# taz.de -- Veranstaltungsort in Berlin: Eine Bühne für Terrorversteher
> Der Berliner Eventort bUm wurde mit Unterstützung von Betterplace und
> Google gegründet. Inzwischen ist er ein Szeneobjekt extremistischer
> Palästina-Aktivisten.
IMG Bild: Das bUm unter Polizeibeobachtung am Tag einer Veranstaltung zum Gazakrieg im Februar
Der Bühnenauftritt in der Kreuzberger Eventlocation bUm dürfte für Hüseyin
Doğru ein PR-Coup gewesen sein: Am 8. November lud das Onlinemedium
„Gegenwind“ zu einer Konferenz dort mit dem Titel „Mut zur Wahrheit“ ein.
Untertitel: „Journalismus in Zeiten von Genozid und Krieg“. Doğrus
Gesprächspartner war Nick Brauns, Chefredakteur der linken Zeitung Junge
Welt.
Doğru ist nicht irgendein Journalist, er ist Betreiber des russlandnahen
Portals „Red Media“ – ein Nachfolger der nach Putins Überfall auf die
Ukraine aufgelösten Propagandaplattform „Redfish“, [1][wie die taz
recherchierte]. Inzwischen hat [2][die Bundesregierung nach einer
Auswertung der Sicherheitsbehörden bestätigt]: Hinter „Red Media“ soll
Russland stecken, das Portal sei mit dem staatlichen Propagandasender RT
„eng verzahnt“. Auch die Europäische Union wurde gegen „Red Media“ tätig:
Doğru ist seit Mai offiziell sanktioniert, zusammen mit anderen
[3][Kreml-Propagandisten wie Alina Lipp].
Im bUm darf sich Doğru allerdings als „kritischen Journalist im Fadenkreuz“
darstellen. Er behauptet, er sei lediglich wegen seiner
„propalästinensischen Berichterstattung“ kriminalisiert worden. Für diese
Selbstinszenierung bietet ihm das bUm eine Bühne. Auf die Frage, ob Doğru
dafür ein Honorar erhielt – was gegen EU-Sanktionen verstoßen würde –,
reagierte der Veranstalter „Gegenwind“ nicht.
Als Raum „für Engagement und solidarisches Miteinander“ – so präsentiert
sich das bUm im alten Umspannwerk am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer. 2016
kündigte Google dort die Eröffnung eines Start-up-Campus an. Im Kiez regte
sich damals lauter Protest, Aktivist*innen besetzten kurzzeitig das
Objekt – und der Techriese übergab zwei Jahre später die Räume an die
Sozialgenossenschaft Karuna und die Spendenplattform Betterplace, um auf
dem 2.600 Quadratmeter großen Gelände stattdessen einen Ort für „soziales
Engagement“ zu schaffen.
## Verbindungen zu Hamas und PFLP
2019 wurde die betterplace Umspannwerk GmbH gegründet, kurz bUm – mit einem
mietfreien Nutzungsvertrag von Google bis September 2026. Betrieben wird
der Ort von einem siebenköpfigen Team. Über 50 Vereine sollen inzwischen
dort zu Hause sein, die laut Webseite zu Themen wie Antidiskriminierung,
Klimaschutz und politischer Bildung arbeiten.
Doch die Location wird zunehmend auch zum Treffpunkt einer aktivistischen
Szene, die der [4][antiisraelischen Boykottbewegung BDS] nahesteht,
Terrororganisationen wie die Hamas als legitimen Widerstand feiert und mit
antisemitischer Hetze auffällt. Eine Szene, in der Figuren wie Hüseyin
Doğru offenbar auf Sympathie stoßen.
So im August: Der Neuköllner Bezirksverband der Linkspartei stand in der
Kritik, nachdem dieser ein Sommerfest zusammen mit dem „Vereinigten
Palästinensischen Nationalkomitee“ angekündigt hatte – laut
Verfassungsschutz eine Gruppe, die den Terrororganisationen Hamas und PFLP
nahesteht. Die zunächst gebuchte Location, die Kiezkapelle an der
Neuköllner Hermannstraße, sprang daraufhin ab – und das bUm als
Ausweichlocation sprang ein.
Laut dem linken Bezirksverband kamen am Ende 500 Menschen. Als Redner trat
ein Mann namens Ibrahim I. auf – er gilt als langjähriger Unterstützer der
PFLP, die ebenfalls am Hamas-Angriff gegen Israel am 7. Oktober 2023
beteiligt war und über Jahrzehnte hinweg Anschläge gegen Zivilist*innen
verübt hat. „Gaza blutet, aber es bricht nicht. Der Widerstand ist ein
Recht, ihr Widerstand ist unser Widerstand!“, sagte er von der Bühne aus –
das geht aus einem Transkript der Rede hervor, das der taz vorliegt.
## Warnung vor „zionistischer Presse“
Auch Ramsis Kilani, der nach antisemitischen und terrorverherrlichenden
Aussagen aus der Linkspartei ausgeschlossen wurde, hielt dort eine Rede.
