# taz.de -- Schulfach Wirtschaft: Makroökonomie muss in den Lehrplan
> Schulden werden verteufelt, Sparen gilt als Tugend – dabei ist das ein
> Trugschluss. Warum wir schon im Matheunterricht davon lernen sollten.
IMG Bild: Wirtschaft als Schulfach: Für die Demokratie wäre das ein enormer Gewinn
Wirtschaft geht uns alle an. Wir produzieren, wir konsumieren, wir
vermarkten, wir sparen, wir nehmen Kredite auf, sind Teil davon. Deshalb
sollten wir alle informiert über Wirtschaft sprechen, debattieren können.
Braucht es also [1][Wirtschaft als eigenes Fach in der Schule]?
Kommt drauf an, was damit gemeint ist. Häufig steckt hinter dem Vorschlag
nämlich die Vorstellung eines Schulfachs, das auf private Finanzen
ausgerichtet ist – und aufs Erwachsenenleben vorbereiten soll. Also über
Aktien, Versicherungen, Altersvorsorge, Steuern aufklären soll. Das klingt
zwar nützlich, setzt aber an der falschen Stelle an. Das Defizit liegt
nicht darin, dass Menschen zu wenig über einzelne Finanzprodukte wissen.
Das Problem ist, dass wir fast alle makroökonomisch falsch denken.
Wir denken betriebswirtschaftlich, also so, wie es für eine einzelne Person
oder eine einzelne Firma sinnvoll ist – und schließen davon auf das große
Ganze. Das ist menschlich. Aber es führt zu falschen Schlussfolgerungen.
Ein klassisches Beispiel: Im Kino kann eine Person aufstehen, um besser zu
sehen. Wenn aber alle aufstehen, sieht am Ende niemand besser. Es wird für
alle nur unbequemer. So funktioniert Wirtschaft, nur etwas komplizierter
und mit ernsteren Folgen.
Eine einzelne Person kann mehr sparen, um für die Zukunft vorzusorgen. Wenn
aber alle mehr sparen, bricht die Nachfrage ein – und damit die Wirtschaft.
Denn die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen. Ebenso sind die
Schulden des einen die Ersparnisse eines anderen. Trotzdem werden
öffentliche Debatten so geführt, als gäbe es diese Zusammenhänge nicht. Da
wird gefordert, der Staat müsse wie eine [2][schwäbische Hausfrau] sparen.
Dass der Staat dann private Einkommen kürzt, fällt unter den Tisch.
Es gibt noch viele andere Beispiele. Eine einzelne Firma kann durch
Lohnkürzungen wettbewerbsfähiger werden. Wenn aber alle die Löhne drücken,
bricht der Konsum ein – und am Ende schaden sich alle selbst. Und so wenig,
wie alle am Pokertisch gewinnen können, können alle [3][mit Bitcoins
Spekulationsgewinne machen]. Oder eine Ebene größer: [4][Deutschland hat
einen großen Exportüberschuss], aber nicht jedes Land kann so viel
exportieren. Der Exportüberschuss des einen Landes ist der Importüberschuss
eines anderen.
Die Welt als Ganzes kann nicht mehr exportieren als importieren. Genauso
wenig wie auf der Welt niemand sparen kann, ohne dass sich wer anders
verschuldet. Verschuldung zu verteufeln und Sparen zur Tugend zu erklären,
ist also ein logischer Trugschluss.
## Ein enormer Gewinn für die Demokratie
Hinter alldem steckt makroökonomische Logik. Denken in
Gesamtzusammenhängen. Das wird aber in der Schule aber nicht vermittelt. Im
Unterricht lernt man Zinsrechnung, aber nicht, warum gesamtwirtschaftliches
Sparen gefährlich sein kann. Und wer das nie gelernt hat, wird selbst kaum
darauf kommen. Weil es eben für das eigene Leben, die eigenen Finanzen, die
eigene Firma nicht relevant ist. Sehr wohl aber für die Wirtschaftspolitik,
über die man an der Wahlurne abstimmt.
Makroökonomie ist im Kern [5][logisches Denken]. Man könnte sie problemlos
in Mathematik unterbringen. Wer versteht, dass Schulden und Ersparnisse
immer zwei Seiten derselben Medaille sind, ist schon einen großen Schritt
weiter als viele Wirtschaftskommentare. Für die Demokratie wäre das ein
enormer Gewinn. Öffentliche Debatten würden rationaler, populistische
Vereinfachungen schwerer. Und Wahlentscheidungen informierter.
30 Dec 2025
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## AUTOREN
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