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       # taz.de -- Highlights der WM: Sechs Spiele, bei denen Sie nicht wegschauen sollten
       
       > Wenn Sie nicht alle 72 Vorrundenspiele sehen wollen – beschränken Sie
       > sich doch auf diese!
       
   IMG Bild: Blind und Torschütze: Vinicius jr., Brasilien
       
       ## Brasilien – Marokko 14. Juni, 0 Uhr
       
       Ob das schön wird, was die Brasilianer anbieten werden? Zu viel sollte man
       sich in dieser Hinsicht vielleicht nicht erwarten. Die Seleçao wird
       schließlich von einem Italiener trainiert. Carlo Ancelotti setzt auf
       Kompaktheit. Und er erinnert an die letzten beiden Weltmeisterschaften, die
       von Brasilien gewonnen wurden. 1994 und 2002 – lang, lang ist’s her –, da
       habe es eine gute Balance zwischen Abwehr und Angriff gegeben. Balance!
       Nein, ein Schönspieltrainer wird aus Ancelotti auch 2026 nicht. Aber da
       sind Leute in seinem Team, die kann auch ein Ancelotti nicht ausbremsen.
       Wenn Vinicius jr. von links außen nach innen zieht, oder Rafinha beim
       Ballverteilen in Laune kommt, werden sich die Marokkaner gewiss schwertun.
       Und keiner mehr wird Neymar vermissen, den Altstar, der wegen einer
       Muskelverletzung fehlen wird. Und Marokko? Das Team ist vor vier Jahren
       WM-Vierter geworden und hat sich bestimmt nicht verschlechtert. Größte
       Stärke sind die Konter über rechts. Achraf Hakimi im Zusammenspiel mit
       Brahim Díaz – das ist schnell und oft schön.
       
       ## Iran – Neuseeland 16. Juni, 3 Uhr
       
       Es könnte [1][die kurzweiligste Partie der WM-Geschichte] werden. Wenn die
       alte persische statt der iranischen Flagge auf der Tribüne geschwenkt wird,
       wäre das Spiel und die WM vielleicht schon nach fünf Minuten entschieden.
       Zumindest wenn das iranische Nationalteam sich an die Anweisungen seines
       Sportministers hält, der für diesen Fall mit Abbruch gedroht hat.
       Offenkundig fürchtet er Protestbekundungen von iranischstämmigen
       WM-Besuchern. Denkbar wäre aber auch, dass die Schikanen der US-Behörden
       dieses Spiel vorab beeinträchtigen. Oder die iranischen Spieler je nach
       Kriegsereignissen die WM-Bühne für politische Botschaften nach erzielten
       Treffern nutzen. Und was passiert erst, wenn die neuseeländischen Fans beim
       Rückstand von 0:3 auf die Idee kommen, persische Flaggen in den Wind zu
       halten? Es ist fast ausgeschlossen, dass diese Begegnung nicht für große
       Schlagzeilen sorgen wird. Drei Uhr in der Nacht mag für die meisten ein
       anspruchsvoller Termin sein, aber die Spektakelgarantie könnte kaum höher
       sein.
       
       ## Frankreich – Senegal 16. Juni, 21 Uhr
       
       Nicht einmal ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Frankreich von Senegal
       das Fürchten gelehrt wurde. Es war der 31. Mai 2002, das Spiel fand im
       südkoreanischen Seoul statt, und der amtierende Welt- und Europameister
       Frankreich verlor sein WM-Auftaktspiel: 1:0 siegte der Senegal. Auch in den
       künftigen Spielen schossen die Bleus keine Tore. Rückflug als
       Gruppenletzter. Dafür, dass Senegal 2022 Afrikameister wurde, dass im Kader
       Weltklassespieler wie Sadio Mané (Bayern München) stehen und dass überhaupt
       jede Menge Profis europäischer Spitzenklubs dabei sind, wird der Senegal
       erstaunlicherweise immer noch in europäischen Expertenportalen [2][niedrig
       gehandelt]. Wie stark Frankreich und wie stark der Senegal bei dieser WM
       tatsächlich sind, das dürfte sich schon im ersten Spiel offenbaren. Der
       1:0-Sieg von 2002 war eine „Kolonialrevanche“, so nannte das der
       senegalesische Historiker Ibrahima Diagne. Schließlich war der Senegal bis
       1960 französische Kolonie. Warum es 2026 keine solche Revanche geben
       sollte, leuchtet nicht ein.
       
