URI:
       # taz.de -- Deutsch-Französisches Luftkampfsystem: FCAS auf unbestimmte Zeit vertagt
       
       > Es soll das wichtigste und teuerste Prestigeprojekt der europäischen
       > Rüstungskooperation werden. Doch Merz und Macron haben bislang keine
       > Einigung hinbekommen.
       
   IMG Bild: Nicht einig geworden bei FCAS? Oder keine Zeit? Kanzler Merz und Präsident Macron
       
       dpa | Deutschland und Frankreich haben die Entscheidung [1][über das
       zusammen mit Spanien geplante Luftkampfsystem FCAS] erneut vertagt –
       diesmal auf einen unbestimmten Zeitpunkt. „Entgegen der ursprünglichen
       Planung ist eine abschließende Entscheidung zum Fortgang des FCAS-Projekts
       zum Jahresende noch nicht gefallen“, teilte ein Regierungssprecher der
       Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.
       
       Grund dafür sei „die umfassende deutsch-französische Agenda in außen- und
       sicherheitspolitischen Fragen, die eine Befassung mit dem Thema gemeinsames
       Kampfflugzeug auf der Ebene des Präsidenten und des Bundeskanzlers noch
       nicht möglich gemacht hat“, hieß es weiter. Wie es nun mit dem Projekt
       weitergeht, ist noch völlig offen. „Ein neues Datum für eine Entscheidung
       können wir zu diesem Zeitpunkt nicht nennen“, schrieb der
       Regierungssprecher.
       
       ## Gesamtkosten im dreistelligen Milliardenbereich
       
       FCAS steht für „Future Combat Air System“ und wäre bei einer Realisierung
       das größte und teuerste [2][europäische Rüstungsprojekt]. Die Gesamtkosten
       werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Das
       Luftkampfsystem soll im Verbund mit unbewaffneten und [3][bewaffneten
       Drohnen] fliegen und ist insofern mehr als ein Kampfflugzeug. Der Plan ist,
       dass es den von der Bundeswehr genutzten Eurofighter und auch die
       französische Rafale ab 2040 ablöst.
       
       ## Ursprünglich war Ende August geplant
       
       Die Entscheidung über die Realisierung sollte ursprünglich bis zum
       deutsch-französischen Ministerrat Ende August in Toulon fallen. Daraus
       wurde nichts. Kurz vor dem Treffen beider Kabinette verkündete
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Verschiebung der Entscheidung und
       setzte mit dem Jahresende eine neue Zielmarke. Beide Seiten zeigten sich
       fest entschlossen, die Zeitvorgabe diesmal einzuhalten, um
       Planungssicherheit zu bekommen.
       
       „Wir halten an dem Plan fest, bis zum Ende des Jahres eine Entscheidung zu
       treffen“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch im
       November. „Ganz egal, wie die aussieht, es wird bis zum Ende des Jahres
       eine Entscheidung geben.“
       
       ## Differenzen über Beteiligung der Unternehmen
       
       Daraus wurde jetzt wieder nichts. Die Verhandlungen ziehen sich vor allem
       wegen tiefgreifender Differenzen über die jeweilige Beteiligung der
       Unternehmen Dassault (Frankreich), Airbus Deutschland und Indra (Spanien)
       in die Länge.
       
       Dassault will 80 Prozent des Projekts an sich ziehen. Von deutscher Seite
       wurde dagegen schon im Sommer die Erwartung geäußert, dass sich Dassault
       „an die bestehenden Vereinbarungen“ hält, nach der die Unternehmen
       gleichermaßen beteiligt werden sollen.
       
       ## Zwei Kampfjets als Kompromiss?
       
       Als Kompromiss wird in Fachkreisen inzwischen eine Lösung mit zwei
       Kampfjets diskutiert, die dann wie bisher die Rafale und der Eurofighter
       von Dassault und [4][Airbus produziert] würden. Dann würde sich das
       Gemeinschaftsprojekt im Wesentlichen auf die sogenannte „Combat Cloud“, ein
       Datennetzwerk für militärische Ressourcen, und die begleitenden Drohnen
       beschränken. Es würde aber zusätzliche Kosten verursachen und Probleme beim
       Export des Systems wegen der Konkurrenz zwischen den beiden Kampfjets
       bedeuten.
       
       Spekuliert wird auch über ein mögliches Umschwenken Deutschlands auf ein
       Konkurrenzprojekt, das Global Combat Air Programme (GCAP) der Briten,
       Italiener und Japaner. Eines Scheitern von FCAS hätte aber nicht nur für
       die deutsch-französische Rüstungskooperation erhebliche Folgen, sondern für
       die Beziehungen beider Länder insgesamt. Wann es die nächsten Schritte zu
       einer Klärung gibt, ist unklar.
       
       1 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Treffen-in-Berlin/!6103482
   DIR [2] /Aufruestung-der-Bundeswehr/!5843022
   DIR [3] /Neue-Fluggeraete-fuer-Deutschland/!6140756
   DIR [4] /Hoehere-Ruestungsausgaben/!5774347
       
       ## TAGS
       
   DIR Bundeswehr
   DIR Schwerpunkt Frankreich
   DIR Rüstungspolitik
   DIR Flugzeug
   DIR Rüstungsindustrie
   DIR Aufrüstung
   DIR Bundeswehr
   DIR Boris Pistorius
   DIR Schwerpunkt Emmanuel Macron
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Streit um die Zukunft von FCAS: Europäisches Luftkampfsystem droht abzustürzen
       
       Der deutsche Luftfahrtverband fordert ein deutsches Kampfflugzeug für das
       europäische Milliardenprojekt. Und auch die Gewerkschaften haben Bedenken.
       
   DIR Verteidigungshaushalt: Mehr als 108 Milliarden Euro für das Militär
       
       Eine Parlamentsmehrheit stimmt für riesige Investitionen in die Bundeswehr.
       Die Linksfraktion kritisiert, dass die Regierung den Bundestag belüge.
       
   DIR Treffen von Merz und Macron: Sie verstehen sich
       
       Kanzler Merz und Präsident Macron zelebrieren den Neustart der
       deutsch-französischen Beziehungen. Wie viel die Beschlüsse wert sind, wird
       sich erst noch zeigen.