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       # taz.de -- US-Soulstar D'Angelo ist gestorben: Anspannung, Erlösung und Intensität
       
       > US-Soulstar D'Angelo ist mit nur 51 Jahren nach schwerer Krankheit
       > verstorben. Nachruf auf einen feinfühligen und kraftvollen
       > Ausnahmekünstler.
       
   IMG Bild: Wurde nur 51 Jahre alt: US-Soulstar D'Angelo
       
       Das Werk von D’Angelo ist schmal, aber einflussreich. Der US-Künstler hat
       zwischen 1995 und 2014 gerade einmal drei Soloalben veröffentlicht: „Brown
       Sugar“, „Voodoo“ und „Black Messiah“. Doch jedes dieser drei Werke hat dem
       zeitgenössischen R & B jeweils eine neue Richtung gegeben.
       
       Geboren 1974 in Richmond im Bundesstaat Virgina, wächst Michael Eugene
       Archer in einer religiösen Familie auf. Schon im Kindesalter zeigt sich
       sein außergewöhnliches musikalisches Talent. Als Dreijähriger spielt er
       Klavier, mit fünf sitzt er an der Orgel in der Kirchengemeinde seines
       Vaters. Er singt im Chor und bringt sich Bass, Gitarre und Schlagzeug
       selbst bei. Ein Mentor beschreibt ihn als „James Brown, Michael Jackson und
       Prince vereint in einem Zwölfjährigen“.
       
       Anfang der 1990er bricht Archer die Schule ab und geht nach New York. Dort
       legt er sich den Namen D’Angelo zu, in Anspielung auf den
       Renaissance-Künstler Michelangelo. Majorlabel beginnen sich für ihn zu
       interessieren.
       
       ## Southerngospel und Eastcoast-HipHop
       
       Als 1995 schließlich sein Debüt „Brown Sugar“ erscheint, wird D’Angelo über
       Nacht zum Star. Aufgenommen mit analogen Instrumenten, verbindet D’Angelo
       darin den Gesang von Südstaatengospel mit jazzigen Pianofiguren und der
       Beatästhetik des Ostküsten-HipHop.
       
       Mit der Coverversion von „Cruisin'“ verbeugt er sich vor seinem Idol Smokey
       Robinson, dessen hohes Falsett seinen Gesang geprägt hat. „Brown Sugar“
       wird zum Aushängeschild einer neuen Bewegung, „Neo Soul“, zu der auch
       [1][Erykah Badu], Maxwell und Tony! Toni! Toné! gezählt werden.
       
       Nach einer ausgedehnten Tour taucht D’Angelo ab. Mit einer losen Gruppe
       befreundeter Musiker*innen, darunter der Schlagzeuger Questlove und Bassist
       Pino Palladino, mietet er ein Tonstudio in Manhattan an. Vor jeder Session
       hören die Beteiligten Musik von Stevie Wonder, Sly Stone und weiteren Stars
       oder schauen Aufzeichnungen der TV-Show „Soul Train“. Inspiriert davon,
       jammen sie.
       
       ## Ölschimmernde Funkgrooves
       
       Am Ende dieses dreijährigen Prozesses steht „Voodoo“ (2000), D’Angelos
       Meisterwerk voller schwerer, ölschimmernder Funkgrooves. Das Video zur
       Single „Untitled“ setzt hingegen einen anderen Akzent. Eine Kamera umkreist
       den nackten, durchtrainierten Oberkörper von D’Angelo. Im Vergleich zu
       massig-muskulösen Rapstars wie DMX wirkt der Sänger wie ein Sexsymbol,
       maskulin und feinfühlig zugleich.
       
       Wieder verschwindet D’Angelo nach seiner Konzertreise von der Bildfläche.
       Geschichten von Drogen, Alkohol und Verhaftungen machen die Runde. Seine
       Stimme findet sich hin und wieder in Liedern von Kolleg*innen. [2][Erst
       2014 wird unerwartet das politische Album „Black Messiah“ veröffentlicht],
       das D’Angelo als Reaktion auf die BlackLivesMatter-Demonstrationen in den
       USA herausbringt. Es enthält seine düstersten und grimmigsten Stücke.
       
       D’Angelos drei Alben sind allerdings nur eine Seite des musikalischen
       Könnens. [3][Seine wahre Bestimmung offenbart sich in den Konzerten], die
       von den emotionalen Gottesdiensten der Pfingstbewegung geprägt sind: „Von
       der Bühne gehe ich ohne Umwege direkt in die Kirche“, erklärte er 2015 in
       einem Interview. Denn Konzerte von D’Angelo sind ekstatische Erfahrungen:
       Langsam baut er seine Stücke auf, um sie auf dem Höhepunkt mit einem Schlag
       in sich zusammenfallen zu lassen – nur um sofort wieder von vorne zu
       beginnen: ein ständiges Spiel von Anspannung und Erlösung, das mit jedem
       Durchgang an Intensität gewinnt.
       
       „Ich mache das nicht für gute Kritiken oder Geld. Mein ganzes Leben wird
       von Musik geprägt sein. Das macht mich aus“, hat D’Angelo 1996
       vorausgesagt. Da stand er am Beginn seiner Karriere. Jetzt ist er im Alter
       von nur 51 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Viel zu früh. Mit
       ihm verlieren wir einen ganz großen Soul-Musiker.
       
       15 Oct 2025
       
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