# taz.de -- Armutsrisiko Miete: Spanien geht gegen Miethaie vor
> Die Wohnungskosten haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.
> Jetzt erlässt die Regierung Vermietern, die nicht erhöhen, die Steuern.
IMG Bild: Zur Miete wohnen ist zum Armutsrisiko in Spanien geworden: Demonstration für bezahlbaren Wohnraum im vergangenen April in Barcelona
Spaniens Regierung stemmt sich gegen steigende Mieten. Ministerpräsident
Pedro Sánchez kündigte am Montag ein Gesetzespaket an, mit dem er
„Spekulationen ein Ende setzen will, indem Mieterhöhungen bei
Vertragsverlängerungen verhindert und Betrug und Missbrauch bei Saison- und
Zimmervermietungen bekämpft werden“. Er tue dies, „weil einige den Wohnraum
skrupellos auf Kosten des Leids Hunderttausender Familien nutzen. Das ist
keine Freiheit, das ist Missbrauch.“
Künftig sollen diejenigen Vermieter ihre Mieterträge steuerfrei
einstreichen können, die Verträge ohne Erhöhung der Mieten verlängern. Das
soll die Verluste ausgleichen, die durch einen Verzicht auf Mieterhöhung
entstünden, so Sánchez.
In diesem Jahr ist die Verlängerung eines Großteils der Mietverträge in
Spanien fällig, da diese im Rahmen von Sonderregelungen während der
Coronapandemie fortgeschrieben worden waren, ohne die Mieten zu erhöhen.
Dieses Dekret läuft jetzt aus. Er wolle „alles in unserer Macht Stehende
tun, um sicherzustellen, dass diese Mietvertragsverlängerungen ohne
Preiserhöhungen erfolgen“, sagte der Sozialist. Wenn Vermieter nicht
erhöhten, profitieren alle.
Außerdem sollen Saisonvermietungen besser kontrolliert werden. Ziel ist es,
strenge Kriterien für die Einstufung eines Vertrags als Saisonmietvertrag
festzulegen und ein Strafsystem für diejenigen einzuführen, die gegen die
Vorschriften für [1][Kurzzeitvermietungen] verstoßen. Viele Vermieter
nutzen diese Art Verträge, um den immer gleichen Mietern Erhöhungen
aufzubürden. Das ist nicht gesetzeskonform.
## Wohnraum wurde in Ferienunterkünfte umgewandelt
Auch die Vermietung von einzelnen Zimmern – vor allem in großen Städten
immer häufiger – soll besser reguliert werde. So soll der Gesamtbetrag aus
der Vermietung von einzelnen Zimmern nicht den Mietpreis übertreffen, den
die ganze Wohnung einbringen würde.
Das Gros der Spanier ist Eigentümer, Mieten ist zum sozialen Risiko
geworden. Landesweit haben sich die Wohnkosten in den vergangenen zehn
Jahren fast verdoppelt, in Barcelona, Madrid oder Urlaubsorten wie Palma de
Mallorca und Málaga sind sie noch stärker gestiegen. Investoren und
Miethaie haben Wohnraum in [2][Ferienunterkünfte] umgewandelt, was die
Wohnungskrise verschärfte. [3][45 Prozent der Mietenden im Land gelten
bereits als von Armut bedroht]. In Spanien gibt es rund 4,2 Millionen
Miethaushalte.
Im März 2024 hatte Sánchez bereits in den Mietmarkt eingegriffen. Ein
Gesetz erlaubt es nun, den Wohnungsmarkt in einzelnen Stadtteilen oder
ganzen Gemeinden als „angespannt“ zu deklarieren. Er darf dann gedeckelt
werden, wenn die Mieter im Schnitt mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für
die Wohnung aufbringen müssen und die Mietsteigerung in den vergangenen
fünf Jahren vor Einführung des Gesetzes über der allgemeinen
Preissteigerung lag.
Da Wohnungspolitik Regionalsache ist, wird dieses Gesetz nicht überall
angewandt. So weigert sich etwa die rechtsregierte Region Madrid, den
Mietdeckel anzuwenden. In Barcelona und in der Region Katalonien wurden
dagegen bereits 140 Gemeinden zum „angespannten Wohnungsmarkt“ erklärt.
## In Barcelona sanken die Mieten
Die Mieten sind dort sogar gesunken: In Katalonien gingen sie von März 2024
bis Mitte 2025 um 3,7 Prozent zurück, in der Hauptstadt Barcelona gar um
6,4 Prozent. Während Sánchez damals die Unterstützung seines
linksalternativen Koalitionspartners Sumar sowie der restlichen
parlamentarischen Linken hatte, hagelt es jetzt angesichts des neuen
Gesetzespaketes Kritik.
Sumar lehnt Steueranreize für Vermieter ab. Sie seien „ineffektiv“ als
Maßnahme zur Lösung des Wohnungsproblems. „Wir müssen die Rechte der Mieter
schützen, anstatt dafür zu sorgen, dass Vermieter reicher werden“, erklärte
eine Sumar-Sprecherin. Die Linksparteien Bildu und ERC aus dem Baskenland
und Katalonien sowie Mietervereinigungen schlossen sich an.
13 Jan 2026
## LINKS
DIR [1] /Regierung-gegen-Wohnungsnot/!6110239
DIR [2] /Spanien-verhaengt-Airbnb-mit-Geldstrafe-in-Millionenhoehe/!6138402
DIR [3] https://www.abc.es/sociedad/alquiler-trampa-pobreza-inquilinos-espana-vive-riesgo-20251105103555-nt.html
## AUTOREN
DIR Reiner Wandler
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