# taz.de -- Cybermobbing gegen Brigitte Macron: Frankreichs Justiz zieht eine Grenze
> Mit Haftstrafen auf Bewährung bestraft die französische Justiz die
> Verantwortlichen einer Cybermobbing-Kampagne gegen die Präsidentengattin.
IMG Bild: Brigitte Macron, Archivaufnahme vom September 2022
Zehn Personen sind wegen Verbreitung verleumderischer Fake News gegen die
französische „First Lady“ Brigitte Macron am Montag in Paris zu Haftstrafen
von bis zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. In einer
Hasskampagne hatten sie in den sozialen Netzwerken unter anderem behauptet,
die Gattin des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sei in
Wirklichkeit ein Mann. Das war aber bloß der Beginn.
Ohne glaubwürdige Beweise und ohne Rücksicht auf widersprüchliche Fakten
wurde weiter behauptet, sie sei in „Wahrheit“ niemand anderes als ihr
eigener Bruder Jean-Michel Trogneux, und sie habe nachträglich ihre
Identität geändert. Damit soll sie nach der Wahl von Emmanuel Macron zum
Staatspräsidenten die ganze Nation über ihr „wahres“ Geschlecht belogen
haben.
Und dabei blieb es nicht. Brigitte Macron wurde auch in übler und
sexistischer Weise beschimpft und auch noch der Pädokriminalität
beschuldigt, da sie viel älter ist als ihr Mann, mit dem sie schon als
seine Lehrerin liiert war. Dass in einem Paar die Frau wesentlich älter
ist, erregt in sehr konservativen Kreisen Anstoß oder womöglich auch so
etwas wie Neid. Wiederum andere verbreiteten die als Enthüllungsstory
präsentierten Fake News über die „Première dame“ weiter, weil sie das
lustig fanden.
Der Altersunterschied wurde schon bei der Wahl von Emmanuel Macron 2017
belächelt, umgekehrt wurde es aber zumindest anfänglich auch als positiv
kommentiert, dass endlich einmal die Gattin und nicht wie fast gewohnt der
Mann um einiges älter war. Je unpopulärer der Präsident wurde, desto mehr
geriet Brigitte Macron ins Schussfeld.
## Hasskampagne mit weltweiter Ausbreitung
Das Phänomen eines solchen [1][Cybermobbings] ist nur allzu bekannt.
Außergewöhnlich ist hier, wie rasch sich diese Hasskampagne weltweit
ausbreitete. Eine Influencerin aus dem Umfeld des gegenwärtigen
US-Präsidenten, Candace Owens, schlachtete das Thema mit einer Serie im
Internet aus. Sie erreichte ein viel größeres Publikum als das französische
„Medium“ mit dem Pseudonym Amandine Roy, die das Ganze auf Youtube ins
Rollen gebracht hatte.
Diese wurde deshalb zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Acht
Monate, ebenfalls auf Bewährung, lautete das Strafmaß für Aurélien
Poirson-Atlan. Er hatte unter einem Pseudonym gehässige Tweets zu einem
vermeintlichen „schockierenden Staatsgeheimnis und staatlich zugelassener
Pädophilie“ publiziert.
Auch andere Ehefrauen von Staatschefs und einflussreiche Frauen waren in
den letzten Jahren Zielscheibe böswilliger Gerüchte und beleidigender
Behauptungen. Vor Brigitte Macron wurden auch schon Michelle Obama und Kate
Middleton arg verunglimpft.
Am Anfang geht es immer um das Aussehen, das angeblich nicht dem Wunschbild
entspricht. Davon ausgehend wird suggeriert und spekuliert. Offensichtliche
Absicht ist es, einem möglichst großen und vor allem leichtgläubigen
Publikum spektakulär klingende Dinge enthüllen zu können. Am liebsten
vermeintliche Geheimnisse, Skandale oder sonstige Komplotte.
## Verurteilung soll Exempel statuieren
Die Internetkampagne hatte in diesem Fall so große Dimensionen angenommen,
dass das Präsidentenpaar beschloss, sowohl in Frankreich wie in den USA
gegen die vermutlichen Drahtzieher zu klagen. Mit der gerichtlichen
Verurteilung der zehn Angeklagten, so hofft Brigitte Macron, soll ein
Exempel statuiert werden.
Das Gericht müsse klarstellen, dass mit solchen persönlichen Fragen wie der
Identität im Internet „nicht gespielt werden darf“, sagte sie vor der
Urteilsverkündung. Auch wolle sie mit ihrem Gerichtsverfahren die
Jugendlichen unterstützen, die sich als Opfer von Cybermobbing wehren.
5 Jan 2026
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## AUTOREN
DIR Rudolf Balmer
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