# taz.de -- Brandkatastrophe in Crans-Montana: Sprühfontänen zu nah an der Decke
> Staatsanwältin geht davon aus, dass brennende Kerzen auf Flaschen das
> Feuer ausgelöst haben. Brandschutz wird untersucht. Identifizierung der
> 40 Toten dauert.
IMG Bild: Stille Trauer: Kerzen vor der ausgebrannten Bar in Crans Montana
dpa/ap/afp/taz | Die Fotos sind klar und erschreckend. Sie zeigen junge
Menschen ausgelassen feiernd in einer Bar. Sektflaschen mit sprühenden
Wunderkerzen werden hochgehalten. Auf einem Bild sitzt eine junge Frau auf
den Schultern eines anderen Barbesuchers. Auf dem anderen sieht man, dass
die niedrige Decke des Raumes offenbar Feuer gefangen hat.
Laut dem französischen Sender BMFTV, [1][der die Fotos verbreitet hat,]
wurden sie in der Neujahrsnacht von Besucher:innen im Kellerraum der
Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana aufgenommen – unmittelbar bevor
sich das Feuer rasend schnell ausbreitete.
Weitere am Freitag ins Netz geteilte Videos belegen diesen Ablauf. Eins
zeigt, wie ein an der Decke angebrachter Schallschutz bereits brennt. Ein
junger Mann versucht das Feuer mit einem Tuch auszuschlagen, andere filmen
mit ihren Handys die Szene. Mehrfach hört man jemanden auf Französisch
rufen: „Es brennt“.
In der Silvesternacht [2][waren bei dem Brand in einer Bar mit Hunderten
zumeist jungen Feierenden 40 Menschen ums Leben gekommen, 119 weitere
wurden verletzt.] Rund 80 von ihnen sollen sich Berichten zufolge im
kritischen Zustand befinden. Die Zahl der Opfer ist nach Angaben der
Ermittler:innen aber immernoch nicht endgültig.
Ermittler:innen bestätigen den Eindruck der Bilder
Am Freitagnachmittag haben die Ermittler:innen erstmal bestätigt, dass
die Kerzen auf den Flaschen offenbar das Feuer ausgelöst haben. Es würden
zwar weiterhin mehrere Hypothesen überprüft, sagte die
Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud bei einer
Pressekonferenz. „Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass das Feuer
ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf
Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu sehr in die Nähe der Decke
gekommen sind“. Das habe die Auswertung von Videos und von Zeugenaussagen
ergeben.
Dann habe sich das Feuer ausgebreitet, schnell und total, sagt Pilloud.
Bereits am Vortag hatte die Polizei mitgeteilt, dass es einen
Flashover-Effekt gegeben habe, bei dem blitzschnell extrem hohe
Temperaturen entstehen.
Auch die Sicherheitsvorrichtungen in der Bar würden nun untersucht. Dabei
gehe es speziell um Fluchtwege und die zulässige Besucher:innenzahl.
Untersucht würden auch die in der Bar verbauten Materialien. Möglicherweise
werde eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.
Videos zeigten, dass bei der Katastrophe zunächst eine Art Schallschutz an
der Decke des Kellerraumes Feuer gefangen hatte.
Auf Nachfrage eines Journalisten, sagte die Generalstaatsanwältin, es werde
auch untersucht, ob der dort verwendete Schaumstoff zulässig sei. Sie bat
aber, von Spekulationen abzusehen.
Besucher:innen hatten berichtet, dass es nur einen Fluchtweg gegeben
habe. Als erste hatte darüber am Donnerstag ebenfalls der Sender BMFTV
berichtet. [3][Dort hatten zwei junge Französinnen erzählt,] dass die auf
Flaschen gesteckten Wunderkerzen die Decke in Brand gesetzt hätten: „Der
ganze Raum stand nach 30 Sekunden oder einer Minute in Flammen“.
Später zitierten weitere Medien ähnliche Berichte von Augenzeugen. Der
19-jährige Nathan, der sich nach eigenen Angaben rechtzeitig aus der Bar
retten konnte, erzählte der Schweizer Zeitung Blick: „Eine Frau saß auf den
Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“
Sie habe die Sprühkerzen so hoch geschwenkt, dass sie die Decke berührt
hätten. Diese habe plötzlich Feuer gefangen, zitierte die Zeitung den
jungen Schweizer.
