# taz.de -- Arbeitnehmerpauschbetrag: Endlich keine Steuererklärung mehr!
> Jedes Jahr machen Millionen Arbeitnehmer für minimale Rückerstattungen
> eine Steuererklärung. Von dieser Aufgabe könnte der Staat sie einfach
> befreien.
IMG Bild: Schluss mit dem Sammeln von Belegen für die Steuererklärung
Achtung, schockierende Zahl: Schon 2030 rechnet die Steuerverwaltung mit
rund einem Drittel weniger Personal. Weil Deutschland altert und
[1][Babyboomer] in den verdienten Ruhestand gehen. Die Deutsche
Steuergewerkschaft benennt diesen Fakt, wann immer sie kann, um auf
Investitionen in die [2][Digitalisierung der Verwaltung] und
arbeitssparende Reformen zu drängen. Kein Wunder, sind die Finanzämter doch
heute schon vielfach überlastet.
Dabei ist die Lösung eigentlich ganz einfach, man müsste nur den
sogenannten Arbeitnehmerpauschbetrag vervielfachen. Derzeit liegt die
Pauschale bei 1.230 Euro. Würde man sie auf 5.000 Euro anheben, müssten die
allermeisten Arbeitnehmer, die jedes Jahr gewissenhaft ihre Steuererklärung
machen, in Zukunft keine mehr abgeben.
Der Arbeitnehmerpauschbetrag ist Teil der Werbungskosten und wird bei der
Steuererklärung vom Bruttolohn abgezogen. Das reduziert die Steuerlast. Der
Pauschbetrag von 1.230 Euro pro Jahr wird – wie der Name sagt – pauschal
abgezogen, ohne Nachweise. Nur wem höhere Kosten entstehen, kann diese bei
der Steuererklärung geltend machen. Etwa durch angeschaffte
Arbeitsmaterialien, lange Pendelstrecken zum Arbeitsplatz, selbst bezahlte
Fortbildungen oder Bewerbungskosten. Dafür muss man allerdings Belege
sammeln und die Kosten im Einzelfall nachweisen.
Für die meisten Menschen ist das viel Aufwand mit wenig Ertrag, zeigen
[3][Daten des Statistischen Bundesamts]. Nicht einmal jeder Zweite erhält
überhaupt eine Erstattung durch die Steuererklärung. Bei 65 Prozent der
Betroffenen fiel die Erstattung kleiner als 1.000 Euro aus. Nur in 2
Prozent aller Fälle erstattete das Finanzamt mehr als 5.000 Euro. Daraus
ergibt sich am Ende eine durchschnittliche Erstattung von 1.095 Euro. Klar,
man freut sich über jeden Euro, der vom Finanzamt zurückkommt. Aber ab wann
lohnt sich der ganze Aufwand?
Würde der Arbeitnehmerpauschbetrag zum Jahreswechsel angehoben, käme die
Entlastung schon mit dem ersten Lohnbescheid an, wo dann weniger abgezogen
würde. Der Nebeneffekt für die [4][lahmende Konjunktur]: mehr Netto vom
Brutto, mehr Kaufkraft, die in die Geschäfte getragen werden kann!
Außerdem wären Millionen Menschen von der lästigen Pflicht befreit, Belege
für die Steuererklärung zu sammeln. Darüber wären nicht mal die
Steuerberater traurig, denn die verdienen das meiste Geld ohnehin nicht mit
Ottonormalo-Arbeitnehmern, sondern mit Firmenkunden. Je weniger
Massengeschäft mit einfachen Steuererklärungen bei Steuerberatern und
Finanzbeamten, desto mehr Kapazität gibt es für die komplexeren
Steuerfälle.
Gesamtwirtschaftlich ist es zudem bedeutungslos, ob Ottonormalo bei der
Steuererklärung 28 Euro zu viel für die Arbeitskleidung veranschlagt oder
beim Arbeitsweg ein paar Kilometer dazu erfunden hat. Darum sollte sich in
einer alternden Gesellschaft kein Finanzbeamter mehr scheren müssen. Wir
haben schließlich keine Arbeitskraft mehr zu verschenken. Stattdessen
sollten sich die Beamten um wichtigere Dinge kümmern, [5][Betriebsprüfungen
zum Beispiel]. Weil es zu wenig Prüfer gibt, werden Betriebe im Schnitt nur
alle 55 Jahre geprüft. Dabei bringen die rund 13.000 Betriebsprüfer jedes
Jahr ein Steuerplus von rund 10 Milliarden Euro. Also fast eine Million pro
Prüfer. Je weniger Finanzbeamte mit Ottonormalo-Steuererklärungen
beschäftigt sind, desto mehr können Betriebe prüfen – und mehr Steuern
einnehmen.
30 Nov 2025
## LINKS
DIR [1] /Generationen-und-Arbeitsmarkt/!6111908
DIR [2] /Digitalisierung-der-deutschen-Verwaltung/!5958504
DIR [3] https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Lohnsteuer-Einkommensteuer/im-fokus-steuererklaerung.html
DIR [4] /Deutsche-Wirtschaft-waechst-seit-sechs-Jahren-nicht/!6125579
DIR [5] /Betriebspruefungen-der-Finanzaemter/!5993389
## AUTOREN
DIR Maurice Höfgen
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