# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Was das Treffen zwischen Trump und Selenskyj ergab
> Vieles bleibt nach dem Gespräch der Staatschefs von Ukraine und USA
> offen: Etwa, welche Sicherheitsgarantien es für das angegriffene Land
> geben soll.
IMG Bild: Immerhin wohl etwas bessere Stimmung als beim letzten Mal: Selenskyj und Trump trafen sich am Sonntag
## Selenskyj in den USA: Heikle Fragen bleiben ungeklärt
US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Staatschef Wolodymyr
Selenskyj haben bei ihrem Treffen in Florida heikle Fragen im Ringen um ein
Ende des russischen Angriffskriegs nicht ausräumen können. Offen sei etwa,
ob Russland ukrainisches Territorium behalten könne, das es derzeit
kontrolliere, teilten Trump und Selenskyj am Sonntag bei einem
[1][Presseauftritt in Mar-a-Lago] in Palm Beach mit. Ungeklärt sei auch die
Frage nach Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die sie vor einer erneuten
Invasion Russlands schützen sollen.
Trump sagte vor Reportern zwar, die Ukraine und Russland seien einem
Friedensabkommen „näher als je zuvor“. Doch auf die Frage, wann mit einem
Deal zu rechnen sei, räumte er ein, dass die Verhandlungen auch scheitern
könnten. „In wenigen Wochen werden wir wissen, in welche Richtung es geht,
denke ich. Aber es könnte auch schlecht laufen“, erklärte er. „Es könnte
etwas geben, einen Punkt, an den man nicht denkt, der aber ein großer Punkt
ist und alles zum Scheitern bringt. Sehen Sie, es sind sehr schwierige
Verhandlungen. Sehr detailreich.“
Nach ihrem Treffen telefonierten Trump und Selenskyj mit europäischen
Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, und
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Selenskyj sagte, der
US-Präsident habe sich bereiterklärt, europäische Staats- und
Regierungschefs zu einem Gipfel einzuladen, der im Weißen Haus stattfinden
könnte. Das Treffen könnte bereits im Januar stattfinden. Trump bestätigte
dies und ergänzte, dass auch ein anderer Gipfelort als Washington möglich
sei. Selenskyj dankte Trump für seine Bemühungen und betonte: „Die Ukraine
ist bereit für Frieden.“
Vor Selenskyjs Ankunft in Palm Beach telefonierte Trump mit Putin. Im
Anschluss berichtete der US-Präsident in seinem Netzwerk Truth Social von
einem „guten und sehr produktiven“ Telefonat. Der außenpolitische Berater
Putins, Juri Uschakow, erklärte in Moskau, das Gespräch zwischen Trump und
Putin sei auf Initiative der USA zustande gekommen und habe mehr als eine
Stunde gedauert. Das Telefonat sei in einem „freundlichen, wohlwollenden
und geschäftsmäßigen“ Ton geführt worden.
Uschakow forderte von Kyjiw eine „mutige, verantwortungsbewusste,
politische Entscheidung“ zu der umkämpften Region Donbass im Osten der
Ukraine. Putin pocht auf einen Rückzug der Ukraine aus dem Gebiet – auch
aus bisher nicht von Russland kontrollierten Gegenden in Donezk, das neben
Luhansk den Donbass bildet. Zudem verlangt der Kremlchef, dass Russland die
von seinen Angriffstruppen besetzten Gegenden in vier ukrainischen Regionen
sowie die 2014 annektierte ukrainische Halbinsel Krim behält und diese als
russisches Territorium anerkannt werden. Kyjiw hat die Forderungen
zurückgewiesen.
Selenskyj erklärte in der vergangenen Woche, sein Land wäre zum
Truppenrückzug aus dem Donbass als Teil eines Friedensplans bereit, sofern
Russland sich ebenfalls zurückziehe und in dem Gebiet eine
entmilitarisierte, von internationalen Kräften überwachte Zone eingerichtet
werde. Trump hat sich offen gezeigt, auf Forderungen Putins einzugehen. So
argumentierte Trump, dass der Kremlchef von einem Kriegsende überzeugt
werden könne, wenn Kyjiw ukrainisches Gebiet im Donbass abtrete und
westliche Länder wirtschaftliche Anreize für Russland schaffen würden.
Nach ihrem Treffen bezeichneten Trump und Selenskyj die Entscheidung über
die Zukunft des Donbass als zentralen Knackpunkt. „Das ist ein sehr heikler
Streitpunkt, aber ich denke, er wird gelöst werden“, sagte Trump. Selenskyj
ergänzte: „Unsere Haltung ist sehr klar. Deshalb hat Präsident Trump
gesagt, dass dies eine sehr schwierige Frage ist, und natürlich haben wir
und Russland unterschiedliche Positionen dazu.“
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen
Russlands Angriffstruppen. In den vergangenen Monaten hat die
Trump-Regierung ihre diplomatischen Bemühungen um ein Kriegsende forciert.
Verschiedene Entwürfe für einen Friedensplan machten die Runde, an
Heiligabend präsentierte Selenskyj einen 20 Punkte umfassenden Entwurf auf
der Grundlage des jüngsten Stands der Gespräche. Dieser beinhaltet unter
anderem Sicherheitsgarantien der USA und europäischer Länder für die
Ukraine in Anlehnung an die Beistandsklausel aus Artikel 5 des
Nato-Vertrags.
