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       # taz.de -- Neuer Bahnchef ist eine Chefin: Evelyn Palla soll die Deutsche Bahn retten
       
       > Offenbar soll erstmals eine Frau die Bahn lenken – die bisherige
       > Regionalvorständin. Wer ist sie und was erwartet sie?
       
   IMG Bild: Hat sich als Regionalchefin schon bewährt: Evelyn Palla soll nun den Gesamtkonzern wieder nach vorn bringen
       
       Berlin dpa | Als Mitte August [1][über die Nachfolge von Richard Lutz an
       der Spitze der Deutschen Bahn spekuliert] wurde, fiel ihr Name schon sehr
       früh: Evelyn Palla arbeitet seit 2019 beim bundeseigenen Konzern, erst als
       Finanzvorständin bei DB Fernverkehr, seit Juli 2022 als Chefin des
       Regionalverkehrs. Am Samstag wurde bekannt, dass die gebürtige Südtirolerin
       nun wohl an die Spitze des Konzerns aufsteigen wird – als erste Frau auf
       diesem Posten.
       
       Am Montag soll Palla nach dpa-Informationen offiziell als neue Bahn-Chefin
       vorgestellt werden. Nach dem Vorschlag von Bundesverkehrsminister Patrick
       Schnieder (CDU) muss Palla noch vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn berufen
       werden. Die nächste Sitzung des Aufsichtsrats beginnt am Dienstag.
       
       Palla, Jahrgang 1973, kennt sich nicht nur durch ihre Zeit bei der Deutsche
       Bahn gut in der Branche aus. Von 2011 bis Anfang 2019 [2][war sie bei den
       Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) aktiv.] Ebenso wie die Schweizerischen
       Bundesbahnen (SBB) gelten die Österreicher im Vergleich zu Deutschland als
       Vorzeigenation, wenn es um den Verkehr auf der Schiene geht.
       
       Mit der Verantwortung für den gesamten Regionalverkehr in Deutschland hat
       Palla seit drei Jahren eine sehr gewichtige Aufgabe. Rund 780.000
       Zugfahrten werden im Nahverkehr – inklusive aller S-Bahnen – jeden Monat
       absolviert. Zuletzt war die [3][Pünktlichkeit auch im Nahverkehr] im
       Vergleich zu vorherigen Zeiten schlechter, brach aber nicht komplett ein.
       
       ## Die größten Probleme
       
       Zudem erwirtschaftete DB Regio unter Palla im ersten Halbjahr 2025 einen
       operativen Gewinn von 103 Millionen Euro (Ebit bereinigt). Im ersten
       Halbjahr 2024 hatte an dieser Stelle noch ein dickes Minus gestanden. Bei
       der Bahn freute man sich über die Trendwende – ein kleiner Erfolg inmitten
       vieler schlechter Nachrichten, mit denen die Kunden der Bahn ebenso wie das
       Management des Konzerns fast täglich konfrontiert sind.
       
       Die kriselnde Bahn hat vor allem mit der [4][maroden Infrastruktur] zu
       kämpfen, die jeden Tag die Züge ausbremst. Verspätungen, Zugausfälle und
       Frust bei den Fahrgästen sind die Folge. Und weil nahezu jedes Eck des mehr
       als 33.000 Kilometer langen Schienennetzes der DB betroffen ist, wird es
       absehbar noch sehr lange dauern, bis sich die Situation grundlegend
       verbessern wird. Große Hoffnungen setzt die Bahn in die [5][grundlegende
       Sanierung von mehr als 40 besonders wichtigen Strecken bis 2036].
       
       Das nächste Problem ist eng mit der Infrastruktur verbunden: Die
       Pünktlichkeit im Fernverkehr lag im August bei nur knapp 60 Prozent. Vor
       allem an wichtigen Knoten sammeln die Züge regelmäßig Verspätung ein,
       Störungen und Baustellen machen einen reibungslosen Betrieb kaum möglich.
       Nahezu jeder Fernverkehrszug muss auf seiner Reise durch das Land derzeit
       durch mindestens eine Baustelle fahren.
       
       ## Jobs in Gefahr
       
       Auch die wirtschaftlichen Zahlen sehen seit Jahren nicht gut aus. Zuletzt
       verbesserten sie sich zwar, am Ende des ersten Halbjahres 2025 stand aber
       weiterhin ein dickes Minus von 760 Millionen Euro. Um den Konzern
       wirtschaftlicher aufzustellen, sollen [6][Tausende Stellen gestrichen
       werden]. Damit steht auch die Verwaltung des riesigen Konzerns vor vielen
       Veränderungsprozessen – schlecht gemanagt ist so etwas ein typischer Grund
       für Unruhe in einem Unternehmen.
       
       Viel zu tun also für die neue Bahnchefin, die trotz ihrer schon jetzt
       bedeutenden Aufgabe als Regio-Chefin zuletzt wenig öffentlich in
       Erscheinung trat. Bereitete sich Palla womöglich schon länger auf den
       Sprung an die Konzern-Spitze vor?
       
       Die Rückendeckung des zuständigen Ministers dürfte Palla jedenfalls in den
       nächsten Monaten haben. Doch reicht das, um die Bahn wieder nach vorne zu
       bringen? Für die Grünen, die Palla mit ihrer Führungserfahrung für eine
       gute Wahl halten, eher nicht: „Ohne deutlich bessere Rahmenbedingungen wird
       aber auch Frau Palla nicht erfolgreich sein können“, sagte deren
       Verkehrsexperte Matthias Gastel der Rheinischen Post. „Dazu gehört die
       auskömmliche und mittelfristig verlässliche Finanzierung der Infrastruktur.
       Dazu gehört auch die bessere Kontrolle und Steuerung des Unternehmens.“
       
       Wenn Palla am Montag in Berlin offiziell als neue Bahn-Chefin vorgestellt
       wird, will Verkehrsminister Schnieder auch eine neue
       [7][Eigentümer-Strategie für die Bahn] präsentieren. Sie dürfte der
       Leitfaden sein, an dem sich die Südtirolerin orientieren muss. Über die
       Inhalte wurde bisher nicht viel bekannt. Es gilt aber als sicher, dass der
       Bund die Bahn enger an die Leine nehmen wird als in den vergangenen Jahren.
       
       „Die Bahn muss pünktlich, sicher und sauber sein“, sagte Schnieder zuletzt.
       Zudem müsse der Konzern „schneller, schlanker, schlagkräftiger und auch
       wirtschaftlicher“ werden. Derzeit sei die Lage „dramatisch“.
       
       21 Sep 2025
       
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