafft, den
Zugang zum Gelände für zwei Stunden zu blockieren, indem sie sich auf die
einzige Zufahrtsstraße setzten. Sie demonstrierten gegen den Krieg in Gaza
und in Iran und die Rolle der Rüstungsunternehmen darin.
Zu den Messegängern drang die Aktion dagegen lediglich als ein Protest von
„Klimaklebern“ durch. Auf den Protest angesprochen, reagieren die Besucher
mit Augenrollen. Einer ärgert sich darüber, dass heutzutage alle Themen so
„politisiert“ würden.
Als der bayerische Rüstungshersteller Rohde und Schwarz am Donnerstag
pünktlich um 12 Freibier ausschenkt und Leberkäse serviert, versammelt sich
die halbe Messe an dem Stand: Ausländische Militärangehörige in ihren
Uniformen, die Waffenhändler in ihren gestriegelten Anzügen. Es ist ein
bierfeuchter Taumel in der Messehalle.
Man will sich auf der ILA eben nicht stören lassen. Auch nicht darin,
einfach mal das viele Geld zu feiern, das sich verdienen lässt.
12 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Luftfahrtmesse-ILA-bei-Berlin/!6185853
DIR [2] /Militarisierung-im-Hamburger-Hafen/!6176300
DIR [3] /Kuenstliche-Intelligenz-im-Krieg/!6165983
DIR [4] /Prozessauftakt-in-Stammheim/!6173279
## AUTOREN
DIR Cem-Odos Güler
## TAGS
DIR Rüstungsindustrie
DIR Autonome Waffen
DIR Verteidigungspolitik
DIR Messe
DIR GNS
DIR Islamophobie
DIR Ulm
DIR Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Waffengesetze in Kalifornien: Streng, nicht streng genug
Nach dem tödlichen Angriff in San Diego blickt die Welt auf die
Waffengewalt. Welche Regeln gelten im US-Bundesstaat Kalifornien?
DIR Prozessauftakt gegen Palästina-Gruppe: „Wir unterbrechen für 20 Minuten. Nein, zwei Stunden.“
Fünf Aktivisten haben in Ulm bei einer israelischen Rüstungsfirma offenbar
einen Millionenschaden verursacht. Jetzt sollte der Prozess starten.
Betonung auf: sollte.
DIR Künstliche Intelligenz im Krieg: Riesige Datenmengen, tödliche Folgen
KI-gestützte Waffensysteme kommen weltweit zum Einsatz. Dabei geht es
weniger um selbstfliegende Kampfjets und Kampfroboter als um
Gefechtssteuerung.