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       # taz.de -- Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine: Ein brüchiger Frieden ist besser als ein stabiler Krieg
       
       > In der Ukraine geht es nicht mehr nur um Verteidigung. Der Krieg hält den
       > Europäern Putin vom Leib und die Ukrainer wollen Russland kleinkriegen.
       
   IMG Bild: Ukrainische Soldaten kampfen auch an Neujahr in der Region Charkiw gegen russische Stellungen
       
       Das Kämpfen geht weiter, das Sterben geht weiter, und das Töten geht
       weiter. Das ist das Nichtergebnis der jüngsten Verhandlungen, in denen es
       angeblich um ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine ging. Auch das
       [1][Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten
       Wolodymyr Selenskyj] in Trumps Privatclub Mar-a-Lago in Florida, bei dem
       sich die beiden nach eigenen Angaben nähergekommen sind, ist ohne greifbare
       Ergebnisse zu Ende gegangen.
       
       Ob es auf den für die nächsten Tage in der Ukraine angekündigten Treffen,
       an denen auch europäische Staats- und Regierungschefs teilnehmen werden,
       konkreter werden wird, bleibt abzuwarten. Dass das Sterben und Töten auch
       in diesem Jahr in der Ukraine weitergeht, ist zwar in erster Linie dem
       aggressiven Vorgehen der russischen Angreifer geschuldet.
       
       Doch auch der Westen trägt mit seiner Haltung, für die Ukraine und Europa
       sei es momentan die beste Option, den jetzigen Krieg fortzusetzen, zur
       Verlängerung des Kriegs bei. Das Allerbeste wäre, der Krieg gegen die
       Ukraine würde mit einem gerechten Frieden enden. Konkret würde dies
       bedeuten: Russland zieht sich aus den besetzten Gebieten zurück,
       entschuldigt sich bei der Ukraine für das Unrecht, das es den Menschen in
       der Ukraine angetan hat, zahlt Reparationen und übergibt die
       Verantwortlichen einem internationalen Gericht.
       
       ## Ein gerechter Friede ist leider unmöglich
       
       Leider ist es nicht möglich, Russland auf diplomatischem Wege von einem
       gerechten Weg zu überzeugen. Der einzige Weg in Richtung eines gerechten
       Friedens ist der Weg der militärischen Gewalt. Und dieser Weg fordert einen
       hohen Blutzoll. Will man einen gerechten Frieden mit Gewalt umsetzen,
       bedeutet dies eine Fortsetzung des Kriegs. Und das heißt: weitere
       Aufrüstung, weitere Eskalation, weitere Waffenlieferungen, weitere Tausende
       an Toten.
       
       Entscheidet man sich für diesen Weg, werden Städte weiterhin erobert und
       zurückerobert, erobert und zurückerobert, erobert und zurückerobert. So
       lange, bis sie nicht mehr da sind. Und dann können sie auch nicht mehr
       gerettet werden.
       
       Ich habe mehrere derart zerstörte Ortschaften, in denen kein menschliches
       Leben mehr möglich ist und nur noch ein paar streunende Hunde übrig sind,
       im Gebiet Charkiw mit eigenen Augen gesehen. 106 Kinder hat die russische
       Armee allein dort getötet. Bei einer Fortsetzung des Kriegs wird sich diese
       Zahl noch erhöhen.
       
       Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hat mehr als [2][300.000
       Strafverfahren gegen Männer eingeleitet, die desertiert sind]. Das ist eine
       Abstimmung mit den Füßen. Diese Männer stehen stellvertretend für die
       Millionen Menschen in der Ukraine, die ein schnelles Ende des Kriegs
       wollen. In den aktuellen Verhandlungen geht es nicht nur um eine Beendigung
       des Kriegs gegen die Ukraine. Es geht auch um die Zeit danach.
       
       ## Angriff auf Nato-Länder befürchtet
       
       Vielfach fürchten westliche Politiker bei einem Ende des Ukrainekriegs
       einen Angriff Russlands auf Nato-Länder. Eine Gefahr, die, liest man die
       Äußerungen von russischen Propagandisten wie Sergei Karaganow, nicht von
       der Hand zu weisen ist.
       
       Solange die Ukraine kämpft, haben wir in Europa Ruhe. Und deswegen ist es
       vielleicht gar nicht so schlecht für Europa, wenn die Ukrainer noch ein
       Weilchen weiterkämpfen, ein Weilchen weiter im Dunkeln sitzen, ein Weilchen
       weiter vor Drohnen und Raketen zittern. Ein Weilchen weiter Ortschaften vor
       den heranrückenden russischen Truppen evakuieren. Ein Weilchen weiter
       sterben und ein Weilchen weiter töten. Hauptsache, sie halten ihr
       Territorium – und uns Putin vom Leibe.
       
       Längst geht es nicht mehr nur um Selbstverteidigung wie 2022, als die
       Ukrainer sich vor den bis kurz an die ukrainische Hauptstadt heranrückenden
       russischen Truppen verteidigt hatten. Westliche Staaten senden nun im
       Verbund mit der Ukraine Signale aus, die man als aggressive
       Angriffsfantasien auslegen kann.
       
       Kaja Kallas beispielsweise, derzeit Außenbeauftragte der EU, redete in
       ihrer Zeit als estnische Premierministerin einer Zerschlagung Russlands das
       Wort. Vor zwei Jahren hatte der amtierende Sekretär des ukrainischen
       Sicherheitsrats, Olexi Danilow, geschrieben: „Der wahre Sieg der Ukraine
       ist ein Zerfall russlands [Kleinschreibung im Original], sein Verschwinden
       als kohärentes Subjekt der Geschichte und Politik.“ Auch Selenskyjs
       Auftritt in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Make Russia small again“
       lässt nicht vermuten, dass es der Ukraine nur um Landesverteidigung geht.
       
       Alle diese Angriffsfantasien sind gefährlich, die russischen genauso wie
       die westlichen. [3][Man muss diesen Krieg so schnell wie möglich beenden.
       Das Leben der Menschen hat oberste Priorität.] Besser ein brüchiger Frieden
       als ein stabiler Krieg.
       
       2 Jan 2026
       
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