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       # taz.de -- Bahnstrecke Hannover – Bielefeld: Nur noch zweigleisig
       
       > Die Suche nach dem Streckenverlauf zwischen Hannover und Bielefeld geht
       > in die vorletzten Runde: Nur noch zwei Neubautrassen kommen infrage.
       
   IMG Bild: Die Ost-West-Verbindung läuft nicht gut, schon seit Jahren: Anzeigetafel im Berliner Hauptbahnhof im Juni 2014
       
       Von zwölf auf zwei: Die seit Jahren vor Ort bekämpften Vorplanungen um den
       [1][Ausbau des Bahnverkehrs zwischen Hannover und Bielefeld] gehen in die
       vorletzte Runde. Am Freitag stellte die Deutsche Bahn ihre beiden nur noch
       in Betracht kommenden Vorzugsvarianten vor, wo genau in der Region
       Hannover, im Landkreis Schaumburg und auf der anderen Seite der
       Landesgrenze in Ostwestfalen künftig der Fernverkehr rollen soll. Bei
       beiden Varianten soll der Neubau auf niedersächsischer Seite zwar in weiten
       Teilen neben der bestehenden Strecke verlaufen, trotzdem beklagen
       Kritiker:innen „trassenferne“ Abschnitte, die die Landschaft zerstören
       und zersiedeln würden.
       
       Ursprünglich zwölf Optionen hatte die Bahntochter InfraGo im August
       vergangenen Jahres als denkbar für einen Neubau erachtet: Von einer nahezu
       kompletten Abkoppelung zur bestehenden Strecke bis zu einem weitgehenden
       Ausbau der Bestandsstrecke gab es unterschiedliche Optionen. Die Varianten
       V3 und V4 hätten sich nun in der Abwägung aus 196 Kriterien sowie der
       Kosten der Brücken- und Tunnelanteile „klar gegenüber den weiteren
       Streckenverläufen durchgesetzt“, teilte die Bahn am Freitag mit.
       
       Auf westfälischer Seite soll bei beiden Varianten ein Tunnel durch das
       Wesergebirge gebohrt werden. Auf niedersächsischer Seite verzichten beide
       Varianten auf den bisherigen Schlenker ins westfälische Minden und führen
       direkt nach Bielefeld. Damit verlaufen sie durch das
       Landschaftsschutzgebiet „Bückeburger Niederung“, das teilweise
       Naturschutzgebietsstatus hat.
       
       „Es ist aber aktuell nicht vorgesehen, dass wir ein Naturschutzgebiet
       direkt durchschneiden“, sagte Projektleiter Marvin Jekel am Freitag. Die
       beiden ausgewählten Varianten haben auf niedersächsischer Seite den im
       Vergleich geringsten trassenfernen Anteil. Allerdings handelt es sich bei
       den ausgewählten Varianten erst um rund 1.000 Meter breite Korridore, die
       noch konkretisiert werden müssen.
       
       Aufgeworfen wurde die Idee zum Bau einer zusätzlichen Strecke vor mehr als
       fünf Jahren, als der Konzern und das Bundesverkehrsministerium noch an eine
       schnelle Realisierung des Deutschlandtaktes glaubten. Zentraler Bestandteil
       dabei: Im Halbstundentakt soll der Fernverkehr auf den wichtigsten
       Verbindungen fahren können, um bis 2030 die Zahl der Fahrgäste zu
       verdoppeln.
       
       Damit das zeitlich funktioniert, wollen Bahn und Ministerium die Fahrzeit
       zwischen den 91 Kilometer entfernten Städten Hannover und Bielefeld auf 31
       Minuten drücken. Bislang dauert es mindestens 48 Minuten. Zusätzliche
       Gleise nur entlang der bestehenden Strecke kommen deshalb nicht in Frage,
       weil die Strecke zu kurvig ist, um dort mit bis zu 300 km/h zu verkehren.
       
       Außerdem drängeln sich bislang S-Bahn, Regionalexpress, Güterverkehr und
       Fernverkehr auf dem Abschnitt zwischen Wunstorf und Minden auf lediglich
       zwei Gleisen, obwohl die Strecke Teil der Verbindung zwischen Berlin und
       dem Ruhrgebiet ist. „Die Achse ist deutlich am Limit und nicht gerüstet für
       den Deutschlandtakt“, sagte Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der
       Deutschen Bahn für Niedersachsen.
       
       Im S-Bahn- und Regionalverkehr sind durch die hohe Auslastung ungeplante
       Halte, um einen Fernzug vorbeizulassen, tägliche Praxis; auch für den
       Güterverkehr gilt der Abschnitt nach Ansicht der Bundesnetzagentur als
       „Engpass von europäischer Bedeutung“, weil er den Verkehr von Rotterdam bis
       zur polnischen Grenze aufhält. Würden die ICEs künftig nicht mehr auf den
       bestehenden beiden Gleisen fahren, sondern auf der Neubaustrecke, entstünde
       mehr Platz für den Regional- und Güterverkehr, argumentieren Bahn und
       Ministerium.
       
       Die Kritik an den Vorhaben ist groß. Einerseits wollen viele
       Anwohner:innen [2][keine neue Bahnstrecke vor ihr Zuhause gesetzt
       bekommen]. Andererseits stößt die Bahn auch bei ausgewiesenen
       Bahnfreund:innen auf Kritik: Im Landkreis Schaumburg etwa hat sich die
       Initiative „Pro-Ausbau“ gegründet, die sich für die Priorisierung des
       Ausbaus bestehender Strecken statt teurer Neubauprojekte ausspricht.
       
       ## Baustart im Jahr 2035
       
       Die [3][Initiative „Pro-Ausbau“] hält die Zielsetzung, für bis zu Tempo 300
       eine „landfressende CO2-Neubau-Orgie“ zu errichten, für kaum
       klimaverträglich. Sie findet, eine tatsächliche Verbesserung des
       Bahnverkehrs in Deutschland sei nicht durch den Zubau von
       Hochgeschwindigkeitsstrecken zu erreichen.
       
       Einheitlich ist die Bewertung allerdings bei Verkehrswende- und
       Umweltgruppen nicht: [4][Fridays for Future] hat sich schon für einen
       Neubau ausgesprochen, um die Verkehrswende voranzubringen. Auch der
       ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) steht den
       Neubauplänen offen gegenüber.
       
       Unklar ist noch, wie viel der Neubau am Ende kosten wird. Dass es
       mindestens ein einstelliger Milliardenbetrag wird, erklärte die Bahn in den
       vergangenen Jahren jedoch schon mehrfach. Mehr wisse man in rund vier
       Jahren, sagte Projektleiter Jekel am Freitag, wenn die Vorplanungen
       abgeschlossen sind. Mit einem Baustart wird in etwa für das Jahr 2035
       gerechnet.
       
       5 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Neue-ICE-Trasse-geplant/!5777539
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   DIR [3] https://pro-ausbau.de/sample-page/
   DIR [4] /Schwerpunkt-Fridays-For-Future/!t5571786
       
       ## AUTOREN
       
   DIR André Zuschlag
       
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