# taz.de -- US-Angriff auf Venezuela: Krieg im Hinterhof
> Schon immer haben sich die USA gewaltsam in die Angelegenheiten
> lateinamerikanischer Staaten eingemischt. Aus politischen und
> Wirtschaftsinteressen.
IMG Bild: Öl- oder Regimewechsel? Venezuelas Präsident Maduro sieht sich als Epigon von Freiheitskämpfer Simón Bolívar. Caracas, 3.1.26
Das US-Militär hat am Samstagmorgen Ziele in der venezolanischen Hauptstadt
Caracas bombardiert. Erste Bilder zeigen Explosionen und Brände in der
Stadt. Der Angriff erfolgte auf Befehl von US-Präsident Donald Trump. Trump
schrieb am Morgen auf seiner Plattform Truth Social, der venezolanische
Präsident Niccolás Maduro und dessen Frau seien von US-Spezialeinheiten der
Delta Force festgesetzt und mit dem Flugzeug außer Landes gebracht worden.
Außenminister Marco Rubio kündigte an, Maduro werde vor Gericht gestellt,
und er sei nicht der legitime Präsident seines Landes. Maduro ist seit 2020
in New York wegen Korruption und Drogenhandel angeklagt.
Trump hat seit September den [1][Druck auf Venezuela stetig erhöht]. Er
beschuldigte Maduro, seine „Gefängnisse und Irrenanstalten zu leeren“ und
die Insassen zur Migration in die USA zu zwingen. Weil Maduro in großem
Stil Drogen in die USA schmuggeln lasse, setzte Trump eine Belohnung von 50
Millionen US-Dollar auf ihn aus.
Seit September ordnete er mehr als 30-mal Angriffe auf venezolanische Boote
in internationalen Gewässern an. Dabei wurden bisher mindestens 110
Menschen getötet. Außerdem wurden mehrere Öltanker aufgebracht und
beschlagnahmt. Im US-Kongress wurde Kritik laut, dass diese Angriffe gegen
internationales Recht und US-amerikanische Gesetze verstoßen.
## Neuauflage der Monroe-Doktrin
Die militärische Eskalation der USA gegen Venezuela steht in Widerspruch zu
Trumps Selbstdarstellung als Friedensstifter. Immer wieder behauptet er –
ohne faktische Grundlage -, seit Beginn seiner zweiten Amtszeit vor einem
Jahr schon acht Kriege beendet zu haben, verbunden mit dem Wunsch, den
Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen.
Nun lässt er den 200 Jahre alten Anspruch der USA, über die Geschicke
Lateinamerikas bestimmen zu können, wieder aufleben. Damals formulierte
US-Präsident James Monroe die nach ihm benannte Doktrin, wonach sich die
europäischen Staaten aus den Angelegenheiten der Neuen Welt herauszuhalten
hätten. Präsident Harry Truman ergänzte dies 1947 um den Grundsatz, allen
Völkern, deren Freiheit „von militanten Minderheiten oder durch äußeren
Druck“ bedroht werde, Bestand gewähren zu wollen.
Dies zielte vor allem gegen die damalige Sowjetunion und von ihr
unterstützte sozialistische Bewegungen in Lateinamerika. Die Truman-Doktrin
führte zu umfangreichen Einmischungen der USA in die Politik ihrer
südlichen Nachbarn. So wurde 1961 eine Rebellion von Exilkubanern gegen
Fidel Castro gefördert und die gescheiterte Invasion in der kubanischen
Schweinebucht aktiv unterstützt.
Ab 1964 unterstützten die USA die Militärdiktatur in Brasilien, und 1973
drängte [2][US-Außenminister Henry Kissinger] das Militär in Chile zum
Putsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende.
## Blockade, Putsch und Invasion
Unter Ronald Reagan unterstützten die USA antikommunistische Aufständische
in Nicaragua, die sogenannten Contras, und das Militär in El Salvador, das
mit brutalen Mitteln gegen den Volksaufstand dort vorging. Reagan ordnete
1983 auch die Intervention im karibischen Inselstaat Grenada an. Sein
Nachfolger George Bush beendete 1989 die achtjährige korrupte Diktatur
Manuel Noriegas durch den Einmarsch von 20.000 US-Soldaten.
In den Jahrzehnten danach waren es vor allem Kuba und Venezuela, auf die
sich die Aufmerksamkeit der USA richteten. Kubas Diktator und
Revolutionsheld Fidel Castro erwies sich trotz des Handelsembargos der USA
als hartnäckiger Widersacher. Die Zuckerinsel wurde lange von der
Sowjetunion unterstützt und nennt sich heute noch sozialistisch. Millionen
Kubaner:innen sind in die USA geflüchtet und sind ein wichtiger
politischer Faktor in Florida.
In Venezuela, dem Land mit den größten Ölvorkommen der Erde, wurde 1999 der
linke Populist Hugo Chávez Präsident und baute mit der „bolivarischen
Revolution“ das Staatswesen um. Er lenkte die Erlöse aus dem Ölverkauf in
umfangreiche Sozialprogramme, versäumte aber, die Produktionsanlagen der
staatlichen Ölgesellschaft instand zu halten. Dadurch geriet das Land in
immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten.
2013 starb Chávez, Nachfolger wurde [3][sein Stellvertreter Nicolás
Maduro], der seitdem die bürgerliche Opposition unterdrückt und nur durch
gefälschte Wahlen im Amt bleiben konnte.
Warum Trump den Kurs gegen Venezuela plötzlich verschärft hat, obwohl
[4][Maduro wiederholt Entgegenkommen signalisiert] hatte, bleibt unklar.
Der US-Präsident schürt seit Jahren Hass auf Menschen aus Lateinamerika,
die in den USA auf ein besseres Auskommen hoffen und deshalb dorthin
auszuwandern versuchen.
Er unterstellt ihnen immer wieder, Kriminelle und eine Gefahr für die
Bevölkerung der USA zu sein. Dagegen verblasst der Umstand, dass Venezuelas
Öl Kubas Überleben sichert, denn es wird von dort an China, in den Iran und
nach Russland verkauft und verschafft dem Inselstaat Devisen.
3 Jan 2026
## LINKS
DIR [1] /Konflikt-zwischen-Trump-und-Maduro/!6108873
DIR [2] /Nachruf-auf-Henry-Kissinger/!5977229
DIR [3] /Portraet-Nicolas-Maduro/!5433581
DIR [4] https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/dezember/trump-gegen-venezuela-die-neue-donroe-doktrin
## AUTOREN
DIR Stefan Schaaf
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