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       # taz.de -- Comicbiografie „George Lucas“: Das Independentkino schlägt zurück
       
       > Der Star-Wars-Regisseur unterwegs zum Großunternehmer: Episode II der
       > Graphic Novel „George Lucas“ erzählt mit klarem Strich vom schwierigen
       > zweiten Film.
       
   IMG Bild: Abbildung aus „George Lucas. Episode II“, von Renaud Roche und Laurent Hopman
       
       Der Krieg geht weiter: Nachdem der erste Band des Comics „George Lucas“
       sein Publikum mit einem Happy End entlassen hatte, scheint in der
       Fortsetzung von Renaud Roche und Laurent Hopman für den Hollywoodregisseur
       zunächst alles geregelt zu sein. Lucas’ langer Kampf, um sein Studio von
       „Krieg der Sterne“ zu überzeugen, insbesondere wegen der unerwartet hohen
       Produktionskosten, ist für ihn siegreich ausgegangen.
       
       Zuvor hatte das Riesenprojekt an zahlreichen Hürden zu scheitern gedroht,
       wie das Zeichner-Autor-Duo anekdotenreich in Band 1 erzählte. Schon gar
       nicht hatten die Studiobosse von 20th Century Fox dem jungen Nerd einen
       Kassenschlager zugetraut. Daher überließen sie dem knapp 30-Jährigen
       leichtsinnigerweise die Rechte am Film, Merchandising eingeschlossen.
       
       Im zweiten Band, von Roche und Hopman in Anspielung auf die „Krieg der
       Sterne“-Filmreihe „Episode II“ benannt, macht sich der frisch mit
       Rekordgewinn aus seinem riskanten Unternehmen hervorgegangene Lucas im
       Sommer 1977 daran, noch größere Projekte zu verfolgen.
       
       Da er sich auch die Rechte für die Fortsetzung seiner „Krieg der
       Sterne“-Reihe gesichert hat, überlegt er, damit ein Franchise zu starten.
       Regie und den Rest sollen andere übernehmen, er sieht sich selbst als
       ausführenden Produzenten. Sein Ziel ist es, mehr Zeit für die Familie zu
       haben.
       
       ## Die Skywalker Ranch
       
       Ein weiteres Großvorhaben will er gleichwohl angehen. Im abgelegenen Marin
       County möchte er Ländereien kaufen, wo eine gigantische Ranch entstehen
       soll, die spätere Skywalker Ranch. Fernab von Hollywood will er dort
       unabhängig Filme produzieren können, eigene und die von befreundeten
       Kollegen wie [1][Steven Spielberg]. Finanziert werden soll alles mit
       Erlösen aus dem Merchandising von „Krieg der Sterne“.
       
       Renaud Roche illustriert dieses Zukunftsvorhaben als einen Ausflug von
       George Lucas mit seiner damaligen Frau Marcia in die offenen Weiten von
       Marin County. Auf dessen Wiesen lässt Roche die späteren Gebäude als
       durchscheinende Projektionen emporwachsen, optisch sehr ähnlich den
       Videobotschaften, die Lucas in seinen „Krieg der Sterne“-Filmen verwendet.
       
       Aber auf dem Weg vom Traum zur echten Ranch muss Lucas erst einmal den
       zweiten Teil seiner Filmreihe machen.
       
       War „George Lucas – Der lange Weg zu Star Wars“ als klassische Biografie
       angelegt, die das Leben des jungen Lucas von der Kindheit bis zur
       Fertigstellung des ersten Teils von „Krieg der Sterne“ schilderte, ist
       „Episode II“ weit konzentrierter, beschränkt sich auf eine Zeitspanne von
       gerade einmal drei Jahren.
       
       ## Das Imperium schlägt zurück
       
       Den überwiegenden Teil davon nimmt die Arbeit an dem Film ein, der 1980 als
       „Das Imperium schlägt zurück“ in die Kinos kommen und in die Filmgeschichte
       eingehen sollte. Erneut erweist sich der Weg dahin als beschwerlich. Zwar
       ist Lucas in diesem Abschnitt seines Lebens ein „gemachter Mann“, doch
       bedeutet das nicht, dass ihm kein neues Ungemach drohen würde.
       
