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       # taz.de -- Wadephuls Reise nach Peking: Vorteil für China
       
       > Westliche Politiker können sich in China die Klinke in die Hand geben –
       > es nützt nichts. China baut auf Machtpolitik und weiß um seine Stärke.
       
   IMG Bild: Bundesaußenminister Johann Wadephul (l, CDU) und Wang Yi, Außenminister der Volksrepublik China, begrüßen sich vor ihrem Gespräch, am 8.12.2025
       
       Man muss sich Johann Wadephul dieser Tage als deutschen Don Quijote
       vorstellen: Wenn [1][der Außenminister seine politischen Gespräche in
       Peking absolviert], dann kämpft er gegen die sprichwörtlichen Windmühlen
       an. Damit wir uns nicht missverstehen: Natürlich ist es löblich, dass der
       CDU-Politiker die chinesische Staatsführung erneut dazu auffordert, ihren
       Einfluss auf Russland auszuüben, damit Wladimir Putin seinen Krieg gegen
       die Ukraine beendet. Ebenso kann man aus europäischer Perspektive nur
       gutheißen, dass Wadephul beim Handel mit der Volksrepublik auf fairen
       Wettbewerb pocht. Oder zur Einhaltung der Menschenrechte aufruft. Chinas
       militärische Drohungen gegen Taiwan verurteilt – die Liste ließe sich noch
       endlos fortsetzen.
       
       Nur steht bereits im Vorhinein fest: Nützen wird es wenig. Die Pekinger
       Kader haben schlicht kein Interesse, mit dem Gast aus Europa inhaltliche
       Argumente auszutauschen. Peking spricht nämlich eine ganz andere Sprache,
       [2][nämlich die der realen Machtpolitik]. Und so mögen Wadephul oder euch
       Emmanuel Macron mit moralischen Appellen und demokratischen Werten nach
       Peking reisen, doch die Asse im Ärmel sind eindeutig bei Xi Jinping. Der
       chinesische Staatschef hat in seinen Fünfjahresplänen die eigenen
       Abhängigkeiten vom Ausland heruntergefahren, aber gleichzeitig das Ausland
       von China abhängig gemacht.
       
       Zudem ist Xi der festen Überzeugung, dass im Kampf der Systeme der
       chinesische Sozialismus überlegen ist: Wenn nämlich die Europäische Union
       einen harten Kurs gegenüber China fahren sollte, kann Peking mit voller
       Härte eskalieren – und die krisenerprobte Bevölkerung dazu auffordern, den
       Gürtel enger zu schnallen. Die deutsche Öffentlichkeit hingegen würde wohl
       schon auf die Barrikaden gehen, wenn im Zuge eines Handelskonflikts mit
       China die Inflation zurückkehrt oder Smartphones und Kühlschränke
       empfindlich teurer werden.
       
       Xi Jinpings weiß um seine Karten, und er spielt sie eiskalt aus. Es bleibt
       nur zu hoffen, dass er sich möglicherweise verzockt. Bislang jedoch deutet
       wenig darauf hin.
       
       8 Dec 2025
       
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   DIR [1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/wadephul-china-102.html
   DIR [2] /Klingbeils-Chinareise/!6131055
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Fabian Kretschmer
       
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