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       # taz.de -- Küstenort will mehr Tourismus: Ein neuer Name für die Suchmaschinen
       
       > Ein italienischer Küstenort wird von Suchmaschinen übersehen – und will
       > jetzt handeln. Der Fall könnte Schule machen, findet unsere Autorin.
       
   IMG Bild: Während Barcelona – im Bild der Strand Barceloneta – weniger Tourist:innen will, ist es im italienischen Vallecrosia umgekehrt
       
       Einen langen Strand, mildes mediterranes Klima, ein historisches Zentrum,
       dem Tourismus gegenüber aufgeschlossene Bewohner:innen und sogar einen
       Bahnhof – der italienische Ort Vallecrosia hat viel von dem, was ein guter
       Ferienort so braucht. Aber eines fehlt. Zumindest nach Ansicht der lokalen
       Politik: ein passender Name.
       
       Denn während Vallecrosia für Menschen ohne großartige Italienischkenntnisse
       erstmal vor allem [1][nach Italien] klingt, sind die Algorithmen von
       Suchmaschinen natürlich viel weiter. Valle = Tal, Vallecrosia muss also ein
       Ort irgendwo im Hinterland sein. Für einen Urlaubsort an der Küste ist es
       allerdings eher schlechtes Marketing, wenn Reisewillige, die so etwas wie
       Urlaub + Italien + Meer eingeben, Vallecrosia nicht in der Ergebnisliste
       erhalten. Der Ort will also seinen Namen ändern: Vallecrosia al Mare.
       
       Geht die Strategie auf, könnte sie womöglich Schule machen – wenn auch in
       die andere Richtung. Denn wenn eine Namensänderung für digitale
       Sichtbarkeit sorgen kann, ginge das nicht auch umgekehrt? Mit einem
       Namenswechsel hin zu mehr digitaler Unsichtbarkeit? Denn das Problem vieler
       Orte und Städte ist üblicherweise nicht zu wenig Tourismus. Sondern zu
       viel. Amsterdam? [2][Barcelona?] Venedig? Koh Samui? Kyoto? Die lokale
       Bevölkerung würde wohl einiges dafür geben, weniger Reisende empfangen zu
       müssen. Ein digitaler Tarnumhang wäre da praktisch. Warum also nicht mal
       einen neuen Namen ausprobieren?
       
       ## Das Gegenteil von hip
       
       Für Orte in Deutschland bietet sich da der Namenszusatz „Bad“ an. Den zu
       bekommen ist zugegebenermaßen etwas kompliziert, aber dann könnte er
       wirken: Deutsche wissen, dass solche Orte in der Regel das Gegenteil von
       hip sind, und im Englischen sorgt „bad“ mindestens für Irritationen.
       Füssen, das lieber sein Lifestyle-Image behalten als ein Kur-Image bekommen
       will, hat sich daher jüngst gegen das Tragen des frisch verliehenen Titels
       entschieden.
       
       International wäre vielleicht eine komplette Namensänderung wirksamer, um
       [3][die Algorithmen] zu verwirren. Die Umsetzung würde eine Menge Aufwand
       bedeuten, das ist klar. Aber wenn es mehr bringt als das Arsenal an
       Maßnahmen und Kontrollen, die derzeit aufgefahren werden – von
       Eintrittsgeldern über Bettenobergrenzen bis hin zu Sperrstunden – könnte es
       lohnen.
       
       Ob auch Vallecrosia eines Tages zu den Orten gehört, die wünschten, etwas
       weniger Tourist:innen anzuziehen? Falls ja, haben sie dort immerhin
       einen einfachen Ausweg: das „al Mare“ ließe sich unkompliziert wieder aus
       dem Namen streichen.
       
       1 Jan 2026
       
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