# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn einem mal kein Weg zu weit ist
Die Einladung zum 60. dieses geschätzten Kollegen hatte mich wirklich sehr
gefreut. Ich habe also Termine verlegt, bin nach Berlin gereist und habe
die Erkältung so weit niedergerungen, dass ein Kommen vertretbar schien.
„Was Kleines fürs Buffet wär toll“, hatte er geschrieben. In fremder Küche
gelingt ein passables Sauerteigbrot, zum Draufstreichen eine
Thunfischcreme.
Jetzt noch die taz-Produktion durchprügeln und dann mit dem Rad in den
Regionalzug nach Fürstenwalde. Das liegt am Freitagnachmittag da wie tot.
Graue Häuser, grauer Himmel, schnurgerade, leere Ausfallstraßen. Ich kämpfe
mich vorbei an der Juri-Gagarin-Oberschule, an Tedi, Kik und dem
Freizeitbad Schwapp. An den Deutschen Amphibolinwerken. Was mag das sein?
Es beginnt zu dämmern. Am Kreisel links und dann noch ein guter Kilometer.
Nieselregen setzt ein. Dann der Abzweig nach Neuendorf. Hier muss es gleich
kommen. Ein paar Bauwagen. Eine Scheune, die sich nur noch aus Gewohnheit
aufrecht hält. Es riecht nach Kaminfeuer. Aber weit und breit kein Mensch.
Ich zücke das Handy und suche die E-Mail. Da: „hoffentlich bis Samstag“,
steht da. Samstag, das ist morgen. Jan Kahlcke
18 Oct 2025
## AUTOREN
DIR Jan Kahlcke
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