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       # taz.de -- Fußball-WM 2026: Hauptsache, Italien
       
       > Ein Sondergesandter von US-Präsident Trump will, dass Iran bei der WM
       > fehlt. Dafür soll das in der Qualifikation gescheiterte Italien
       > nachrücken.
       
   IMG Bild: Hoffnung für die Loser: Italiens Auswahlspieler nach dem Scheitern in der WM-Quali
       
       Dass Paolo Zampolli ein – wie drückt man es im schwierigen Spagat zwischen
       Wahrheit und juristischer Nichtangreifbarkeit aus? – halbseidener Heini
       ist, steht außer Frage. Spannend ist jedoch, ob der „Geschäftsmann“ und
       „Ex-Modelagent“ aktuell im eigenen Auftrag handelt oder wirklich namens der
       US-Regierung.
       
       Das jedenfalls ist die Meldung: Paolo Zampolli, von US-Präsident [1][Donald
       Trump] 2021 in den Präsidentenrat für Sport, Fitness und Ernährung berufen,
       hat vorgeschlagen, das in der Qualifikation gescheiterte Italien solle Iran
       bei der anstehenden Fußball-WM in Nordamerika ersetzen.
       
       Undenkbar ist das nicht. Im März hatte das Sportministerium die Teilnahme
       verneint, doch noch am Mittwoch bekräftigte das Regime, seine Fußballer
       bereiteten sich auf die WM vor. Zudem entscheidet allein die Fifa, wer
       Nachrücker für ein ausfallendes Team wird; Regeln gibt es da nicht. Wenn
       die Fifa will (oder sich davon Gewinn verspricht), dass jemand teilnimmt,
       nimmt derjenige auch teil. Bei der [2][Klub-WM] vergangenen Sommer spielte
       beispielsweise der US-Klub Inter Miami mit – ohne Qualifikation, aber mit
       Lionel Messi.
       
       Bislang allerdings favorisiert die Fifa eine [3][Teilnahme Irans.] Wenn
       aber Iran absagen sollte, dann ist eh klar, dass Italien den Zugriff
       bekäme. Italien hat mit der Serie A einen Fußballmarkt geschaffen, an dem
       auch die verdienen wollen, die das große Sommerturnier verwerten. Eine
       WM-Teilnahme ist eine Wertsteigerung.
       
       Bleibt die spannende Ausgangsfrage: Agiert Paolo Zampolli wirklich im Namen
       der US-Regierung? Auf jeden Fall ist er ein Buddy von Donald Trump. Er ist
       derjenige, der 1996 dem Model [4][Melania Knauss] durch ein „H1B-Visum“,
       das für hochqualfizierte Arbeitskräfte vorgesehen ist, die Einwanderung
       ermöglichte. Model-Vermittler Zampolli, der oft in den Epstein-Files
       vorkommt, rühmt sich zudem damit, Melania 1998 Donald Trump vorgestellt zu
       haben.
       
       Zampollis Werdegang illustriert auf bemerkenswerte Weise, was für ein,
       sagen wir Heini, man sein muss, um hier eine Karriere zu machen: Der
       „Geschäftsmann“ sammelte im UN-Hauptquartier Spenden für erneuerbare
       Energien, gab sich als UN-Berater für den Klimawandel aus, trat als
       UN-Botschafter Brasiliens auf, wurde tatsächlich „Botschafter für Ozeane
       und Meere“ des Inselstaats Dominica, und seine damalige Ehefrau, das
       Exmodel Amanda Ungaro, wurde offiziell Grenadas „UN-Botschafterin für
       Jugendangelegenheiten“.
       
       Donald Trump machte Zampolli zum Mitglied des Kuratoriums des John F.
       Kennedy Center for the Performing Arts, wo er sich für einen Yachthafen und
       ein Restaurant einsetzte. Er gab sich die Eigenbezeichnung „Sondergesandter
       für Italien“, die es gar nicht gibt, aber Italiens rechtsextremer
       Vizepremier Matteo Salvini sprach ihn mit diesem Titel an. Dass Zampolli
       auch für die Rückkehr Russlands in den Weltsport eintritt und zu JD Vance'
       [5][Wir-helfen-unserem-Kumpel-Orban-Mission] vor den ungarischen Wahlen
       gehörte, verwundert nicht.
       
       Wer jetzt noch Zweifel hegt, was der „Sondergesandte“ Paolo Zampolli für
       einer ist, dem sei diese Recherche der New York Times empfohlen: Im März
       soll Zampolli die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE aufgefordert haben,
       seine Ex-Frau in Gewahrsam zu nehmen und abzuschieben. Die Frau wurde außer
       Landes geschafft, der gemeinsame Sohn bleibt bei Zampolli.
       
       Ist also etwas dran an der Meldung, dass entgegen allen sportlichen Regeln
       Italien für Iran an der Fußball-WM teilnehmen wird? Sagen wir so: Es ist so
       unwahrscheinlich wie die Vorstellung, dass einer wie Donald Trump
       US-Präsident, einer wie [6][Gianni Infantino] Fifa-Präsident und einer wie
       Paolo Zampolli Gesandter oder Botschafter wird.
       
       24 Apr 2026
       
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