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       # taz.de -- Zum Tod von Brigitte Bardot: Sie hat wohl die Tiere mehr geliebt als die Menschen
       
       > Sie widmete ihr Leben dem Tierschutz, politisch driftete sie ins
       > rechtsextreme Lager ab: Die Schauspielikone Brigitte Bardot ist tot.
       
   IMG Bild: Auf den Hund gekommen: Brigitte Bardot betrieb eine Auffangstation für gerettete Hunde. Hier ein Aufnahme von 1980
       
       Sie gehörte weltweit zu den bekanntesten französischen Persönlichkeiten des
       20. Jahrhunderts. [1][Am Sonntag ist Brigitte Bardot, 91-jährig, in ihrer
       Villa in der Nähe von Saint-Tropez gestorben.] Als international
       bewunderter Filmstar, als klischeehaftes Schönheitssymbol und als Ikone
       neuer Sitten und Freiheiten der 60er-Jahre ist sie in die Geschichte
       eingegangen. „Wir trauern um eine Legende des Jahrhunderts“, schreiben zum
       Tod von Bardot die Zeitung Le Figaro und auch Staatspräsident Emmanuel
       Macron.
       
       „BB“, wie sie in Frankreich genannt wurde, war als Schauspielerin und
       Interpretin einiger Chansons mit ihrem Look zunächst ein Aushängeschild
       einer Epoche, die als Zeit der kulturellen und auch sexuellen Befreiung
       galt. Als Feministin wollte sie deswegen selbst nie gesehen werden. Sie hat
       sich die Freiheit genommen, die sie für sich wollte, und sie hat stets ohne
       Rücksicht auf betretene oder empörte Reaktionen gesagt, was sie dachte und
       wollte. So wurde sie für viele zu einem Vorbild, sie hat damit aber auch
       andere schockiert. Bardot bleibt eine ebenso bewunderte wie umstrittene
       Persönlichkeit.
       
       Brigitte Bardot kam am 28. September 1934 als Kind einer wohlhabenden
       Familie der Pariser Bourgeoisie auf die Welt. Ihr Vater, ein Industrieller,
       hatte sich nicht ein Mädchen, sondern einen Knaben gewünscht. Ihre Mutter
       fand ihre Tochter nicht sehr hübsch, weil sie auf einem Auge praktisch
       blind war und dicke Brillengläser brauchte. Doch die junge Brigitte
       entpuppte sich als begabte Tänzerin, und als inzwischen sehr fotogene
       Jugendliche posierte sie für ein Modemagazin. Ein Fotograf des Magazins
       Paris Match, Roger Vadim, „entdeckte“ das Talent und das Potenzial der erst
       14-Jährigen.
       
       Er wurde ihr Liebhaber und gegen den Willen der Eltern der erste Ehemann
       der noch Minderjährigen. Er drehte mit ihr 1956 in Saint-Tropez den zum
       Mythos gewordenen Film „Et Dieu… créa la femme“ („Und Gott schuf die
       Frau“). Sie spielte darin mit ihrer natürlichen Grazie, einer
       vermeintlichen Unschuld und ihren sexuellen Reizen. Die Szene, in der sie
       barfuß auf einem Tisch einen Mambo tanzt, war eine cineastische Zäsur.
       
       ## Nur eine Konkurrentin: Marilyn Monroe
       
       Kommerziell war der Film zu Beginn eine Pleite, nur ein paar Filmemacher
       der Nouvelle Vague wie Truffaut oder Godard waren begeistert. Doch in den
       USA machte der Film wegen der gewagten Darstellung schnell Schlagzeilen.
       Das französische Nachwuchstalent Bardot wurde zum internationalen Star „BB“
       und zum Ideal einer neuen weiblichen Schönheit. Das Filmmagazin Les Cahiers
       du cinéma wagte den Vergleich: „Es gab James Dean, es gibt (jetzt) Brigitte
       Bardot.“ Weltweit hatte sie damals nur eine Konkurrentin: Marilyn Monroe.
       
