# taz.de -- Weihnachtsmärkte: Glühwein macht glüh-cklich
> Glühwein ist ein deutscher Wein, der seinen Ruf verdient, findet unsere
> Autorin. Dafür muss er nicht so teuer sein. Ein Text mit 1 Promille im
> Blut.
IMG Bild: Einziger Lichtblick im Berliner Winter: Glühwein auf einem Weihnachtsmarkt
Hinweis: Der Text enthält humorvolle Beschreibungen des Konsums von
Alkohol, thematisiert aber nicht dessen Risikien. Alkohol kann
gesundheitsschädlich sein und problematisch konsumiert werden.
Schnee auf den Gehwegen, Minusgrade und Weihnachtslieder in der Luft –
spüren Sie schon Weihnachtsstimmung? Es ist noch nicht einmal offiziell
Adventszeit und doch erklingt bereits „Let it snow“ von den Hütten am Alex
bis zu den weißen Zelten auf dem Gendarmenmarkt. Dass die Weihnachtsmärkte
so früh öffnen, liegt daran, dass sie die einzige Therapie anbieten, die
den Berliner Winter erträglich macht: viele Becher Glühwein.
Pünktlich um 12 Uhr treffen die ersten Besucher:innen des
Weihnachtsmarktes auf dem Gendarmenmarkt vor den Glühweinhütten ein.
„[1][Das ist jedes Jahr pünktlich so voll]“, kommentiert Dana hinter der
Kasse ihres Standes zwischen zwei Kunden. Ob rot oder weiß, mit oder ohne
Schuss, norwegisch oder Feuerzangenbowle, mit oder ohne Alkohol: Die
Berliner Weihnachtsmärkte bietet Glühwein für jeden Geschmack. Deutschland
ist zwar nicht das Land von Bordeaux und Burgunder, doch mit Zimtstangen
und Orangenscheiben haben sich die Deutschen eine lobenswerte
Weinspezialität erkämpft.
Am Tisch vor dem Stand stehen zwei französische Touristinnen und meckern
über die deutsche Hauptstadt. „Es ist kalt, und um 16 Uhr fühlt es sich an
wie 20 Uhr“, berichtet Annaëlle von ihrem dreitägigen Aufenthalt. Zum Glück
habe der Glühwein, den sie getrunken haben, die Situation gerettet. Die
beiden Freundinnen sind gerade auf ihrem dritten Weihnachtsmarkt innerhalb
von 48 Stunden. Am Vortag am Alexanderplatz haben sie sogar einen heißen
Limoncello probiert. „Viel besser und süßer als in Frankreich! Nach einer
Weile wird es fast zu viel, aber Hauptsache, es wärmt“, sagt Annaëlle und
pustet sich auf die Finger.
So sieht es auch Doris. Seit fünf Jahren kommt die Rentnerin dreimal zum
Gendarmenmarkt: einmal am Eröffnungstag, einmal Mitte Dezember und einmal
an Heiligabend – um Glühwein zu trinken und Käse zu kaufen. Immer zwischen
12 und 14 Uhr – denn den Rest des Tages kostet der Eintritt zwei Euro. Und
der Preis für eine Tasse Glühwein? „Pff, überall so teuer“, antwortet die
Berlinerin mit einer Handbewegung. Früher kostete ihr Glühwein 3 Euro,
schätzt sie. Für ihren „Glögg“ – ein skandinavischer Glühwein mit Mandeln
und Rosinen – hat sie heute 7 Euro gezahlt.
## Preise müssen runter
Mit einem Standardpreis von 5 Euro für den roten Glühwein-Klassiker bewegt
sich der Gendarmenmarkt noch im Rahmen der für Berlin üblichen Preise. Der
teuerste Glühwein wird für 8 Euro angeblich auf dem Weihnachtsmarkt an der
Gedächtniskirche verkauft.
Das ist fatal. Wenn um 16 Uhr die Sonne untergeht, man sich kaum noch eine
Zigarette drehen kann, ohne einen Finger zu verlieren, und selbst der
Schnee nicht mehr ausreicht, um über den grauen Himmel hinwegzutrösten,
bleibt der Glühwein das einzige Licht in der Berliner Dunkelheit. Zum Wohle
der Berliner:innen und aller frierenden Ausländer:innen, die von
Dezember bis März durch die windige Hauptstadt durchqueren, müssen die
Glühwein-Preise gesenkt werden.
25 Nov 2025
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## AUTOREN
DIR Gabrielle Meton
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