       ## England – Kroatien 17. Juni, 22 Uhr
       
       Wenn England und Kroatien am die Gruppe L eröffnen, trifft Titelhunger auf
       hohen Erwartungsdruck. Die „Three Lions“ lechzen 60 Jahre nach Wembley –
       sixty years of hurt – mehr denn je nach einem Titel. Ausgerechnet der
       deutsche Trainer Thomas Tuchel soll die Erlösung bringen. Nach seiner
       Kadernominierung, bei der der 52-Jährige mehrere Topstars außen vor ließ,
       wurde er von der englischen Boulevardpresse zeitweise zum „meistgehassten
       Mann“ des Landes erklärt. Die Marschroute ist klar: Für England zählt nur
       der Titel – und dafür braucht es einen guten Start.
       
       Auf der anderen Seite ist die Ausgangslage etwas anders. Zwar kann die
       Mannschaft um den inzwischen 40-jährigen Luka Modrić auf die
       Vizeweltmeisterschaft 2018 und Platz drei bei der WM 2022 zurückblicken.
       Doch nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der EM 2024 bekam die einst
       gefeierte Goldene Generation erstmals deutliche Kratzer im Image. Mit
       einigen jungen Kräften im Kader bietet das Auftaktspiel nun die Chance zu
       beweisen, dass Kroatien noch lange nicht zum alten Eisen gehört – und im
       Tank noch mehr steckt, als die Reserveleuchte vermuten lässt.
       
       ## Österreich – Argentinien 22. Juni, 19 Uhr
       
       Schon jetzt ein Spiel der Rekorde. In Österreich wird es das erste guckbare
       Spiel seit 1998 werden, die Auftaktpartie gegen Jordanien am 17. Juni wird
       um 6 Uhr in aller Herrgottsfrüh angepfiffen; das Schlussduell gegen
       Algerien sogar bereits um 4 Uhr in der Früh. Die Rot-weiß-Roten werden
       gegen den amtierenden Weltmeister nichts zu verlieren haben, entsprechend
       werden sie antreten: wohlgemut, forsch, hoch pressend. Nur die Hitze in
       Dallas – remember 94 – könnte sie aufhalten. Es ist bekanntlich eine
       [3][Rangnick-Elf] aus der RB-Schule, während sich Argentinien nach Messis
       Wiederkehr (er war fast vier Wochen verletzt) erst wieder finden muss. Für
       die Rekorde wird allerdings allein Messi sorgen, und Messi allein; es wird
       wohl sein 28. WM-Spiel, in dem er unter Umständen nach dem anvisierten
       Dreierpack gegen Algerien sein 17. WM-Tor schießen wird und damit Miroslav
       Klose als ewigen WM-Torschützenkönig ablösen. Und der Vorsprung auf CR7 ist
       gewaltig! Auf der anderen Seite wird Marko Arnautović um jeden Moment, jede
       Minute und jedes Törchen ringen; für den 37-Jährigen ist es die erste und
       wohl auch letzte WM. Auch David Alaba feiert heuer seine Premiere.
       
       ## Deutschland – Ecuador 25. Juni, 22 Uhr
       
       Das torlose Unentschieden gegen die Abwehrkünstler aus Ecuador, das für die
       Deutschen das erwartete Vorrunden-Aus bedeuten wird, sollte man natürlich
       ebenso wenig verpassen wie die Diskussionen über die Zukunft des deutschen
       Fußballs danach.
       
       13 Jun 2026
       
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