# taz.de -- Mietrechtsnovelle von Union und SPD: Möbelabzocke schwerer gemacht
> Das Bundeskabinett gibt grünes Licht für eine weitere Mietrechtsreform.
> Was steht drin? Und was bringt es? Die wichtigsten Änderungen im
> Überblick.
IMG Bild: Die Mieten kennen insbesondere in den Großstädten nur eine Richtung: höher, höher, höher
Am Mittwoch hat das Bundeskabinett eine Reform beschlossen, die
Mieter*innen besser schützen soll. Der Gesetzentwurf zielt unter anderem
darauf ab, dass die [1][Mietpreisbremse besser eingehalten wird.] Es ist
nicht die einzige neue Regelung.
Mehr Transparenz bei möblierten Wohnungen
Ein abgeranztes Sofa in die Wohnung stellen und dafür 200 Euro mehr Miete
kassieren? Eine solche Abzocke soll künftig nicht mehr möglich sein. Die
Bundesregierung möchte für mehr Transparenz sorgen. Möblierte Wohnungen
gelten schon seit [2][Langem als Schlupfloch], die Mietpreisbremse zu
umgehen. Grundsätzlich gilt die Mietpreisbremse zwar auch bei möblierten
Wohnungen, nur sind Vermieter*innen bislang nicht verpflichtet, den
Zuschlag für Möbel transparent auszuweisen. Für Mieter*innen ist es
deshalb schwer nachzuvollziehen, ob die verlangte Miete zulässig ist.
Genau das soll sich jetzt ändern: Vermieter*innen sollen künftig ihre
Zuschläge gesondert ausweisen. Zudem soll der Zuschlag angemessen sein und
sich am Zeitwert der Möbel orientieren. Für voll möblierte Wohnungen können
Vermieter*innen eine Pauschale von 10 Prozent der Nettokaltmiete
ansetzen. Es soll aber in Einzelfällen auch mehr möglich sein.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) wollte die Pauschale
ursprünglich auf 5 Prozent begrenzen, konnte sich damit aber nicht
durchsetzen.
Kurzzeitmiete wird näher definiert
Bei Kurzzeitvermietungen soll erstmals eine gesetzliche Höchstgrenze von 6
Monaten gelten, unter bestimmten Voraussetzungen soll der Zeitraum auf 8
Monate verlängerbar sein. Der Hintergrund: Werden Wohnungen „[3][zum
vorübergehenden Gebrauch“ vermietet, gelten offiziell keine
Mieterschutzregeln]. Kurzzeitvermietungen sind eigentlich nur für klar
begrenzte Aufenthalte gedacht, etwa für eine Kur, Fortbildungen oder
befristete Arbeitseinsätze in einer anderen Stadt. Bislang war aber nicht
definiert, welcher Zeitraum als vorübergehend gilt – und das [4][lädt
offensichtlich zu Missbrauch ein.]
Mehr Regeln für Indexmietverträge
Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wird
vermehrt über Indexmietverträge diskutiert. Denn bei diesen Verträgen
richtet sich die Höhe der Miete nach dem Verbraucherpreisindex, die Miete
korreliert also mit der Inflation. Sie kann einmal im Jahr angepasst
werden. Weitere Besonderheiten: Modernisierungskosten dürfen nicht auf die
Miete umgelegt werden, es sei denn, sie sind gesetzlich festgeschrieben.
Und: Nur bei der Festlegung der Ausgangsmiete gilt die Mietpreisbremse,
danach gibt es keine weitere Begrenzung bei den Steigerungen.
Mit dem neuen Gesetzentwurf soll der Preisanstieg bei sehr hoher Inflation
etwas begrenzt werden. Oberhalb einer Grenze von 3 Prozent dürfen in
angespannten Wohnungsmärkten die Steigerungen nur noch zur Hälfte
mieterhöhend geltend gemacht werden, also: 3 Prozent plus x durch 2. Steigt
der Verbraucherindex um 5 Prozent, wird die Mietsteigerung demnach bei 4
Prozent gedeckelt; bei einer Steigerung von 8 Prozent darf sie höchstens
5,5 Prozent betragen.
