# taz.de -- Proteste gegen das Mullah-Regime: Mindestens sieben Tote in Iran
> Die Demonstrationen in Iran wegen der miserablen Wirtschaftslage
> eskalieren. Es sind die größten Proteste seit dem Tod von Mahsa Amini im
> Jahr 2022.
IMG Bild: Demonstration in der Innenstadt von Teheran kurz vor dem Jahreswechsel
ap/afp | Bei schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften in Iran sind laut Berichten bisher mindestens sieben
Menschen getötet worden. Seit Tagen [1][gehen Menschen angesichts der
angeschlagenen Wirtschaft in Städten der Islamischen Republik auf die
Straße]. Am Donnerstag griffen die Proteste auch auf ländliche Provinzen
über. In vier Städten kamen Behördenangaben am Mittwoch zwei Menschen ums
Leben und am Donnerstag fünf weitere.
Die heftigste Gewalt schien Asna zu treffen, eine Stadt in der Provinz
Lorestan, etwa 300 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran. Dort
zeigten Onlinevideos brennende Gegenstände auf der Straße; zudem waren
Schüsse zu hören. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete,
drei Menschen seien getötet worden.
In Lordegan, einer Stadt in der Provinz Tschahar Mahal und Bachtiari,
zeigten Onlinevideos Demonstrierende, die sich auf einer Straße versammelt
hatten, während im Hintergrund Schüsse zu hören waren. Die Aufnahmen
entsprachen bekannten Merkmalen von Lordegan, etwa 470 Kilometer südlich
von Teheran.
Fars berichtete, Protestierende hätten Steine auf das Büro des
Provinzgouverneurs, das Rathaus, eine Moschee und Banken geschleudert. Die
Gebäude seien schwer beschädigt worden, die Polizei habe mit dem Einsatz
von Tränengas geantwortet. Die Polizei habe in der Stadt mehrere als
„Rädelsführer“ beschriebene Menschen festgenommen.
## Aktivisten: Polizei setzt Schusswaffen ein
Zudem seien nach Aussagen eines Beamten am Donnerstag bei den Protesten
zwei Menschen getötet worden. Das in Washington ansässige Abdorrahman
Boroumand Center for Human Rights in Iran erklärte ebenfalls, dort seien
zwei Menschen ums Leben gekommen, und identifizierte sie als
Demonstrierende.
In der Provinz Isfahan berichteten staatliche Medien am Donnerstag über den
Tod eines Mannes, den Aktivistengruppen dem Einsatz von Schusswaffen durch
die Polizei gegen Demonstrierende zuschrieben.
Eine separate Demonstration in Kuhdascht in der westlichen Provinz Lorestan
führte am Mittwochabend Berichten zufolge zum Tod eines 21-jährigen
Freiwilligen der Basidsch-Einheit, einer paramilitärischen Truppe der
Revolutionsgarden. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete den Tod
des Gardemitglieds, ohne Details zu nennen.
Das Student News Network, eine iranische Nachrichtenagentur, die der
Basidsch als nahestehend gilt, machte Demonstrierende direkt für den Tod
verantwortlich und berief sich auf Aussagen eines stellvertretenden
Gouverneurs der Provinz Lorestan. Das Justizportal Misan berichtete unter
Berufung auf den örtlichen Staatsanwalt Kasem Nasari, nach den Protesten
seien 20 Menschen festgenommen worden.
## Proteste laufen seit Sonntag
Die spontanen Demonstrationen waren am Sonntag vom größten Handy-Markt in
Teheran ausgegangen. Zunächst demonstrierten vor allem Händler [2][wegen
der desolaten Wirtschaftslage, der hohen Inflation und
Wechselkursschwankungen]. Danach schlossen sich auch zahlreiche Studierende
an mindestens zehn Universitäten des Landes sowie Menschen in zahlreichen
anderen Städten an.
Die Proteste sind die größten in Iran seit 2022, als [3][der Tod der
22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam] landesweite Demonstrationen
auslöste. Damals wurden hunderte Menschen auf den Straßen getötet, tausende
wurden inhaftiert. Mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet.
Irans Regierung unter dem reformorientierten Präsidenten Massud Peseschkian
versucht zu signalisieren, dass sie mit den Demonstrierenden verhandeln
möchte. Peseschkian räumte jedoch ein, dass er wenig tun könne, da die
iranische Währung Rial rapide an Wert verloren habe; ein US-Dollar koste
inzwischen rund 1,4 Millionen Rial.
Peseschkian wies die Regierung am Donnerstag an, Maßnahmen zu ergreifen, um
die wirtschaftliche Lage zu verbessern. „Aus islamischer Sicht (…) werden
wir in der Hölle landen, wenn wir das Problem der Lebensgrundlagen der
Menschen nicht lösen“, sagte er bei einer im Staatsfernsehen übertragenen
Veranstaltung.
2 Jan 2026
## LINKS
DIR [1] /Proteste-in-Iran/!6141756
DIR [2] /Proteste-in-Iran/!6141792
DIR [3] /Drei-Jahre-nach-dem-Tod-Mahsa-Aminis/!6109990
## TAGS
DIR Proteste in Iran
DIR Teheran
DIR Inflation
DIR Iranische Revolutionsgarden
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
DIR Proteste in Iran
DIR Schwerpunkt Iran
DIR wochentaz
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Protestwelle im Iran: Mut in seiner Reinform
Wirtschaftliche Not hat die neue Protestwelle im Iran initiiert. Doch der
Aufstand richtet sich gegen das gesamte System der Islamischen Republik
DIR Proteste in Iran: Auf die Straße für fundamentalen Wandel
In Iran protestieren Menschen weiter gegen Regierung und hohe
Lebenshaltungskosten. Erstmals seit Langem fordern viele wieder die
Rückkehr des Schahs.
DIR Proteste in Iran: Wenn der Basar streikt
Inflation und Währungsverfall setzen der iranischen Wirtschaft massiv zu.
Mit den Streiks in den Basaren gerät das Regime erneut unter Druck.
DIR Proteste in Iran: Der Markt regelt die Revolte
Ausgelöst von Händlern des Großen Basars in Teheran erlebt die Islamische
Republik erneut Proteste – nicht nur wegen des plötzlichen
Währungseinbruchs.
DIR Drei Jahre nach dem Tod Mahsa Aminis: Iran braucht Hilfe von außen
Der Tod der Kurdin im Polizeigewahrsam löste Massenproteste aus. Viele
Iraner*innen glauben, dass sie Israel ihre relative Ruhe vor der
Sittenpolizei verdanken.