Ein junger Gast aus Paris, der 16-jährige Axel Clavier, überlebte das
Unglück und beschrieb die Szenen im Inneren als „totales Chaos“. Einer
seiner Freunde sei ums Leben gekommen, und zwei oder drei würden vermisst,
sagte er der Nachrichtenagentur AP. Er habe den Ausbruch des Brandes nicht
beobachtet, aber er habe Kellnerinnen mit Champagnerflaschen und
Wunderkerzen gesehen.
Enge Fluchtwege
Eine der von BFM interviewten Frauen hatte am Donnerstag beschrieben, wie
die Menschenmenge panisch versuchte, aus dem Kellerclub über eine schmale
Treppe und durch eine enge Tür zu fliehen.
Auch das wird mittlerweile durch Videos im Netz belegt. Dort ist zu sehen,
wie Menschen die Treppe nach oben fliehen. Sie führt zwar offenbar direkt
zum Ausgang. Doch davor ist noch eine mit Glaswänden geschützte Veranda,
die nur einen Ausgang hat, durch den Menschen versuchen zu fliehen.
Ein Video zeigt einen Mann, dem es nach mehrfachen Versuchen von außen
gelingt, eine der Glasfenstertüren zur Seite zu schieben. Eine Frau, die
sichtbar nach Luft ringt, gelingt so die Flucht.
Mehr als Hundert Verletzte identifiziert
Wie Polizeichef Frederik Gisler am Freitag mitteilte, konnten mittlerweile
113 der 119 Verletzten identifiziert werden. Der Großteil von ihnen stammt
aus der Schweiz, anderer aus Frankreich, Italien und weiteren Ländern. Bei
14 Menschen ist die Herkunft noch unklar. Deutsche sind bisher nicht unter
den Opfern.
Einige der Opfer kämpfen noch immer um ihr Leben, sagt Staatsratspräsident
Mathias Reynard.
Die Schweizer Behörden stehen in engem Kontakt mit den Angehörigen, ebenso
mit den verschiedenen betroffenen Botschaften.
Die Identifizierung der 40 Toten könne noch Tage dauern, hatte zuvor schon
ein Polizeisprecher erklärt. Viele der Opfer sind offenbar bis zur
Unkenntlichkeit verbrannt. Aktuell würden Zähne, DNA und Kleider, jedoch
auch Gegenstände, welche die Personen trugen, untersucht, hieß es bei der
Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Mehr als 30 Mitarbeiter seien im
Einsatz. Dennoch dauere die Identifizierung noch.
Mittlerweile versuchen Angehörige und Freund:innen über Seiten im
Internet etwas Vermisste herauszufinden. Die dort gesammelten Bilder
bestätigen, dass die Bar vor allem von jungen Menschen besucht wurde.
Viele der meist jungen Leute hätten nicht nur äußere Verbrennungen
erlitten, sagte Eric Bonvin, Direktor des Krankenhauses im nahe gelegenen
Sitten, am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten glühend heiße Gase
eingeatmet, was bei einigen wahrscheinlich zu inneren Verbrennungen geführt
habe. „Das ist eine wirklich katastrophale Situation“, sagte Bonvin.
Bonvin warnte, der Weg zur Genesung der Schwerverletzten werde
wahrscheinlich lang und beschwerlich. „Für diejenigen mit schweren
Verbrennungen dauert die Intensivbehandlung mehrere Monate“, sagte er.
„Aber es gibt noch Hoffnung. Sie sind jung, und das bedeutet, dass sie noch
viel Lebenskraft haben.“
Für kommenden Freitag kündigte Staatsratspräsident Reynard eine
Trauerveranstaltung an.
Anm. der Redaktion: Dieser Text wurde im Laufe des Tages mehrfach
aktualisiert.
2 Jan 2026
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DIR [1] https://www.bfmtv.com/international/europe/suisse/document-bfmtv-des-photos-montrent-le-moment-du-depart-de-l-incendie-mortel-a-crans-montana_AV-202601020093.html?at_brand=BFMTV&at_compte=BFMTV&at_plateforme=twitter&at_campaign=Fan_pages&at_medium=Community_Management
DIR [2] /Tote-in-der-Schweiz/!6142005
DIR [3] /Tote-in-der-Schweiz/!6142005/
## AUTOREN
DIR Gereon Asmuth
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