# taz.de -- Ausstellung von Lena Schramm in Würzburg: Hysterisches Vergnügen
> Von der Freizeitkultur durchtränkt und ein bisschen beknackt: die
> Soloschau der Berliner Künstlerin Lena Schramm im Museum im
> Kulturspeicher Würzburg.
IMG Bild: Lena Schramm: Ohne Titel (HubbaBubba), 2023, Öl auf Leinwand
In Seattle gibt es eine Gasse, deren Backsteinwände über und über mit
durchgekauten Kaugummis beklebt sind und weiterhin werden. In allen Farben
hängt das Alltagsprodukt in der Gum Alley herab, ausgespuckt drapiert, das
Abjekt ganz nah am Vergnügen. In Würzburg erinnert gerade ein Bild von Lena
Schramm an den ekligen Zauber des Wundermaterials: Auch hier zieht es die
Kaugummifäden nach allen Regeln der Kunst in Richtung Schwerkraft,
rosébeige ragt die zähe Masse über den Rand.
„Ohne Titel (HubbaBubba)“ heißt die Arbeit von 2023, die nur Titel und die
Motivlage mit dem klebrigen Lebensmittel teilt. Auf dem pastosen
Untergrund, tatsächlich reine Ölfarbe, hat die Künstlerin jene kugelrunden
Kaugummiblasen platziert, mit denen der Hersteller einst geworben hat.
Hier, in der [1][Stadt mit bester Weinlage], zeigt das Museum im
Kulturspeicher unter dem beknackt daherkommenden Titel „Fröhliche Laune und
gute Laune durch Freude am Selbermachen“ die erste institutionelle
Einzelausstellung der Berliner Künstlerin. Freizeit will gestaltet werden,
das weiß auch Lena Schramm, deren Werk von Slogans, Statements, Logos und
anderen Variationen der Alltagskultur durchtränkt ist.
## Zeitgenössisches Stillleben mit Weinlache
Zwei Jahre lang hat sich die Malerin und Bildhauerin für ihre Schau mit der
fränkischen Weinkultur befasst. Anderswo würde das als „künstlerische
Forschung“ durchgehen, aber so viel Jargon hat Schramm gar nicht nötig.
Auf Nachfrage gibt es eine Kostprobe der selbstgekelterten Auslese, die
nach zwei Jahren Reifung recht sauer schmeckt. Drumherum formieren sich auf
gemalten Weinlachen zeitgenössische Stillleben: Kippenstummel, Bierdeckel,
Wurstenden, [2][Minions]. Aus einer Farbgeste tritt, dick aufgetragen, der
Lippenstift von Chanel heraus, [3][vis-à-vis eine Einkaufstüte des lokalen
Eroscenters]. Andere Sprenkel und Striche werden fast unbemerkt zu Fliegen
oder Nacktschnecken. Fabelhafte Wimmelbilder, generiert aus [4][den
Überresten eines realen oder imaginären Weinfestes].
Im Nebenraum weitere Arbeiten der letzten Jahre, manche Leinwand formstreng
vollendet und manche scheinbar halbfertig. Pastoser Farbauftrag spielt oft
eine Schlüsselrolle bei Lena Schramm. Ihre Kunst vereint einen sehr
BRD-spezifischen Künstlerwitz mit dem Bewusstsein für ebenjene malerischen
Oberflächen einer Nicole Eisenman, ohne dass damit annähernd schon alles
gesagt wäre.
## Freizeitarmada der anderen Art
Die Künstlerin ist ganz offensichtlich etwas auf der Spur: Hier tropft
vermeintlich noch die Farbe vom Sonnenschirmskelett, dort formieren sich
XXL-Pillen zu einer Freizeitarmada der anderen Art. Geprägt mit allem, das
gebrandet werden kann. Nur folgerichtig war in der 2021er-Serie „Ecstasy“
zwischen Fanta, Starbucks und „Gut & günstig“ auch schon Platz für das
Konterfrei von Donald Trump eingeräumt. Schramm jongliert zwischen den
Formaten; gemalte Dinge können gleich nebenan dreidimensional auftauchen
und vice versa.
Man muss hier nicht [5][gleich Adornos „Fun ist ein Stahlbad“ anrufen].
Aber zu Lena Schramms hysterischen Freizeitvergnügen passt das Zitat,
gerade weil die so formulierte Kritik an der Kulturindustrie so
überstrapaziert, längst selbst veroberflächlicht ist. Und wenn ein kleines
Männchen, der „Zensor“, neben einem Leinwandfleck erscheint, dann sind sich
Kunst- und Weinkenner, rote Pfützen auf Leinwänden oder Tischtüchern
plötzlich wirklich ganz nah.
2 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Katharina J. Cichosch
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