# taz.de -- Bundeswehr-Übung in Berlin: Kalt konfrontiert
> Die Übung der Bundeswehr mitten in Berlin macht die Debatte um Aufrüstung
> und Wehrdienst ein Stück konkreter. Was tun wir, wenn es zum Krieg kommt?
IMG Bild: Ein Wachbataillon trainiert den urbanen Kampf an der Berliner U-Bahn-Station Jungfernheide
Bundeswehrsoldat:innen in Kampfanzug und mit Sturmgewehr im Anschlag
[1][stürmen einen U-Bahnhof. Mitten in der Nacht, mitten in Berlin].
Schüsse hallen durch den raucherfüllten Tunnel. Alles schön inszeniert für
die Vertreter:innen der Presse, die mit langen Objektiven die Szene
einfangen – und hinaustragen in die Welt.
Ganz egal wie man nun zur Bundeswehr steht, ob man sich für ein solch
öffentlichkeitswirksames Säbelgerassel begeistern kann oder es aus tiefstem
Herzen unangenehm, unangemessen, ja nervig findet. Man kommt um die
Erkenntnis nicht herum, dass die Medienoffensive der deutschen Armee vor
allem eins ist: eine Herausforderung. Eine Konfrontation mit der Frage, um
die angesichts der Weltlage niemand mehr herumkommt: Was willst du tun,
wenn es tatsächlich zum Krieg kommen sollte.
Für Sicherheitsfanatiker:innen ist die Antwort genauso einfach wie
für [2][Radikalpazifist:innen]. Die einen greifen ohne Wenn und Aber
zur Waffe. Die anderen verweigern sich total. Das ist ja ihr gutes Recht.
Aber über ihre Position sollten auch gerade die nachdenken, für die das
nicht so eindeutig ist. Dann wird schnell klar, dass es die eine,
allgemeingültige Antwort nicht gibt, nicht geben kann, auch nicht geben
muss.
Verlasse ich das Land? Und wenn ja, wohin würde ich gehen? Bleibe ich hier
und engagiere mich auf ziviler Ebene – als Sanitäter, als Feuerwehrfrau
oder wie auch immer? Oder halte ich die aktuelle [3][Remilitarisierung der
Gesellschaft] für die größte Gefahr? Dann müsste ich nicht erst im Falle
einer Eskalation, sondern genau jetzt handeln.
Es ist eine Frage des Gewissens. Aber auch der Kraft. Hält man das aus? Als
Soldat:in das eigene Leben aufs Spiel zu setzen? Und andere Menschen zu
töten? Als Pazifist:in die andere Wange hinzuhalten, anstatt zur
Gegenwehr zu greifen? Als Flüchtling mit Kind und Kegel irgendwohin zu
ziehen, wo man im Zweifel vor allem als Problem gesehen wird, wie die
Geflüchteten hierzulande?
Gerade weil die Antwort so schwierig ist, sollte man sich Gedanken machen.
Damit man sie gut vorbereitet im Zweifel auch wieder über den Haufen werfen
kann.
19 Nov 2025
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## AUTOREN
DIR Gereon Asmuth
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