Kurz vor dem Treffen von Trump und Selenskyj griff die russische Armee die
Ukraine erneut an. Drei Bomben hätten in der Nacht zum Sonntag Privathäuser
in der ostukrainischen Stadt Slowjansk getroffen, teilte der Chef der
örtlichen Militärverwaltung, Wadym Lach, mit. Ein Mann sei getötet worden,
drei Menschen seien verletzt worden, berichtete Lach bei Telegram. Am
Samstag hatte Russland die ukrainische Hauptstadt Kyjiw mit ballistischen
Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei kam Behördenangaben zufolge
mindestens ein Mensch ums Leben. 27 Menschen seien verletzt worden.
Trump erklärte dennoch bei der Begrüßung Selenskyjs, dass er nach wie vor
davon ausgehe, dass Putin „sehr ernsthaft“ daran interessiert sei, den
Krieg zu beenden. „Ich glaube, auch die Ukraine hat einige sehr starke
Angriffe ausgeführt“, ergänzte Trump. „Und das sage ich nicht negativ. Ich
denke, wahrscheinlich muss man das auch. Aber ich glaube – er hat mir das
nicht gesagt –, dass es in verschiedenen Teilen Russlands einige
Explosionen gegeben hat. Für mich sieht es so aus, als kämen sie, ich weiß
nicht (…) Ich glaube nicht, dass sie aus dem Kongo gekommen sind. Ich
glaube nicht, dass sie von den Vereinigten Staaten von Amerika gekommen
sind. Sie kamen womöglich aus der Ukraine, aber diese Frage habe ich nicht
gestellt.“
Auf eine Frist für ein Kriegsende wolle er sich nicht festlegen, betonte
Trump. Der Krieg müsse aber enden, „sonst wird er für eine lange Zeit
weitergehen und Millionen weiterer Menschen werden getötet.“ (dpa)
## Wie Moskau das Telefonat mit Trump bewertet
In Moskau wird das Telefonat zwischen Kremlchef Wladimir Putin und
US-Präsident Donald Trump sowie dessen anschließendes Treffen mit seinem
ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj positiv bewertet. „Es
herrscht das Empfinden, dass sich eine Bewegung voran andeutet“, schrieb
der Vizechef des Föderationsrats (Oberhaus des russischen Parlaments)
Konstantin Kossatschow, der als einer der profiliertesten Außenpolitiker
des Landes gilt, auf Telegram. Er lobte die US-Position als ausgewogen und
zielorientiert.
„Eins ist klar: Die Schlüssel zur Regulierung (des Konflikts) haben
Russland und die USA, die Europäer werden nach wie vor Bosheiten machen und
Selenskyj wird nervös am Spielfeldrand rauchen“, schrieb er. Der echte
Verhandlungsprozess sei durch das Telefonat zwischen Trump und Putin
angestoßen worden, meinte Kossatschow. Bedeutend sei die Abmachung über
zwei Verhandlungszweige: einen zu Sicherheitsfragen und einen zu
wirtschaftlichen Themen. Die Gespräche zwischen Europäern und Ukrainern
hingegen bezeichnete er als wertlos. (dpa)
## Macron kündigt Beratungen zur Ukraine in Paris an
Mehrere Ukraine-Unterstützerstaaten wollen sich nach Angaben von
[2][Frankreichs Präsident Emmanuel Macron] Anfang Januar in Paris beraten.
„Wir versammeln die Länder der Koalition der Willigen (…), um die konkrete
Beteiligung jedes einzelnen festzulegen“, schrieb Macron am Montag im
Onlinedienst X. Er und weitere europäische Spitzenpolitiker hatten am
Sonntag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenksyj und
US-Präsident Donald Trump telefoniert.
Zur Koalition der Willigen aus Ländern, die über Sicherheitsgarantien für
die Ukraine nach einem möglichen Waffenstillstand mit Russland beraten,
zählen gut 30 überwiegend europäische Staaten. (afp)
## 🐾 Was für eine Diplomatin gelungenes Verhandeln ausmacht
Lohnt sich Diplomatie in Zeiten von Trump und Putin noch? Darüber sprechen
die taz-Redakteur:innen Tanja Tricarico und Jens Uthoff [3][mit der
ehemaligen OSZE-Beauftragten für die Ukraine, Heidi Tagliavini.]
## Russlands Wirtschaft strauchelt
Die russische Industrie ist einer Umfrage zufolge im Dezember so stark
geschrumpft wie seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine vor fast vier
Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe
fiel auf 48,1 Punkte von 48,3 Zählern im November, wie der
Finanzdienstleister S&P Global am Montag zu seiner Unternehmensumfrage
mitteilte. Als Gründe wurden ein deutlicher Rückgang der Produktion und der
Neuaufträge genannt. Damit liegt das Barometer den siebten Monat in Folge
unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Rückgang fiel so stark
aus wie seit März 2022 nicht mehr.
Die Produktion nahm bereits den zehnten Monat in Folge ab. Die Unternehmen
begründeten dies mit einer schwachen Nachfrage und weniger neuen
Bestellungen. Die Neuaufträge sanken den siebten Monat in Folge, wenn auch
so langsam wie in diesem Zeitraum nicht mehr. Eine Zurückhaltung der Kunden
und eine geringere Kaufkraft belasteten die Nachfrage. Zudem baute der
Sektor Personal ab. Die Zahl der Beschäftigten sank zum dritten Mal binnen
vier Monaten.
Gleichzeitig beschleunigte sich der Anstieg der Einkaufspreise auf den
höchsten Stand seit März. Die Unternehmen verwiesen auf höhere Preise bei
Lieferanten und für Rohstoffe. Trotz der gedämpften Nachfrage erhöhten die
Hersteller ihre Verkaufspreise, um die gestiegenen Kosten weiterzugeben.
Die Zuversicht der Manager ließ nach. Der Optimismus für die zukünftige
Produktion fiel auf den niedrigsten Stand seit Mai 2022. (rtr)
29 Dec 2025
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