# taz.de -- Ahndung bei Volksverhetzung: Eine Strafe für die Demokratie
> Volksverhetzung soll zum Entzug des passiven Wahlrechts führen. So sieht
> es ein Paket mit Strafrechtsverschärfungen von Justizministerin Hubig
> vor.
IMG Bild: Polizist:innen beschützen einen Feuerwehreinsatz in Berlin an Silvester 2020
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat ein Paket mit
Strafrechts-Verschärfungen vorgelegt. Die meisten haben mit dem [1][Schutz
von Polizist:innen und Einsatzkräften] zu tun und stehen wegen der an
Silvester zu erwartenden Böllerattacken natürlich im Mittelpunkt des
medialen Interesses.
Fast versteckt findet sich in diesem Paket aber auch eine Änderung, die
nach Silvester vermutlich eher zu Kontroversen führen wird. Bei einer
Verurteilung wegen Volksverhetzung kann das Strafgericht künftig das
passive Wahlrecht aberkennen. Das heißt: Falls [2][Björn Höcke] oder ein
anderer AfD-Hetzer wegen Volksverhetzung verurteilt würde, dürfte er fünf
Jahre lang nicht mehr für einen Sitz im Landtag oder Bundestag kandidieren.
Etwas Ähnliches war im schwarz-roten Koalitionsvertrag angekündigt worden:
„Im Rahmen der Resilienzstärkung unserer Demokratie regeln wir den Entzug
des passiven Wahlrechts bei mehrfacher Verurteilung wegen Volksverhetzung.“
Gegenüber dieser Ankündigung sieht Hubigs Vorschlag nun zwei Abmilderungen
und eine Verschärfung vor. So plant Hubig keinen Automatismus, sondern die
Gerichte sollen im Einzelfall entscheiden. Außerdem sollen Verurteilungen
zu Geldstrafen nicht ausreichen, vielmehr soll mindestens eine
sechsmonatige Freiheitsstrafe erforderlich sein. Allerdings soll der
Verlust der Wählbarkeit nicht erst bei wiederholter Verurteilung wegen
Volksverhetzung eintreten können, sondern schon beim ersten Mal.
Hubig begründet die Maßnahme mit dem drohenden Ansehensverlust der
Volksvertretung, wenn dort verurteilte Volksverhetzer sitzen. Der Zeitpunkt
legt aber nahe, dass es um eine Maßnahme geht, die vor allem auf
AfD-Politiker:innen zielt, also auf Vertreter:innen der stärksten
Oppositionspartei. Der Schuss dürfte nach hinten losgehen und eher das
Ansehen und das Vertrauen in das demokratische System weiter schwächen.
Eingriffe in den demokratischen Wettbewerb sind immer heikel, vor allem
aber, wenn sie typischerweise Oppositionspolitiker:innen treffen.
30 Dec 2025
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## AUTOREN
DIR Christian Rath
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