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       # taz.de -- Mit Zuversicht ins neue Jahr: Was machen wir aus unserer Mehrheit?
       
       > 2026 stehen politische Weichenstellungen in einigen Bundesländern an.
       > Keine Panik! Es gibt eine Mehrheit für ein liberaldemokratisches
       > Deutschland.
       
   IMG Bild: Wir brauchen mehr Zuversicht und sollten ohne Panik aufs neue Jahr schauen. Denn Mehrheit in Deutschland tickt liberaldemokratisch
       
       Was war gut am Jahr 2025? Auf diese Frage kriege ich gern die spontane
       Antwort: nichts. Oder etwas Privates. Kind hat Abi geschafft oder so. Das
       entspricht der Kultur, wenn man fragt, wie es geht, und die Leute seufzen:
       „Persönlich geht es mir ja gut. Aber …“
       
       Nun will ich das ganze Leid und die Probleme weltweit nicht ignorieren. Und
       dennoch plädiere ich dafür, zumindest als okay lebender Bundesdeutscher
       (und wir sind ja nun sehr viele) nicht so zu tun, als sei 2026 Matthäi am
       Letzten, alles breche zusammen, die AfD stehe kurz vor der Machtübernahme
       in Berlin und dann liefe es wie 1933. Quatsch.
       
       Wie die [1][Wahl in Sachsen-Anhalt im Herbst] ausgeht, weiß man nicht,
       vermutlich nicht gut, aber dieses Bundesland hat 2 Millionen Einwohner,
       Thüringen dito, [2][Mecklenburg-Vorpommern] 1,6 Millionen. Im Westen leben
       dagegen knapp 70 Millionen, und die AfD steht hier nach meinem
       Kenntnisstand nirgends unmittelbar davor, auch nur in die Nähe einer
       Regierung zu kommen.
       
       Ich will das nicht bagatellisieren, wir Liberaldemokraten haben viele
       Fehler gemacht, [3][Klimapolitik, Wirtschaftstransformation,]
       sozialpolitische Strukturreformen verschleppt, keine Politik und keine
       Sprache gegen die AfD gefunden und stattdessen die rechtspopulistische
       Strategie durch sinnlose Empörungen über jedes Hitlergruß-Stöckchen
       befeuert. Und ja, an manchen Orten sind die Kipppunkte derzeit
       überschritten, aber wir leben in der Gegenwart und haben die Chance, alles
       dafür zu tun, dass es eben nicht böse kommt, statt Energie mit hilfloser
       Anti-Faschismus-Rhetorik zu verschwenden.
       
       Ich plädiere dafür – und folge hier dem taz FUTURZWEI-Herausgeber Harald
       Welzer – die Sache anders zu denken und anzugehen. Es gibt eine große und
       absolute Mehrheit für ein liberaldemokratisches Deutschland. Das ist nicht
       mehr alternativlos, [4][wie wir uns das nach 1990 so schön dachten.] Aber
       genau deshalb muss man und muss sich diese Mehrheit jetzt sichtbar machen.
       
       Unsereins ist in einer Kultur groß geworden, für die „Gegenöffentlichkeit“
       eine notwendige Minderheitenposition gegen den sogenannten Mainstream war
       (alle scheiße, inklusive Mutti). Nun braucht es eine neue
       Gegenöffentlichkeit und das bedeutet, die okaye Mehrheit sichtbar zu machen
       gegen den Eindruck, in diesem Land werde nur noch gestritten, gespalten,
       gehasst. Das nämlich ist die rechtspopulistische Strategie: Angst, Lähmung,
       Fatalismus in der Mehrheitsgesellschaft auszulösen und sie durch Spaltung
       zum Verschwinden zu bringen.
       
       Der Rechtspopulismus tut so, als gebe es eine völkische Mehrheit, die von
       einer kleinen Elite unterdrückt wird. Der Linkspopulismus tut so, als gebe
       es eine moralische Majorität gegen die „Reichen“ im Namen der
       alleinerziehenden Supermarktverkäuferin, die selbst aber gar keine Linke
       ist und sie auch nicht wählt. Was es wirklich gibt, ist eine heterogene
       Mehrheitsgesellschaft, die sich positiv als solche verstehen muss, statt
       sich polarisieren und atomisieren zu lassen.
       
       Wir ordentlichen Leute sind in der völlig indiskutablen Situation, dass wir
       von zwei Seiten beschimpft und verteufelt werden. Rechtspopulistische
       Helfer nennen uns „Shitbürger“, Linkspopulisten nennen uns
       „Arschlochgesellschaft“. Das halte ich für einen unangemessenen und
       sachlich falschen Vorwurf gegenüber Leuten, die im Großen und Ganzen im
       Rahmen ihrer menschlichen Möglichkeiten okay sind.
       
       Die Antwort ist aber nicht, zurückzupöbeln, sondern solchen Leuten nicht
       eine Pöbelhoheit zu überlassen. Wir sind das Volk, kann ich da nur sagen.
       Wir sind die real existierende liberaldemokratische Mehrheit, die
       Minderheiten respektiert und schützt und dafür sorgen muss, dass es in
       diesem Land 2026 gut oder zumindest ordentlich miteinander weitergeht. Wird
       höchste Zeit, dass wir uns das klar machen.
       
       3 Jan 2026
       
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