„Gerade in Zeiten steigender Inflation gilt: Wohnen zur Miete darf nicht
zur Kostenfalle werden“, erklärte Justizministerin Hubig. Eigentlich wollte
die SPD Indexmieten grundsätzlich bei 3,5 Prozent deckeln, aber das wollte
die Union nicht mittragen.
Besserer Kündigungsschutz
Mit dem neuen Gesetz soll außerdem der Kündigungsschutz verbessert werden.
Mieter*innen, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten, sollen auch bei
ordentlichen Kündigungen eine Schonfrist bekommen. Sie können künftig eine
Kündigung abwenden, wenn sie innerhalb von zwei Monaten die überfällige
Miete nachzahlen. Diese Möglichkeit gibt es aber nur einmalig. Bislang gibt
es eine solche Schonfrist nur bei außerordentlichen Kündigungen.
Mieterschützer*innen beklagen, dass [5][diese Gesetzeslücke von
manchen Vermieter*innen bewusst ausgenutzt wird.]
Wer sagt nun was?
„Wir schließen gezielt Schutzlücken im sozialen Mietrecht, die bislang
vielen Menschen das Leben schwer machen“, erklärt Stefanie Hubig. Die
Verständigung innerhalb der Bundesregierung sei nicht einfach gewesen, aber
zur Demokratie gehöre der Kompromiss.
Die wohnungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Hanna
Steinmüller, kritisiert die Neuregelung der Indexmieten und die Berechnung
der Möblierungszuschläge als zu kompliziert. „Es kann nicht sein, dass
Mieter*innen ein BWL-Studium brauchen, um ihre Miete ermitteln zu
können“, sagt Steinmüller. Zudem brauche es dringend mehr Schutz vor
Eigenbedarfskündigungen.
Caren Lay, [6][die mietenpolitische Sprecherin der Linksfraktion], beklagt
„das Aufweichen der Mietrechtsnovelle auf Druck der Immobilienlobby“. Das
Geschäftsmodell „möblierte Wohnungen“ werde „nicht wirkungsvoll begrenzt“.
Stattdessen werde „eine Grauzone geschaffen, wodurch der
Abschreckungseffekt dahin“ sei. Die Verbesserung des Kündigungsschutzes
begrüßt sie zwar grundsätzlich, fordert aber, „Räumungen in die
Wohnungslosigkeit“ auszuschließen. Für eine wirkungsvolle Begrenzung des
Mietenanstiegs brauche es einen Mietendeckel.
Der Verband Haus und Grund, der die Interessen privater Vermieter*innen
vertritt, zeigt sich wenig erfreut. „Wenn Einnahmen begrenzt werden,
während Ausgaben steigen, enteignet die Bundesregierung faktisch private
Eigentümer“, sagt Verbandspräsident Kai Warnecke.
Wie geht’s weiter?
Das Gesetz muss noch durch den Bundestag – Änderungen sind also nicht
ausgeschlossen. Zudem soll [7][eine Mietrechtskommission] bis Ende dieses
Jahres weitere Reformvorschläge machen. Dabei geht es zum Beispiel um
Bußgelder bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse und eine [8][bessere
Bekämpfung von Mietwucher.]
29 Apr 2026
## LINKS
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DIR [4] /Befristete-moeblierte-Wohnungen/!6081023
DIR [5] /Zwangsraeumung-ohne-Schonfrist/!5997176
DIR [6] /Linkenpolitikerin-Caren-Lay-im-Wahlkampf/!6063225
DIR [7] /Start-einer-Mietrechtskommission/!6110355
DIR [8] /Mietwucher-in-Berlin/!6123481
## AUTOREN
DIR Jasmin Kalarickal
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