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       # taz.de -- Proteste in Iran: Wenn der Basar streikt
       
       > Inflation und Währungsverfall setzen der iranischen Wirtschaft massiv zu.
       > Mit den Streiks in den Basaren gerät das Regime erneut unter Druck.
       
   IMG Bild: Geschlossene Läden im Grand Bazaar in Teheran am 30. Dezember
       
       Die Forderungen nach dem Sturz der Islamischen Republik, sowie [1][Videos
       und Bilder von Protesten aus Iran] gibt es [2][spätestens seit 2022] in
       Mengen. Jedes Mal wuchs die Hoffnung, dass das Regime tatsächlich fällt.
       Doch das Mullahregime konnte bisher dank politischer Uneinigkeit der
       Zivilbevölkerung, mangelnder Solidarität im Ausland und lascher Sanktionen
       Europas überleben und die Funken der Hoffnung ersticken.
       
       Dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere: Erstmals sind es Händler und
       Ladenbesitzer in Basaren und Einkaufszentren, die die Proteste beginnen.
       Seit Sonntag streiken sie und thematisieren die wirtschaftliche Lage des
       Landes. Auslöser ist der massive Wertverlust der iranischen Währung. Die
       Hyperinflation frisst Einkommen und Ersparnisse auf, verteuert den Alltag
       und treibt die Betriebe in den Ruin. [3][Nach Jahren der
       Perspektivlosigkeit] haben nun auch die Händler nichts mehr zu verlieren.
       Das Regime befindet sich im wohl instabilsten Moment seit der
       Machtübernahme vor 46 Jahren. Es ist sowohl ideologisch als auch finanziell
       bankrott.
       
       Dass das wirtschaftliche Nervenzentrum des Landes streikt, macht dem Regime
       Angst. Denn historisch ist das ein Warnsignal: Von der Tabakbewegung 1891
       bis zur Revolution von 1979 war der Basar stets ein Katalysator politischer
       Umbrüche. Um sich davor abzusichern, versuchte das Regime, die Basare mit
       Lizenzen und Posten an sich zu binden. Der Basar galt seither, bis auf
       Ausnahmen, als konservative Stütze des Systems. Und schwieg, [4][während
       andere protestierten.]
       
       Wenn dieser nun streikt, steht die Legitimität des Systems infrage. Seit
       Montag schließen sich auch mehrere Studierendenvertretungen den Protesten
       an. In einem Statement erklärten die Aktivist:innen: „Die Zeit des Zögerns
       ist vorbei. Die Stimmen der Menschen hallen von den Basaren auf die
       Straßen. Das Ende der Diktatur liegt in der Luft.“ Vielleicht kommt von
       ihnen der entscheidende ideologische Impuls, und die Hoffnung auf ein Ende
       des Regimes wird wahr.
       
       30 Dec 2025
       
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