# taz.de -- Nach Auftakt der Fußball-WM: Von allerlei Karten und Blockaden
> Mexiko bleibt nach dem Auftakterfolg seiner Auswahl in WM-Stimmung. Auch
> die kleinsten Proteste werden von der Polizei vom Stadion ferngehalten.
IMG Bild: Abgesicherte WM-Stimmung: Polizeisperre vor dem Aztekenstadion
Der Ball rollt. Und am Ende war es ein Auftakt halbwegs nach Plan für diese
protestumwehte WM. Gastgeber [1][Mexiko gewann in einer zähen Partie
standesgemäß mit 2:0 gegen Südafrika], die Stimmung im Land ist also
vorerst gesichert – zumindest für die, die die Heim-WM feiern.
Eher fürs Kuriositätenkabinett waren die drei Roten Karten, zwei davon spät
und folgenlos für den Ausgang. Indes war es den Organisator:innen in
Mexiko-Stadt gelungen, die Proteste aus der Zivilgesellschaft größtenteils
vom Stadion fernzuhalten. Freilich zum Preis eines gigantischen
Polizeiaufgebots und völligen Verkehrschaos in der Hauptstadt. Nein,
unsichtbar war der breite Widerstand nie.
Schon am frühen Morgen herrschte rund ums Stadion Stillstand; auch, weil
viele Anti-WM-Demos aufgrund der gesperrten Stadionzone auf große
Kreuzungen der Hauptstadt ausgewichen waren und den Verkehr blockierten.
Die Sperrzone kam nicht ohne Grund. [2][In den Tagen zuvor hatte es
Massenproteste rund ums Aztekenstadion gegeben]. Tausende protestierende
Lehrer:innen etwa blockierten am Dienstag die Stadionzufahrt; am
Mittwochabend demonstrierten die [3][Madres Buscadoras], die Mütter der
Verschwundenen. Die Polizei soll einige verletzt haben. Weil niemand solche
Bilder zur WM produzieren wollte, blockierten 5.000 Sicherheitskräfte die
Straßen.
Viele Fans waren schon morgens um 7 Uhr Ortszeit in Richtung Arena
unterwegs. Die Haltestelle Aztekenstadion war gesperrt, ein gepanzerter
Militärwagen reihte sich an den nächsten. Das führte zu bizarren Bildern:
Folklore-Gruppen, die sich auf ihren Auftritt vorbereiteten und ihre
Instrumente einspielten, nur wenige Meter entfernt von einzelnen
Protestierenden, die es in die Sicherheitszone geschafft hatten.
## Strenge Polizeibeamte
Eine war Monserrat Lozano [4][aus Chiapas], die mit einem Plakat auf den
Femizid an ihrer Tochter aufmerksam machen wollte. „Ich bin hier, um
Gerechtigkeit zu fordern“, sagte sie. Ihre Tochter sei im April ermordet
worden. „Wir wollen die internationale Aufmerksamkeit rund um die WM
nutzen.“ Direkt nach unserem Gespräch wurde sie von einer Polizistin
aufgefordert, das Banner einzurollen.
Im Stadion herrschte schon Stunden vor Spielbeginn Party, ein Meer an
Menschen in grünen Trikots feierte die Rückkehr der WM nach Mexiko. So fiel
es schwer, sich der Magie zu entziehen, den kunstvoll verkleideten Menschen
mit Mottos von Día de los Muertos über Lucha Libre bis Frida Kahlo. Sie
alle erlebten eine zufriedenstellende Partie.
Wie weit es Mexiko im Turnier schaffen kann, schwer zu sagen angesichts der
Schwäche von Südafrika. Zeitweise sah das gefällig aus, was die Mexikaner
spielten. Aber wie wird es gegen ein Team aussehen, das einen
strukturierten Angriff aufbauen kann? Diese Frage beantwortete die
Eröffnungspartie nicht. Und dass Südafrika nach einer bizarren Roten Karte
ab der 49. Minute in Unterzahl spielte, half auch nicht. So bestätigte sich
manche Befürchtung in Bezug auf Qualitätsunterschiede bei dieser
48-Teams-WM.
Für die größte Euphorie sorgte ein Einwechselspieler: Der erst 17-jährige
Gilberto Mora, jüngster Spieler der WM, bekam ekstatische Sprechchöre. Eine
Hoffnung für die Zukunft, wenn man schon nicht so genau weiß, wie die
Gegenwart aussieht.
12 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Fussball-WM-2026/!6186719
DIR [2] /WM-in-Mexiko/!6183432
DIR [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Madres_buscadoras
DIR [4] /Fussball-WM-2026/!6186268
## AUTOREN
DIR Alina Schwermer
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