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       # taz.de -- Kritik an WM-Ticketvergabe: Alles nur für einen guten Zweck
       
       > Die intransparente und überteuerte WM-Ticketvergabe beschäftigt die
       > US-Justiz. Fifa-Präsident Infantino erklärt, der Fußball profitiere
       > davon.
       
   IMG Bild: Schwierige Ticketlage: Am Stadion in Seattle ist wohl eher nichts mehr zu holen
       
       Demonstrativ hebt [1][Gianni Infantino] am Mittwoch den WM-Ball in die Höhe
       und schwärmt davon, wie glücklich er sei, wenn das gute Stück in ein paar
       Stunden endlich über den Rasen rollen werde. Kurz darauf stemmt er auch
       noch den WM-Pokal nach oben und betont erneut, wie sehr er sich darauf
       freut, wenn in ein paar Wochen diese Trophäe vergeben wird. Auf der
       WM-Eröffnungspressekonferenz in Mexiko-Stadt kann der Fifa-Präsident
       allerdings bei einem Thema nicht so leicht gute Stimmung verbreiten: Wer
       soll sich das Spektakel überhaupt leisten können?
       
       Live dabei zu sein, ist für viele Fans längst nur noch eine wilde Fantasie.
       Schon gar nicht beim Finale, wenn am 19. Juli der neue Weltmeister den
       WM-Pokal in den Nachthimmel von New Jersey recken wird.
       
       „Die Fifa hat den [2][Ticketkauf für die Weltmeisterschaft] zu einem wahren
       Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und horrenden Preisen
       gemacht – und das alles auf Kosten der Verbraucher“, sagte Jennifer
       Davenport, Generalstaatsanwältin von New Jersey. „Es ist uns eine Ehre, die
       Weltmeisterschaft auszurichten, aber dieses Ereignis ist keine Einladung,
       unsere Einwohner und Besucher auszubeuten.“ Seit Mai prüft die US-Justiz,
       ob die Ticketvergabe überhaupt rechtskonform ist.
       
       Infantino hindert das nicht daran, das Turnier als [3][das „inklusivste der
       Geschichte“] zu preisen. Als Beleg führt der 56-Jährige gerne die Tickets
       für 60 Dollar an. Diese seien doch im Vergleich zu großen Sportevents in
       den USA günstig. Was er dabei nicht erwähnt: Diese Schnäppchenkarten machen
       nur einen Bruchteil des gesamten Kontingents aus. Infantino sprach von
       130.000 Tickets, die zum niedrigsten Preis verkauft wurden. Bei insgesamt
       3,9 Millionen verfügbaren Karten entspricht das gerade einmal 3,33 Prozent.
       
       ## Für Trump zu teuer
       
       Der überwiegende Teil der Tickets bleibt für viele Fans weltweit kaum
       erschwinglich. Auf dem Fifa-eigenen Zweitmarkt werden teilweise Mondpreise
       aufgerufen. Selbst Infantinos Buddy Donald Trump zeigte sich darüber
       verwundert. Er würde das nicht bezahlen, ließ der Multimilliardär wissen.
       
       Die Fifa setzt beim Turnier in Nordamerika auf einen offiziellen
       Zweitmarkt, auf dem Tickets weiterverkauft oder getauscht werden können.
       Dahinter steckt das Prinzip des „Dynamic Pricing“: Je größer die Nachfrage,
       desto höher der Preis. Und die Fifa verdient dabei kräftig mit: Verkäufer
       und Käufer müssen jeweils 15 Prozent Gebühren an den Weltverband zahlen.
       
       Auch hier sieht sich Infantino im Recht. Würde man den Zweitmarkt nicht
       selbst organisieren, wären Schwarzmarkthändler die Profiteure. Und das Geld
       würde eben nicht „zurück in den Fußball fließen“. Von den Einnahmen
       profitieren zu gleichen Teilen die 211 Nationalverbände. Kleinere Verbände
       wie Curacao oder Neuseeland erhalten vergleichsweise viel Geld und stehen
       schon deshalb in größerer Abhängigkeit zur Fifa, weil ihre sonstigen
       Einnahmen geringer sind. Bei der Wahl des Fifa-Präsidenten, die nächstes
       Jahr wieder ansteht, ist ihr Stimmgewicht jedoch so groß wie das von
       Brasilien oder Deutschland. Infantino wird wieder zur Wahl stehen.
       
       Die horrenden Preise auf dem Zweitmarkt, erklärte dieser, seien
       Marktgegebenheiten in den USA geschuldet. Groteskerweise ist dieser Markt
       für Käufer*innen aus Mexiko, wo die Pressekonferenz stattfand, aufgrund
       der dort geltenden Gesetze gar nicht zugänglich. Sie können lediglich auf
       den Tauschmarktplatz zugreifen.
       
       Wobei Infantino eh mehrfach behauptet hat, alle Tickets für diese WM seien
       schon verkauft. Eine Recherche der BBC, die vor einer Woche veröffentlicht
       wurde, zeigt unterdessen, dass weiterhin Tausende Tickets verfügbar sind –
       viele, aufgrund des Zweitmarkts, sogar deutlich unter dem ursprünglichen
       Nennwert. Dass also Vorrundenpartien zwischen kleineren Nationen
       tatsächlich in ausverkauften Stadien stattfinden werden, darf bezweifelt
       werden. Komisch eigentlich – beim inklusivsten Turnier aller Zeiten.
       
       11 Jun 2026
       
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