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       # taz.de -- Neue „Tatort“-Doppelfolge mit Falke: Drei Stunden Langeweile
       
       > Im deutsch-niederländischen „Tatort“ bekommt Thorsten Falke einen neuen
       > Kollegen. Das ist dröge. Unsere Autorin rät: Besser was anderes tun!
       
   IMG Bild: Klingt spannend, ist aber langweilig: der deutsch-niederländische „Tatort
       
       Dinge, die ich gemacht habe, statt endlich diese Kolumne fertig zu
       schreiben: das Internet gefragt, wie lange ausgestochene Springerle
       trocknen müssen vor dem Backen (über Nacht reicht offenbar). Bei LinkedIn
       rumgesurft. Balkontür geschlossen. [1][Rob-Reiner]-Clips angeschaut, hach,
       iconic. Zu [2][Albert Einstein]s letzten Wochen in Berlin 1933
       recherchiert.
       
       Die Kurzfassung, falls das nicht eh schon klar ist – Der „Tatort“ lohnt
       nicht. Schmücken Sie lieber drei Stunden lang abends Ihren Weihnachtsbaum,
       wird eh langsam Zeit. Oder sortieren die Esel und Schafe und drei Könige
       und all die anderen Krippenfiguren um. Oder wischen Staub.
       
       Die längere Fassung, weil muss ja: Stellen Sie sich vor, Sie behaupten –
       ja, wissen von sich –, dass Sie sich nie langweilen. Und dann kommt dieser
       deutsch-holländische NDR-Doppel-„Tatort“ kurz vor den Feiertagen und zeigt
       Ihnen: Doch, ja, Langeweile, das Phänomen existiert tatsächlich. Der
       Beweis: Diese Dreistundentortur aus „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“,
       um Thorsten Falkes (Wotan Wilke Möhring) neuen Ermittlungspartner
       einzuführen, den IT-Spezialisten Mario Schmitt ([3][Denis Moschitto]).
       
       Also: zwei Folgen hintereinander, die einen einzigen Fall abdecken. Und
       das, obwohl [4][Alexander Adolph (mit Eva Wehrum)] das Buch geschrieben und
       [5][Hans Steinbichler] Regie geführt hat, eigentlich verlässliche Bänke.
       Und nun das: grenzüberschreitende Mafia, Drogenpolitik, junge
       Auftragsmörder, Handgranaten. Mittendrin ein verdeckter Ermittler unter
       Mordverdacht, der in der Doppelrolle schizophren geworden ist. Aufgepimpt
       mit dem Zusatz, die Story basiere auf Spiegel-Recherchen. Es ist viel,
       vielsprachig, unübersichtlich und auch sehr egal.
       
       Vom Fall selbst abgesehen: Der Neue ist IT-Spezialist für
       Cyber-Kriminalität. Sprich, seine Arbeit ist kaum in Action darstellbar.
       Der sitzt im Büro eines Verdächtigen vorm Rechner oder mit Tablet auf der
       Autorückbank und deutet auf Dinge, die auf Bildschirmen zu sehen sind. Und
       nun ist der Neue zwar gespielt vom nicht ganz unbekannten Moschitto (etwa
       aus [6][Fatih Akins „Aus dem Nichts]“), aber außer, dass seine Figur
       irgendwo auf dem Neurodivergenten-Spektrum steht, ist erst mal nichts
       weiter dazu zu sagen. Sogar dem Presseheft fällt dazu nur „kongenial“ ein.
       
       Was nicht hilft. Der ganze Langfilm ist visuell dämmrig bis dunkel. Nicht
       nur, weil er in der kalten Jahreszeit spielt, also viel nach
       Sonnenuntergang passiert – Observationen, Befragungen, Verfolgungsjagden.
       Auch diverse Szenen in Büros und Wohnungen sind so schlecht ausgeleuchtet,
       als wollte man Strom sparen. Und das, obwohl wir hier seit Wochen gefühlt
       nonstop im Dunkeln sitzen und den 21. Dezember herbeisehnen, auf dass die
       Tage wieder länger werden.
       
       Was erst recht nicht hilft: Von der niederländischen Kollegin (Gaite
       Jansen) abgesehen ist diese Story randvoll mit Typen – ranzigen,
       ungekämmten, schreienden, alternden, testosteronstrotzenden Männern.
       
       Und um es an dieser Stelle noch einmal zu wiederholen: Das geht zwei Folgen
       lang! Zwei 90-Minüter! [7][Es war schon seit ihrem Tod klar, dass die
       Ermittlerinnenfigur Julia Grosz (Franziska Weisz) in der
       Hamburg-Umgebungs-Filiale fehlt.] Aber meine Güte, die Lücke ist nun
       unermesslich. Machen Sie was mit dieser geschenkten Zeit, irgendwas. Bitte,
       gern geschehen.
       
       21 Dec 2025
       
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