       „Episode II“ erzählt in der Hauptsache von der Organisation des Drehs von
       „Das Imperium schlägt zurück“ mit all seinen technischen Innovationen und
       Rückschlägen, internen Krisen und Pannen.
       
       Gleich zu Beginn baut Mark Hamill, der Darsteller des Luke Skywalker, einen
       spektakulären Autounfall, bei dem er sich so schwer verletzt, dass in
       seinem Gesicht deutliche Narben zurückbleiben. Kurzerhand entscheidet sich
       Lucas, dass Luke Skywalker am Anfang des Films ebenfalls verletzt werden
       muss. Die Kontinuität muss halt stimmen.
       
       Roches klare Linie mit dynamischem Strich bleibt aufs Wesentliche
       reduziert, Hintergründe deutet er oft bloß an. Die Panels folgen einem
       regelmäßigen Aufbau mit drei Zeilen, den Roche manchmal auflockert, etwa
       wenn er Szenen im Studio detaillierter zeigen will – wie den Sumpf von
       Dagobah, wo Luke Skywalker auf den Jedi-Meister Joda trifft.
       
       ## Perfektionist Lucas
       
       Während der Arbeit an „Das Imperium schlägt zurück“ kann man den
       Perfektionisten Lucas kennenlernen, der den Spagat aushalten muss, die
       Regiearbeit an einen anderen zu delegieren, jedoch seine eigene
       künstlerische Vision weiter zu verfolgen.
       
       Roche und Hopman porträtieren Lucas als sympathischen Kontrollfreak mit
       Neigung zur Verbissenheit, der mitunter schwer von neuen Einfällen zu
       überzeugen ist.
       
       „Episode II“ würdigt in diesem Punkt explizit den Beitrag des Regisseurs
       Irvin Kershner. Bei diesem hatte George Lucas an der University of Southern
       California früher Film studiert.
       
       Der 20 Jahre ältere Kershner schmuggelte einige Ideen ins Drehbuch ein, die
       nicht unwesentlich halfen, den Film zum Klassiker zu machen. Darunter auch
       die berühmte Szene am Ende des Films, in der Prinzessin Leia zu Han Solo
       sagt: „Ich liebe dich“, was dieser lakonisch erwidert mit: „Ich weiß.“ Witz
       dieser Art, so deuten Roche und Hopman an, geht Lucas ein wenig ab.
       
       ## Film über Film
       
       Aus heutiger Sicht mutet die „Krieg der Sterne“-Filmreihe mit all ihren
       Ergänzungen bis hin zu den [2][„Star Wars Stories“] und Serien, an denen
       Lucas seit 2012 nicht mehr beteiligt ist, womöglich längst wie ein
       formelhaftes Profitunternehmen an. Im Mai steht mit „Star Wars: The
       Mandalorian and Grogu“ die jüngste Fortführung an. Unter Freunden des
       „Krieg der Sterne“-Universums jedenfalls gelten die ersten beiden Filme von
       1977 und 1980 mehrheitlich als die gelungensten.
       
       Doch wie man „Episode II“ entnehmen kann, war die Filmkritik beim Kinostart
       von „Das Imperium schlägt zurück“ nicht sonderlich gnädig.
       
       Es hagelte Verrisse bis hin zum schon damals vorgebrachten Vorwurf, der
       Film sei eine „lieblose Geldmaschine“. In der Sache trifft das insoweit zu,
       als sich die Gewinne durchaus sehen ließen. „Das Imperium schlägt zurück“
       rangierte seinerzeit weit oben unter den erfolgreichsten Filmen.
       
       Anders als Lucas freute das dessen Freund Steven Spielberg nur bedingt:
       „Nicht cool“, sagt dieser gegen Ende des Comics, „du hast gerade [3][‚Der
       weiße Hai‘] von Platz 3 verdrängt.“
       
       25 Apr 2026
       
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