# taz.de -- Aufgedeckte Hamas-Anschlagspläne: Neuer Streit um Aberkennung von doppelter Staatsbürgerschaft
> Bei einer Waffenübergabe wurden drei mutmaßliche Hamas-Mitglieder in
> Berlin festgenommen. Die Union will über Ausbürgerungen sprechen.
IMG Bild: Der Innenpolitische Sprecher der CDU, Alexander Throm, in Berlin am 11. September 2025
Berlin taz | Nach der Festnahme von drei mutmaßlichen Hamas-Terroristen in
Berlin hat die CDU erneut eine Debatte um den Entzug des deutschen Passes
für Doppelstaatsbürger*innen losgetreten. Der Innenpolitische
Sprecher der CDU Alexander Throm sagte dem Handelsblatt, wer
Terrorhandlungen im Inland begehe, müsse die deutsche Staatsbürgerschaft
verlieren, sofern er oder sie noch eine andere habe. Der SPD-Politiker
Hakan Demir widersprach gegenüber der taz deutlich.
Throms Vorstoß kommt rund eine Woche vor der geplanten Verabschiedung einer
Staatsbürgerschaftsreform durch den Bundestag. Eine Änderung der Regeln für
Personen mit zwei Pässen ist darin bislang nicht vorgesehen, auch wenn die
Union im Wahlkampf [1][ähnliche Forderungen erhoben hatte] wie jetzt Throm.
Die SPD hatte sich stets dagegen gestellt.
So sieht die Reform derzeit nur vor, die beschleunigte Einbürgerung für
Personen mit besonderen Integrationsleistungen abzuschaffen. Sie konnten
bisher bereits nach drei Jahren einen deutschen Pass beantragen, künftig
sollen es wie für andere auch wieder fünf Jahre sein.
SPD-Politiker Demir positionierte sich am Donnerstag gegen den Versuch, die
Frage der Doppelstaatsbürger wieder auf den Tisch zu bringen. Zwar müsse
hart bestraft werden, wer Terroranschläge plane, aber: „Der Entzug der
Staatsbürgerschaft gehört dabei aus guten Gründen nicht zu den möglichen
Strafmaßnahmen.“ Und weiter: „Es darf keine Deutschen zweiter Klasse
geben.“
## Sturmgewehr und 300 Schuss Munition
Die Forderung nach einem Entzug des deutschen Passes ist auch deshalb
heikel, weil sie an die Praxis Nazi-Deutschlands erinnert, unliebsamen
Personen die Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Dies traf zunächst
Regimegegner*innen, dann auch Juden*Jüdinnen, die vor dem zunehmenden
antisemitischen Staatsterror flohen. Bei der Deportation in die
Vernichtungslager im besetzten Osteuropa entzog Nazi-Deutschland später
allen deutschen Juden*Jüdinnen automatisch ihre Staatsangehörigkeit.
Jurist*innen und Philosph*innen betonten nach Kriegsende die
Bedeutung der Staatsbürgerschaft als Grundbedingung für Schutz vor
willkürlicher Gewalt. Hannah Arendt sprach in diesem Zusammenhang vom
grundlegenden „Recht, Rechte zu haben“, das an Staatsbürgerschaft gekoppelt
sei.
Bislang ist aber gar nicht klar, ob [2][die drei am Mittwoch
Festgenommenen] überhaupt eine Doppelstaatsbürgerschaft haben. Bei ihnen
handelt es sich nach taz-Informationen um einen 36-Jährigen und einen
44-Jährigen mit deutschem Pass, sowie einen 43-Jährigen, dessen
Staatsangehörigkeit derzeit unklar ist. Zwei von ihnen wurden im Libanon,
einer in Syrien geboren.
Die drei waren am Mittwoch bei der Übergabe eines Sturmgewehrs vom Typ AK47
in Berlin-Moabit festgenommen worden, nach taz-Informationen hatten sie
außerdem 300 Schuss Munition und eine Pistole dabei. Auch in Leipzig und im
nordrhein-westfälischen Oberhausen gab es Durchsuchungen im Zusammenhang
mit den Festnahmen. Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Männern vor, im
Auftrag der Terrororganisation Hamas gehandelt zu haben und Anschläge auf
israelische und jüdische Ziele in Deutschland geplant zu haben. Sie sollen
in Kontakt mit einem mutmaßlichen Drahtzieher im Ausland gestanden haben.
Die Hamas streitet in einer Mitteilung aber jede Verbindung zu den Männern
ab.
Bei der Hamas handelt es sich um eine islamistische und antisemitische
Terrororganisation aus Palästina, die seit den 1980er Jahren einen
bewaffneten Kampf gegen Israel führt, dessen Vernichtung sie anstrebt. Am
7. Oktober 2023 richteten ihre Kämpfer in Südisrael ein Massaker an, dem
insgesamt rund 1.200 Menschen zum Opfer fielen, darunter etwa 900
Zivilist*innen. Die Islamisten entführten zudem weitere 250 israelische
Zivilist*innen als Geiseln in den Gaza-Streifen. Seitdem tobt im
Gazastreifen ein brutaler Krieg zwischen den Islamisten und der
israelischen Armee.
In Berlin stehen derzeit noch drei andere Männer vor Gericht, denen
ebenfalls vorgeworfen wird, [3][Auslands-Operateure der Hamas zu sein]. Sie
wurden bereits Ende 2023 festgenommen und sollen Waffendepots in
verschiedenen europäischen Länder aufgebaut haben. Ziel soll auch bei ihnen
gewesen sein, Anschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen und
Personen zu verüben. Mit einem Urteil wird gegen Ende des Jahres gerechnet.
2 Oct 2025
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## AUTOREN
DIR Frederik Eikmanns
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