# taz.de -- Streit wegen Schulversuch in Spanien: Policía? No gracias
> Polizisten an Schulen – eine gute Idee, dachte sich die spanische Region
> Katalonien. Doch jetzt ziehen sich die ersten Einrichtungen aus dem
> Pilotprojekt zurück.
IMG Bild: Im Oktober 2025 protestieren Schüler in Barcelona gegen Mobbing
Jede Schule bekommt ihren Polizisten – das testet jetzt das
Bildungsministerium in der spanischen Autonomieregion [1][Katalonien].
Zivil gekleidete Beamte der Autonomiepolizei Mossos d'Esquadra sollen
dauerhaft vor Ort sein, Konflikte schlichten und bei Straftaten sofort
eingreifen können. „Konfliktpotential senken und Konflikte verhüten“, nennt
das die sozialdemokratische Regionalregierung unter [2][Salvador Illa].
Zunächst geplant war ein Pilotprojekt an 14 Schulen, die laut Schulbehörde
eine „komplexe Realität“ aufweisen.
Bis Schuljahresende soll eine erste Bilanz vorliegen, im Januar folgt die
endgültige Bewertung. Dann entscheidet sich, ob das Modell auf weitere
Schulen ausgeweitet wird. Die Polizeigewerkschaft SAP begrüßt die Maßnahme.
„Es gibt immer wieder Situationen, die Schulen überfordern“, erklärt ein
Sprecher. Laut Statistiken haben sieben von zehn Lehrern bereits verbale
oder körperliche Übergriffe erlebt.
Bildungsministerin Esther Niubó betont, die Polizisten würden nicht am
Unterricht teilnehmen. Die Schulen und Lehrer hätten die Maßnahme gefordert
und die teilnehmenden Schulen hätten sich freiwillig gemeldet, versichert
sie. Doch Iolanda Segura, Sprecherin der größten Lehrergewerkschaft
USTEC-STEs, widerspricht: „Niemand hat das verlangt.“
Sie fordert das sofortige Ende des Projekts. „Statt Schulen besser
auszustatten, die Klassengrößen zu reduzieren und in Integrationsberatung
oder Schulpsychologen zu investieren, schicken sie Polizisten“, kritisiert
Segura in der katalanischen Presse. Eine Lehrerplattform betont in einem
Kommuniqué, dass Lehrer die „einzige Autorität an der Schule“ sein sollten.
## Geld für Schulpsychologen wurde letztes Jahr gestrichen
Mònica Nadal von der Stiftung [3][Equitat.org], die sich für
Chancengleichheit an Schulen einsetzt, erkennt „tatsächlich Probleme des
Zusammenlebens an einigen Schulen“. Das sei natürlich ein Problem für den
Lernprozess der Schüler und Schülerinnen, die Lösung sei aber die falsche:
„Wenn die Schule eine Bildungs- und Erziehungseinrichtung ist, muss die
Antwort mit Bildung und Erziehung zu tun haben“, sagt sie.
Tatsächlich scheint es, als gehe das Pilotprojekt der Regionalregierung
nach hinten los. Angesichts der Proteste von Lehrern und Eltern haben sich
bereits 4 der 14 Schulen aus dem Projekt zurückgezogen. Weitere könnten
folgen.
Polizisten stünden für Kontrolle, nicht für Pädagogik, heißt es bei
Equitat.org. Fehlende Integrationspolitik und der Fokus auf Kontrolle
verschärften die Ungleichheit und damit die Konflikte vor allem für sozial
benachteiligte Schüler und Minderheiten. Die Stiftung fordert mehr
Fachpersonal für Integration und Konfliktbewältigung.
Doch genau hier spart die Regionalregierung. Allein zum Schuljahresbeginn
wurden im vergangenen Sommer 120 Stellen für Schulpsychologen und
Integrationspersonal gestrichen. „Sie erklärten uns, es sei eine Frage von
fehlendem Geld im Haushalt und jetzt haben wir plötzlich einen Plan, um
Polizisten in den Schulen zu finanzieren“, beschwert sich die Vorsitzende
des Elternverbandes Affac, Lidón Gasull.
Die Minderheitsregierung von Salvador Illa kann bei diesem Vorhaben nicht
auf die Unterstützung der übrigen linken Parteien zählen, die sonst für
ihre parlamentarische Mehrheit sorgen. Für die Republikanische Linke
Kataloniens (ERC) ist es „eine populistische Maßnahme, die zum Scheitern
verurteilt ist“ und für die linksalternative Comuns „ist es weder Pädagogik
noch eine Verbesserung des Zusammenlebens“.
5 May 2026
## LINKS
DIR [1] /Katalonien/!t5026961
DIR [2] /Regionalpraesident-Kataloniens-gewaehlt/!6029058
DIR [3] https://www.equitat.org/
## AUTOREN
DIR Reiner Wandler
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