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       # taz.de -- Die Wahrheit: Fleischbällchen für ein Monster
       
       > Für die Haltung gemeingefährlicher Tiere braucht es in Irland keine
       > Lizenzen, sodass niemand weiß, was sich unter dortigen Dächern
       > herumtreibt.
       
       Waren es unerwünschte Weihnachtsgeschenke, oder waren dem Besitzer die
       Tiere zugelaufen? Letzteres erscheint unwahrscheinlich, denn es handelt
       sich um zwei hochgiftige Schlangen. Die Gabunviper und die Puffotter wurden
       in Dublin von einem Hauseigentümer entdeckt, nachdem ihn sein Mieter
       informiert hatte, dass er Irland verlassen habe. Hatte er wegen der
       giftigen Mitbewohner das Weite gesucht?
       
       Die Schlangen waren in winzigen Terrarien in einem Reihenhaus
       untergebracht. Die Häuserreihe habe miteinander verbundene Dachböden, sagte
       James Hennessy vom National Reptile Zoo in Kilkenny, der für herrenlose
       Reptilien zuständig ist. „Wenn die Schlangen entkommen wären“, sagte er,
       „hätten auch die Nachbarn ein Problem gehabt.“
       
       Obwohl Hunde in Irland registriert werden müssen, gibt es kaum Vorschriften
       für die Haltung gemeingefährlicher Tiere. Es sind keine Lizenzen
       erforderlich, sodass niemand weiß, was sich unter irischen Dächern
       herumtreibt. Einige Male musste Hennessy sogar Krokodile aus Privathäusern
       abholen, weil sie den Besitzern über den Kopf gewachsen waren.
       
       Der Glaube, dass ein Baby-Krokodil für immer niedlich bleibt, ist
       verbreiteter, als man denkt. Mein Biologie-Lehrer hatte damals ein solches
       Tierchen aus dem Urlaub in Südafrika mitgebracht. Es wohnte dann in der
       Schule in einem Terrarium, das am Ende des langen Flurs durch eine Glaswand
       abgetrennt war. Wir Schüler sollten diesen Nachfahren der Archosaurier
       füttern und fanden es zunächst putzig, wenn der Kleine nach den
       Mini-Fleischbällchen schnappte.
       
       ## Ein ausgewachsenes Monster
       
       Er gedieh prächtig, und nach ein paar Monaten war aus ihm ein
       ausgewachsenes Monster geworden, das sich mit Mini-Fleischbällchen nicht
       mehr zufriedengab, sondern ein Auge auf uns Schüler geworfen hatte.
       Besorgte Eltern informierten die Behörden. Die schickten jemanden vom Zoo,
       eine Art deutschen Hennessy, und der erklärte den Lehrer für bekloppt. Er
       musste aber lediglich eine Strafe für den illegalen Import eines
       geschützten Tieres zahlen.
       
       In Irland will man Wölfe ansiedeln, um der Damwildplage Herr zu werden,
       obwohl Krokodile den Job genauso gut erledigen könnten. Wölfe waren einst
       weit verbreitet, wurden jedoch ausgerottet. Der letzte Wolf wurde um 1786
       getötet, was auf Kopfgelder zurückzuführen war, die von den englischen
       Herrschern ausgesetzt wurden, da die Wölfe das Vieh bedrohten. In dem Punkt
       stimmen die irischen Bauern mit den damaligen Besatzern überein: Wölfe
       seien nicht wählerisch, sie fressen ein Schaf genauso gerne wie einen
       Hirsch.
       
       Für die beiden Schlangen kommt Auswilderung zum Glück nicht in Frage, denn
       sie sind auf der Grünen Insel schon lange nicht mehr heimisch. Der heilige
       Patrick, Irlands Schutzpatron, hat die fußlosen Kriechtiere im 5.
       Jahrhundert ins Meer getrieben, und bis heute sind sie in freier Natur
       nicht wieder aufgetaucht.
       
       5 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
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