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       # taz.de -- Autobahnplan kommt in die Schublade: Lob des Geldmangels
       
       > Für den Neubau der Autobahn A33-Nord bei Osnabrück fehlen im
       > Bundeshaushalt die Mittel. Gegner der Trasse hoffen, dass sich daran
       > nichts ändert.
       
   IMG Bild: Wer über Osnabrück nach Bremen Autobahn fahren will, muss weiterhin einen kleinen Umweg hinnehmen
       
       Keine Baufreigabe kann laut Autobahn GmbH für die [1][A 33-Nord bei
       Osnabrück] erteillt werden. Das geht aus ihrem [2][Finanzierungs- und
       Realisierungsplan (FRP) 2025-2029] hervor. Der wurde Mitte September aus
       dem Bundesverkehrsministerium (BMV) dem Verkehrsausschuss des Bundestages
       zugeleitet.
       
       Autobahnplanungen führen meist zu erbitterten Kämpfen – politisch,
       umweltaktivistisch, juristisch. So auch hier. Die A33-Nord bei Osnabrück
       ist seit fast zwei Jahrzehnten in Planung.
       
       Auf über 200 Millionen Euro allerdings sind die prognostizierten Kosten für
       den Bau der knapp 9,5 Kilometer von der A33 bei Belm zur A1 bei Wallenhorst
       explodiert. Zudem würde die Trasse dutzende Hektar Landschaft verbrauchen,
       [3][ein FFH-Schutzgebiet des Netzwerks „Natura 2000“ zerschneiden].
       
       ## Gegenwehr vom Lande
       
       Die Befürworter betonen Zeitersparnis. So bezeichnete Lutz Brinkmann, für
       die CDU aus dem Osnabrücker Land im Bundestag, auch angesichts der
       korrigierten Kostenschätzung die A33-Nord als „notwendige
       Zukunftsinvestition“.
       
       Die Industrie- und Handelskammer, die seit jeher für das Projekt wirbt, hat
       am Dienstag nach Redaktionsschluss ihren ersten Infrastrukturtag mit einem
       Vortrag zu dem Thema eröffnet. Die A33-Nord soll nach Dafürhalten der
       Kammer und des regionalen Arbeitgeberverbandes erhebliche wirtschaftliche
       Vorteile und die Entlastung von Ortsdurchfahrten bewirken.
       
       Zu den entschiedensten Gegnern gehören allerdings die Anliegerkommunen
       Wallenhorst und Belm. Dort hatten die Ratsfraktionen von SPD, Grünen, CDU
       und UWG in einer Resolution vor dem Autobahnbau gewarnt. Sie verweisen auf
       die erhebliche ökologische Belastung – und zweifeln am Nutzen.
       
       Die jetzige Bewertung biete „die Chance, das Vorhaben komplett fallen zu
       lassen, die Situation aber zumindest neu zu denken“, teilt Matthias
       Schreiber vom Umweltforum Osnabrücker Land der taz mit. „Wenn Osnabrück
       seine Autobahn unbedingt will: Dann bitte überwiegend auf städtischem
       Gebiet“, so seine Minimalforderung.
       
       Denn „das würde die Baustrecke auf sechs Kilometer verkürzen und teure
       Zusatzmaßnahmen zum Artenschutz einsparen“. Vielleicht würde dann sogar das
       Geld reichen, vermutet er. Johanna Mai, Sprecherin des Bündnisses Exit
       A33-Nord, tritt dagegen für eine vollständige Streichung ein.
       
       Sie habe zwar wenig Hoffnung, dass das Planverfahren für die A33-Nord jetzt
       ganz eingestellt wird. Aber „vielleicht wird es zumindest auf Eis gelegt“,
       sagt sie der taz. Offenbar habe das BMV erkannt, „dass der Erhalt und die
       Sanierung von Straßen Vorrang vor Neubauten haben müssen“. Das begrüße das
       Bündnis natürlich. Schließlich erzeuge eine neue Straße immer auch neuen
       Verkehr.
       
       An die A33-Nord müsse „endgültig ein Haken zur Beendigung dran“, und zwar
       „egal, welche Trassenführung man dabei verfolgt“. Auch Volker Bajus,
       niedersächsischer Landtagsabgeordneter der Grünen und Vorsitzender ihrer
       Osnabrücker Ratsfraktion, freut sich über die Nachricht aus dem BMV.
       
       „Für die Verkehrswende und den Klimaschutz brauchen wir den Ausbau von
       Bahn, Bus und Radverkehr und keine neue Autobahn“, schreibt er der taz.
       Auch er macht auf den „riesigen Sanierungsbedarf“ von Brücken, Bahnen und
       Bundesstraßen aufmerksam.
       
       ## Tödliche Bundesstraße
       
       „Schon dafür reicht das Geld in Berlin kaum“, so Bajus. In der
       Gesamtbetrachtung gefährde diese Autobahn Naturflächen und
       Naherholungsgebiete. Sie sei „weder umwelt- noch finanzpolitisch zu
       verantworten“.
       
       In der Geldknappheit des BMV sieht das Bündnis Exit A33-Nord auch eine
       Chance. So könnte die Abstufung der Bundesstraße 68 vorangetrieben werden,
       die durch das Osnabrücker Stadtgebiet führt. Ihr Schwerlastverkehr hat zu
       zahlreichen Todesfällen in und um Osnabrück geführt. Im Frühjahr war ein
       siebenjähriges Mädchen beim Überqueren der Straße in Alfhausen überfahren
       worden.
       
       Der Bau der A33-Nord galt bislang als Voraussetzung dafür, die Route aufs
       umliegende Autobahnnetz von A1 und A30 zu verlegen. Es gelte nun, so Mai,
       für die B68 eine Lösung zu finden, unabhängig von der A33-Nord. „Das hängt
       nämlich nur politisch zusammen, nicht rechtlich.“
       
       Auch Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus der Region
       Osnabrück, ist dafür, die A33-Nord zu beerdigen. „Allein in der Region
       Osnabrück halten 70 Brücken dem Straßenverkehr nicht mehr bedingungslos
       stand.“ Hierauf müsse sich die Verkehrspolitik jetzt konzentrieren. Auch
       sei zu fragen, „ob es nicht unverantwortlich ist, Planungspersonal in
       offensichtlich aussichtslosen Projekten zu beschäftigen“.
       
       ## Räumen für die imaginäre Trasse
       
       Polat fordert die Autobahn GmbH daher auf, das Aufkaufen von Grundstücken
       und den Abriss von Gebäuden entlang der imaginären Trasse angesichts der
       Neubewertung einzustellen. Alles andere würde ein völlig falsches Signal
       setzen. Ohnehin sei [4][in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels ein
       solcher Autobahnbau unverantwortlich].
       
       „Bislang konnte mir niemand überzeugend darlegen, welchen konkreten Nutzen
       eine A33-Nord überhaupt bringen würde“, so die Politikerin. Ein
       vermeintlicher Zeitgewinn von wenigen Minuten wiege die Kosten sicher nicht
       auf. Sie erwartet auch, dass die Auswirkungen auf den Osnabrücker
       Stadtverkehr eher gering seien.
       
       25 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /A33-Nord/!t5620124
   DIR [2] https://table.media/assets/berlin/25-09-18-finanzierungs-und-realisierungsplan-der-autobahn-gmbh.pdf
   DIR [3] /Polizei-drangsaliert-Waldbesetzerinnen/!5945879
   DIR [4] /Verkehr-und-Klima/!5909031
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Harff-Peter Schönherr
       
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