Jemand, der anwesend war, schildert der taz: Ordner*innen hätten
Teilnehmer*innen davor gewarnt, dass die „zionistische Presse“ vor Ort
sei.
Anfang November wurde im bUm das Unframe Festival durchgeführt – eine
dreitägige Konferenz für „sozialistische Ideen und Kultur“. Das Programm
liest sich wie ein Who’s who der extremistischen Palästina-Szene in
Deutschland.
Aufgetreten ist etwa Yasemin Acar, eine vorbestrafte Berliner
Palästina-Aktivistin, die auf Demos aggressiv auftritt und etwa den
iranischen Raketenangriff auf Israel feierte. Ebenfalls auf der Bühne:
Mitglieder der radikal-antizionistischen und vom Verfassungsschutz
beobachteten Randgruppe Jüdische Stimme oder der trotzkistischen Politsekte
Klasse gegen Klasse, die sich mit dem „Befreiungsschlag“ der Hamas am 7.
Oktober solidarisierte. Auch Kilani trat als Redner auf.
Mitte November fand eine Veranstaltung der neu gegründeten Arbeitsgruppe
„Palästinasolidarität“ der Linkspartei im bUm zur antiisraelischen
Boykottkampagne BDS statt mit dem Titel: „Boykott als Widerstand“. Ziel des
Events war, die Partei dazu zu bringen, BDS zu unterstützen. Etliche
jüdische Organisationen weltweit sowie der Deutsche Bundestag halten die
Kampagne für antisemitisch.
Und Mitte Dezember hielt im bUm die trotzkistische Splittergruppe
Sozialismus von unten, eine Abspaltung von Marx21, einen dreitägigen
Kongress ab: Die Organisation bezeichnet das Massaker vom 7. Oktober als
„Ausbruch aus dem Freiluftgefängnis“, hält die Einstufung der EU und
anderer Staaten der Hamas als Terrororganisation für eine „Delegitimierung
des Widerstandes“ und lehnt die Zweistaatenlösung in Nahost ab.
## Bangen um die Zukunft
Auf taz-Anfrage sagte ein Vorstandsmitglied der gemeinnützigen gut.org aAG,
dem Dachunternehmen der Spendenplattform Betterplace, dass die bUm Berlin
GmbH seit einem Jahr komplett eigenständig und nicht mehr
gesellschaftsrechtlich mit ihr verbunden sei – das bUm-Team habe die
Anteile von gut.org vollständig übernommen. Der Veranstaltungsort heißt
inzwischen offiziell nur „bUm“ und nicht mehr „betterplace Umspannwerk“,
wie aus einem Gesellschaftsvertrag im Handelsregister hervorgeht.
Die Sozialgenossenschaft Karuna sagte der taz, sie sei seit 2022 nicht mehr
Teil des Ortes und seiner Veranstaltungen und habe keinerlei Kenntnisse
über die Nutzung der Räume. Eine Sprecherin von Google will die Events am
Veranstaltungsort nicht kommentieren und verweist auf die
Vertreter*innen des bUm.
Eva Mörchen, Geschäftsführerin vom bUm, will einen Fragenkatalog der taz
nicht beantworten, sondern verweist auf das „Awareness-Konzept“ auf dessen
Webseite. Dieses wurde am 18. Dezember überarbeitet, erst nach der
taz-Anfrage. Welche Änderungen vorgenommen wurden – dazu bekommt die taz
keine Antwort. Eine archivierte Version gibt es nicht.
Im aktuellen Konzept vom bUm heißt es: „Wir stellen Räume bewusst zur
selbstbestimmten Gestaltung zur Verfügung. Das heißt nicht, dass wir jede
vertretene Position teilen, sondern dass wir Austausch ermöglichen, ohne
uns die (moralische) Deutungshoheit anzumaßen.“ Das bUm lehne Gewalt sowie
menschenfeindliche und autoritäre Ideologien ab, heißt es weiter,
„insbesondere von Ableismus, Queerfeindlichkeit, Antisemitismus,
antischwarzem, antimuslimischem und antipalästinensischem Rassismus“.
In der Zwischenzeit bangt das bUm um seine Zukunft nach Ende des
Google-Vertrags. Noch neun Monate sind es bis dahin. Die künftige Miete
liege deutlich über den bisherigen Einnahmen, heißt es auf der Webseite.
„Damit das solidarische Modell weiterbestehen kann, braucht es
Unterstützer:innen und starke Partner:innen, die gemeinsam mit uns ein
tragfähiges Zukunftsmodell entwickeln.“
Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass
Nick Brauns das Gespräch mit Hüseyin Doğru moderierte. Richtig ist, dass er
daran teilnahm.
19 Dec 2025
## LINKS
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DIR [3] /Desinformationskampagne-Russlands/!6034158
DIR [4] /-BDS-Bewegung-wird-20/!6095994
## AUTOREN
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