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       # taz.de -- Grünen-Parteitag in Fürstenwalde: Die Hoffnung lebendig halten
       
       > Die außerparlamentarischen Brandenburger Grünen halten sich für kaum
       > verzichtbar – und müssen wohl doch noch vier Jahre auf eine Landtagswahl
       > warten.
       
   IMG Bild: Grünen-Bundeschef Banaszak, der jüngst ein Regionalbüro in Brandenburg eröffnete, war Gastredner beim Parteitag in Fürstenwalde
       
       Grauer Himmel, Regen, regulär noch knapp vier Jahre bis zur nächsten
       Landtagswahl und dann auch noch binnen sechs Monaten zum zweiten Mal auf
       Vorstandssuche. Es kann für eine Oppositionspartei durchaus bessere
       Umstände für einen Parteitag geben. Doch genau diese begleiten am Samstag
       in Fürstenwalde das Treffen der Brandenburger Grünen, die vor rund 14
       Monaten aus dem Landtag geflogen sind und seit Ende 2024 auch nicht mehr
       mitregieren.
       
       „Wir werden eine richtig starke außerparlamentarische Opposition machen,
       und zwar ab morgen“, hatte an jenem Septemberabend der Wahlniederlage 2024
       der damalige Spitzenkandidat Benjamin Raschke versprochen. Daran arbeitet
       sich die Partei seither ab, und dafür hat sie in diesem November prominente
       Unterstützung bekommen. Denn Grünen-Bundeschef Felix Banaszak, früher
       Parteivorsitzender in Nordrhein-Westfalen und dort auch in den Bundestag
       gewählt, hat zu Monatsbeginn ein Regionalbüro in Brandenburg an der Havel
       eröffnet. Das ist von der Berliner Zentrale der Bundespartei mit knapp 60
       Kilometer nach Westen nur unwesentlich weiter weg als Fürstenwalde nach
       Osten.
       
       [1][Bis zu dreimal im Quartal will er dort sein], hat Banaszak angekündigt.
       Auch eine Büroleiterin soll ansprechbar sein, die er mit nach Fürstenwalde
       gebracht hat, wo er an diesem Morgen der Gastredner ist. „Mein
       Zweitlandesverband“, sagt er dort über Brandenburg. Nach ein paar
       grundsätzlichen Worten, Kritik am Bundeskanzler und der schwarz-roten
       Koalition wird er landespolitisch und kommt auf das im Land in diesen Tagen
       dominierende Thema: [2][die Krise beim Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und
       damit in der Koalition mit der SPD] von Ministerpräsident Dietmar Woidke.
       „Ich habe gehört, bei eurer Landesregierung läuft es nicht so gut“, sagt
       Banaszak unter stürmischem Applaus. „Und ich habe gehört, ihr habt die
       Kraft, ihr habt die Entschlossenheit, eure Rolle anzunehmen, egal was die
       da machen.“
       
       Das ist die Vorlage für den Chef des Landesverbands, Clemens Rostock, die
       Grünen als Regierungsalternative anzupreisen. Denn die sind nach dem
       Wahldesaster vor 14 Monaten gegen den Trend deutlich gewachsen, um rund ein
       Drittel von rund 3.000 auf knapp 4.000 – was nicht mehr weit weg ist von
       den landesweit 5.500 Menschen mit SPD-Parteibuch. Laut Rostock hat seine
       Partei auf Social-Media-Kanälen mehr Verbreitung als SPD und CDU zusammen.
       Inhaltlich habe man fünf Jahre lang in der rot-schwarz-grünen Regierung
       geliefert, der Kenia-Koalition. „Und wir liefern auch in der Apo.“
       
       ## Jüngste Umfrage gibt den Grünen nur 4 Prozent
       
       Das klingt nach Aufbruch und Rückhalt. Es passt aber nicht zur zwar zwei
       Monate alten, aber immer noch jüngsten Umfrage zu den Brandenburger
       Parteien. Da stehen die Grünen trotz Mitgliederwachstums und
       Medienreichweite weiter so schlecht da wie bei der Landtagswahl: bei 4
       Prozent. Käme es wegen der aktuellen Verwerfungen beim BSW zu einer
       Neuwahl, würde das den Grünen wegen der 5-Prozent-Hürde trotzdem nicht in
       den Landtag zurückhelfen. Landeschef Rostock hält das nicht ab, sich eine
       Neuwahl zu wünschen, falls ein unsicherer Zustand in der SPD-BSW-Koalition
       anhält: „Dann sollen die Menschen in diesem Land auch die Chance haben, neu
       zu wählen.“
       
