# taz.de -- EU-Gipfel in Armenien: Schöne Kulisse, wenig Substanz
> Mit dem Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Armenien
> zeigt Europa Präsenz und sendet ein Signal an Russland. Eine Strategie
> für die Region aber fehlt.
IMG Bild: Symbolpolitik ersetzt keine Realpolitik
Als Ausrichterin des [1][Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft]
(EPG) inszeniert sich die armenische Hauptstadt Jerewan dieser Tage als
große Bühne. Frankreichs Präsident joggt in kurzen Hosen über den Platz der
Republik, schüttelt Hände, sucht Nähe. Am Abend sitzt er am Klavier und
singt, während Armeniens Premier Nikol Paschinjan ihn mit der Trommel
begleitet.
Doch Momente wie diese sind flüchtig. Am Mittwoch reisen die Staatschefs
wieder ab. Was bleibt, ist keine Aufbruchsstimmung, sondern Unsicherheit:
die Gefahr eines neuen Krieges mit Aserbaidschan, ein belastetes Verhältnis
zur Türkei, ein [2][unberechenbarer Nachbar Iran] – und der übermächtige
Schatten von Russland, das seinen Einfluss im Südkaukasus nicht kampflos
aufgeben wird.
Dass dieser Gipfel in Armenien stattfindet, ist ein Signal – und in Moskau
wird es gehört. Jeder europäische Schritt in Armenien gilt als Provokation,
jede [3][Annäherung an den Westen] als Abkehr von Russland. Die Teilnahme
des ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist mehr als Diplomatie – sie ist
ein geopolitisches Statement.
Regierungschef Paschinjan nutzt diese Bühne. Vor den Parlamentswahlen am 7.
Juni gibt er den proeuropäischen Reformer und Friedenspolitiker. Das Kalkül
ist riskant: Verliert er, droht innenpolitische Instabilität – und
außenpolitisch womöglich der nächste Krieg.
Dass [4][Oppositionelle in Gefängnissen sitzen, die Medienfreiheit ab- und
Menschenrechtsverletzungen zunehmen] – all das spielt in der europäischen
Inszenierung kaum eine Rolle.
Doch Symbolpolitik ersetzt keine Realpolitik. Europa zeigt Präsenz, hat
aber keine Strategie. Was passiert, wenn Russland als Markt wegbricht? Wenn
sich der Preis für russische Energielieferungen verdoppelt? Wenn Baku den
nächsten militärischen Schritt geht? Armenien verharrt zwischen den Fronten
– [5][ohne echte Sicherheitsgarantien].
Das ist die unbequeme Wahrheit hinter den Bildern aus Jerewan: eine schöne
Kulisse, große Worte, wenig Substanz. Die Diplomatie kommt und geht. Die
Risiken bleiben.
5 May 2026
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## AUTOREN
DIR Tigran Petrosyan
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