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       # taz.de -- 1.408 Tage Krieg in der Ukraine: Neujahrswunsch Frieden
       
       > In der Ukraine stehen Weihnachten und Neujahr im Zeichen des Krieges.
       > Feiern werden in die U-Bahn verlegt. An Silvesterfeuerwerk denkt niemand
       > mehr.
       
   IMG Bild: Traditionelle orthodoxe Weihnachtsprozession in Kyjiw vor der Gedenkstätte für gefallene Soldaten am 29. Dezember
       
       Weihnachten und Neujahr sind für die Ukrainer eine Zeit, in der Träume wahr
       werden. Ja, ringsherum ist Krieg: Städte werden bombardiert, der Strom
       fällt aus und an der Front erobert der russische Aggressor ukrainisches
       Land. Aber gefeiert wird trotzdem. Sogar an der Frontlinie.
       
       Traditionell, ein Überbleibsel aus sowjetischer Zeit, ist Neujahr in der
       Ukraine der wichtigste Feiertag. Doch in den letzten Jahren hat Weihnachten
       seine Vorrangstellung ausgebaut. Selbst das – russische – Väterchen Frost
       tritt langsam von der Bühne ab [1][und überlässt seinen Platz dem heiligen
       Nikolaus]. Auf alle Fälle aber ist die Zeit zwischen dem 24. Dezember und
       dem 1. Januar (und für manche der 7. Januar – [2][das orthodoxe Weihnachten
       „alten Stils]“) immer noch eine lange Reihe von Feiertagen. [3][Man stellt
       einen Tannenbaum auf], schickt Grüße an Freunde und Verwandte, bereitet
       Festtagsgerichte vor und verteilt Geschenke. Also alles wie überall auf der
       Welt? Nicht ganz.
       
       Seit Beginn des Kriegszustandes sind die Feiertage in der Ukraine offiziell
       keine arbeitsfreien Tage mehr. Es gibt sie schlicht nicht mehr – bis der
       Krieg vorbei ist. Natürlich können Unternehmen selber entscheiden, ob sie
       an diesen Tagen die Arbeitszeit verkürzen. Und einige tun das auch. Aber
       eben nicht alle.
       
       ## Sicherheit hat Priorität
       
       Alle großen Versammlungen in ukrainischen Städten, auf denen Menschen
       zusammenkommen, werden in der Ukraine jetzt als „Menschenansammlungen“
       gesehen, die im Krieg unsicher sind. In Kyjiw wurde trotz allem ein
       Weihnachtsbaum auf dem Sophienplatz im Stadtzentrum aufgestellt, ein
       Weihnachtsmarkt und Weihnachtsliedersingen angekündigt, obwohl die
       Meinungen der Kyjiwer über den Sinn solcher öffentlichen Feierei sehr
       geteilt sind. Noch mehr Streit gab es zu diesem Thema in Odessa,
       Tschernihiw und Sumy, wo es ebenfalls öffentliche „Feierorte“ gab.
       
       In Charkiw und Dnipro hingegen war man verantwortungsbewusster in Bezug auf
       Sicherheit: Tannenbäume und große Veranstaltungen wurden unter die Erde
       verlegt – in die U-Bahn-Stationen. In Kramatorsk und Cherson hat man ganz
       auf Weihnachts- bzw. Neujahrsbäume verzichtet und nur kleine
       Veranstaltungen an geschützten Orten für diejenigen Kinder geplant, die
       überhaupt noch in diesen Städten leben. Und natürlich geht nachts niemand
       auf die Straße – denn selbst an Neujahr gilt eine nächtliche
       Ausgangssperre.
       
       ## Wir vergessen die Front nicht!
       
       Es ist sozusagen eine heilige Pflicht, ukrainischen Soldaten Weihnachts-
       und Neujahrswünsche zu schicken. In den sozialen Medien und bei
       Messengerdiensten entstehen Gruppen mit Namen wie „Neujahrsgeschenke für
       unsere Soldaten“. Die Initiatoren sammeln Geld und packen Päckchen mit
       Geschenken: Souvenirs, Tee, Honig, Nüsse, Trockenwurst und Ähnliches.
       
       Ein Freund von mir fermentiert zum Beispiel schon seit mehreren Jahren
       feste grüne Tomaten in einem 100-Liter-Fass, um sie dann zu verpacken und
       „ein bisschen Vitamine für die Jungs an der Front“ zu verschicken. Einige
       dieser Initiativgruppen gibt es bereits seit vier Jahren und sie werden nur
       zu den Feiertagen aktiv.
       
       ## Erwartungen und Träume sind jetzt andere
       
       Natürlich erwartet niemand mehr ein Silvesterfeuerwerk. Und sehr
       wahrscheinlich werden wir das auch in den nächsten 20 Jahren nicht mehr zu
       sehen bekommen. Denn gerade wächst eine ganze Generation mit
       posttraumatischen Belastungsstörungen auf, die schon allein durch solche
       Explosionsgeräusche sofort an Luftangriffe und Frontkämpfe denkt.
       
       Und zum anderen träumen eigentlich alle Ukraine vor allem von Frieden. Der
       Neujahrswunsch nach einem „friedlichem Himmel“ überwiegt alle anderen. Die
       Weihnachtswunschzettel kleiner Ukrainer sind dem Frieden gewidmet. Frieden
       in der Ukraine ist zu einem Traum geworden.
       
       Aus dem Russischen [4][Gaby Coldewey]
       
       1 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Artem Perfilov
       
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