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       # taz.de -- Urteil wegen Betrugs: Zwei Jahre Haft für Benko
       
       > Das Landgericht Innsbruck hat Immobilienunternehmer Benko in einem
       > Insolvenzprozess teilweise für schuldig befunden. Ihm drohen weitere
       > Verfahren.
       
   IMG Bild: Schuldig: Der Angeklagte René Benko verlässt nach der Urteilsverkündung am zweiten Verhandlungstag das Landesgericht
       
       München taz | Der österreichische Unternehmer René Benko ist wegen
       [1][Schädigung seiner Gläubiger] schuldig gesprochen worden. Der Gründer
       des Immobilienkonzerns Signa wurde vom Landesgericht Innsbruck zu zwei
       Jahren Haft wegen „betrügerischer Krida“ verurteilt. Das bedeutet so viel
       wie betrügerischer Bankrott. Die Untersuchungshaft seit Januar dieses
       Jahres wird ihm dabei angerechnet. Die Strafe ist nicht zur Bewährung
       ausgesetzt, damit bleibt Benko weiterhin in Haft.
       
       Die Kammer sieht es als bewiesen an, dass der 48-jährige Innsbrucker
       300.000 Euro an eine Familienstiftung gezahlt hat, an deren Spitze formell
       seine Mutter Ingeborg steht. Zu diesem Zeitpunkt war Benko aber schon klar,
       dass er und die Signa in Konkurs gehen werden. Also hat er dieses Geld der
       Konkursmasse und den Gläubigern entzogen.
       
       So hatte auch die Staatsanwältin Thea Krasa von der Wirtschafts- und
       Korruptionsstaatsanwaltschaft argumentiert. Die Vorsitzende Richterin
       Andrea Wegscheider sagte laut Berichten aus dem Gerichtssaal, es dränge
       sich der Anschein auf, dass Benko mit dem bevorstehenden Insolvenzverfahren
       „versucht hat, Geld ein anderes Mascherl zu geben“. Im Österreichischen
       bedeutet Mascherl „Anschein“.
       
       Im zweiten Anklagepunkt bezüglich der für vier Jahre vorab gezahlten
       [2][Miete für seine Villa] am Innsbrucker Hungerberg wurde Benko hingegen
       freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, damit Geld verschoben und
       seiner Familie einen Wohnsitz gesichert zu haben. Ehefrau Nathalie und drei
       Kinder wohnen dort auch tatsächlich.
       
       ## Gericht gegen eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung
       
       Laut Richterin Wegscheider geht die Kammer davon aus, dass die Familie
       Benko zum Zeitpunkt der Zahlung auch vorgehabt habe, dort zu wohnen. Das
       sei auch möglich gewesen, denn die Beweisaufnahme hat ergeben, dass die
       Villa zwar Schäden hatte, aber durchaus bewohnbar gewesen war. Um die Frage
       des Zustandes des Anwesens war es auch bei Zeugenvernehmungen am Vormittag
       gegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte bei der Mietzahlung einen
       hinterzogenen Betrag von 360.000 Euro angeklagt. Benko-Verteidiger Norbert
       Wess hatte einen kompletten Freispruch verlangt, alle Vorwürfe abgestritten
       und die Anklage als „völlig daneben“ bezeichnet.
       
       Mit 300.000 Euro für die Stiftung und die Mutter ist der Schaden nach
       Ansicht der Richterin Wegscheider „hoch“. Das Gericht habe sich deshalb aus
       „generalpräventiven Gründen“ gegen eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung
       ausgesprochen. René Benko soll laut Berichten sehr rasch wieder nach Wien
       zurückgebracht werden, wo er in der [3][Haftanstalt Josefstadt einsitzt].
       Eine Verlegung mit Fußfessel in eine ihm gehörende Penthousewohnung in Wien
       wurde abgelehnt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es kann Berufung
       eingelegt werden.
       
       Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem in 13 weiteren „Strängen“ im
       Signa-Benko-Komplex. Die jetzige Verurteilung kann als Zeichen dafür
       gewertet werden, dass Benko prinzipiell strafrechtlich zur Verantwortung
       gezogen werden kann. Es werden weitere Anklagen erfolgen. Dann geht es um
       noch sehr viel höhere Summen und auch andere Straftatbestände. Verfahren
       bei diesen weitaus größeren Brocken stehen an. Die Wirtschafts- und
       Korruptionsstaatsanwaltschaft spricht von einem strafrechtlich relevanten
       Schaden in Höhe von 300 Millionen Euro. Es steht etwa im Raum, dass Benko
       seine Geldgeber getäuscht und Investitionen nicht für die vorgesehenen
       Zwecke genutzt haben könnte.
       
       15 Oct 2025
       
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