       Dass es dazu kommt, gilt aktuell als sehr unwahrscheinlich. Denn falls die
       aktuelle Koalition wegen des Zwists im BSW platzt, dürfte sich im Landtag
       absehbar eine um jüngst aus dem BSW ausgetretene Abgeordnete verstärktes
       rot-schwarzes Bündnis finden. Inoffiziell gibt es das im aktuellen Fall
       bereits: Die CDU will nächsten Mittwoch wie die SPD für die neuen
       Rundfunkstaatsverträge stimmen. Die BSW-Fraktion hat hingegen beschlossen,
       das nicht zu tun.
       
       Bei den rund 140 Grünen-Delegierten im Saal des Fürstenwalder
       Bürgerzentrums ist viel davon zu hören, dass man in der Landespolitik und
       bei vielen Themen fehle. Man beklagt Fehlentwicklungen, vor allem beim
       Umweltschutz und beim Rechtsextremismus, kann sie nicht verstehen, mag sie
       nicht verstehen. Denn, so ist man im Saal überzeugt, mit ihnen, den Grünen,
       lasse sich das alles lösen. Wieso also sitzen sie hier als
       außerparlamentarische Opposition? Eine Rednerin beschreibt es so: Man habe
       im Wahlkampf zugehört – „aber uns wurde nicht geglaubt, dass wir zuhören“.
       
       Nicht im Saal ist das prominenteste Mitglied des Landesverbands,
       Ex-Außenministerin Annalena Baerbock, nun Präsidentin der
       UN-Generalversammlung. Dabei ist sie mittelbar dafür verantwortlich, dass
       ihre Partei an diesem Samstag zum zweiten Mal in diesem Jahr eine neue
       Vorsitzende wählen muss. Denn weil Baerbock Ende Juni ihr Bundestagsmandat
       niederlegte und nach New York umzog, rückte [3][über die Landesliste Andrea
       Lübcke] für sie nach. Die war im März erst mit Rostock zusammen zur
       Vorsitzenden der Brandenburger Grünen gewählt worden. Als
       Bundestagsabgeordnete aber konnte sie nicht im Parteiamt bleiben – [4][die
       Grünen-Satzung] schließt beides zusammen aus.
       
       ## Zwei Bewerbungen für den Landesvorsitz
       
       Die Neuwahl im Frühjahr war nötig geworden, weil das vorige Führungsduo als
       Konsequenz aus der Landtagswahlniederlage schon Ende 2024 seinen Rückzug
       angekündigt hatte. Um Lübckes Nachfolge bewerben sich am Samstag zwei
       Frauen, die zuvor außerhalb der Partei unbekannt waren. Dabei setzt sich
       die 37-jährige Juliana Meyer aus dem Kreisverband Cottbus mit rund 55 zu 41
       Prozent gegen Svenja Künstler aus dem Kreisverband Potsdam-Mittelmark
       durch. Sie bildet nun mit Clemens Rostock die Doppelspitze des
       Landesverbands.
       
       Im Saal gibt es danach trotz aller vom Rednerpult gehörten Betrübtheit über
       gegenwärtige politische Entwicklungen in der Mittagspause viele freudige
       Gesichter. Man ist merklich froh, unter so vielen Gleichgesinnten zu sein.
       Denn der von Rostock und anderen betonte Mitgliederzuwachs hat wenig daran
       geändert, dass die Partei im Land sehr unterschiedlich vertreten ist. Auf
       den über 2.200 Quadratkilometern des gastgebenden Kreisverbands Oder-Spree
       hat sie 155 Mitglieder – in Potsdam sind es hingegen bei etwa gleicher
       Einwohnerzahl auf einem Zwölftel der Fläche fast 1.000 Mitglieder.
       
       Draußen vor dem Bürgerzentrum ist der Himmel derweil immer noch grau, es
       regnet fortwährend. Und die nächste Landtagswahl ist auch mit neuem
       Vorstand mutmaßlich immer noch fast vier Jahre weit weg.
       
       15 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Krise-der-Gruenen-in-Ostdeutschland/!6125870
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   DIR [3] /Brandenburg/!6072704&s=andrea+L%C3%BCbcke/
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       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Alberti
       
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