       Es folgten Rollen auf Rollen [2][in insgesamt 51 Filmen], illustrierte
       Reportagen auf Reportagen, Serge Gainsbourg und andere komponierten für sie
       Lieder, die sie mit ihrer fast kindlichen Stimme für Schallplatten aufnahm.
       Und auch ihre Partner wechselten in rascher Abfolge. Unter ihnen
       Filmpartner wie Jean-Louis Trintignant und Jacques Charrier, den sie
       heiratete und mit dem sie ein Kind, Nicolas, hatte. Ihr dritter Gatte war
       der deutsche Playboy und Jetsetter Gunter Sachs.
       
       ## Mit 40 Jahren zog sie sich zurück
       
       Mit nicht einmal 40 Jahren hat sie sich dann aus der Welt des Glamours
       zurückgezogen. BB wollte wieder Brigitte Bardot werden und sich nicht
       länger als Sexsymbol vermarkten lassen. Vielleicht ein bisschen zu Unrecht
       wurde sie deswegen als Stimme einer feministischen Befreiung von
       sexistischen Klischees gefeiert. Selber hat sie sich über die Feministinnen
       eher abfällig geäußert.
       
       1973 beendete sie ihre Kinokarriere, anscheinend ohne Bedauern, um sich
       danach ganz und bis zu ihrem Lebensende dem Kampf für den Tierschutz zu
       widmen. Auch wollte sie ihr Publikum nicht teilhaben lassen am eigenen
       Altern in weiteren Kinofilmen und Magazingeschichten. Bardot, deren Gesicht
       und deren volle Lippen bis heute Schönheitschirurgen als Vorlage dienen,
       hatte stets gesagt, jegliches Lifting abzulehnen.
       
       In den letzten 50 Jahren wurden die von ihr publizierten Bilder rar. Sie
       lebte zurückgezogen an der Côte d’Azur. Noch bis vor Kurzem aber konnten
       Fans sie am Straßenrand grüßen, wenn sie in ihrem Auto, begleitet von ihren
       Setterhunden zu ihrer Zweitvilla, La Garrigue, fuhr, wo sie seit Langem ein
       Refugium für gerettete Tiere eingerichtet hatte.
       
       Für eine internationale Kampagne gegen die Jagd auf Seehundbabys suchte sie
       zusammen mit dem Tierschützer Franz Weber dann noch mal die Öffentlichkeit.
       Sie erreichte 2009 ein europäisches Importverbot für die Felle, die nicht
       von Ureinwohner*innen gejagt wurden.
       
       Erfolglos blieb dagegen ihr Kampf gegen das rituelle Schlachten von Tieren
       ohne Betäubung, wie es Tradition beim Aid-el-Kebir-Fest der Muslime ist.
       Wegen ihrer aggressiven antimuslimischen Äußerungen dazu wurde sie mehrfach
       gerichtlich verurteilt. 2012 rief sie öffentlich zur Wahl der
       rechtsextremen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen auf. Zusammen mit
       ihrem vierten und letzten Ehemann, Bernard d’Ombale, einem engen Freud des
       Politikers Jean-Marie Le Pen, wurde Bardot immer mehr der rassistischen
       Rechten zugeordnet.
       
       In ihrem als Vermächtnis gedachten Buch „Larmes de combat“ („Tränen eines
       Kampfs“) schrieb sie 2018, ihr erster Lebensabschnitt (als Filmstar) sei
       nur ein „erster Entwurf“ gewesen, erst in der zweiten Hälfte habe sie die
       Antworten auf die früheren Fragen dank ihres Engagements für die Tiere
       erhalten: „Alles geht von der Überzeugung aus: Die Menschheit ist nicht das
       Zentrum der Welt, das Tier ist nicht Sklave des Menschen, es zu unterwerfen
       und zu misshandeln, macht uns unmenschlich.“ Von Brigitte Bardot heißt es
       in Frankreich, sie habe die Tiere mehr geliebt als die Menschen.
       
       28 Dec 2025
       
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