URI:
       # taz.de -- S&P zu Frankreichs Kreditwürdigkeit: Noten runter, Zinsen rauf
       
       > Frankreichs politische Krise schlägt sich ökonomisch nieder. Nicht nur
       > die reale Wirtschaft leidet – für die Regierung wird die Kreditaufnahme
       > teurer.
       
   IMG Bild: Premierminister Sébastian Lecornu braucht eine Menge Energie und neue Ideen, um Frankreich wieder auf Kurs zu bringen
       
       Paris taz | Die US-Rating-Agentur S&P hat Frankreichs Bonität von AA- auf
       A+ herabgestuft. Das ist nur noch der fünftbeste Platz in der Benotung, die
       den Finanzmärkten als Barometer der Kreditwürdigkeit für Staatsanleihen
       dient. Die Herabstufung folgt direkt aus [1][der politischen Krise in
       Frankreich].
       
       „Frankreich erlebt die schwerste Instabilität seit dem Beginn der Fünften
       Republik 1958“, schreibt S&P in der Erklärung. Als Grund für die
       Intervention nennt die Agentur explizit die [2][Misstrauensanträge gegen
       die Regierung,] die zur Folge hatten, dass Sébastian Lecornu und sein
       Kabinett Abstriche in ihrer Sparpolitik machen müssen.
       
       Sie haben der Opposition unter anderem [3][eine Pause bei der Rentenreform
       versprochen]. Damit aber „bleibt die Ungewissheit bezüglich der
       öffentlichen Finanzen“ bis 2027 groß.
       
       Die Agentur glaubt auch nicht, dass der Premier seine Sparziele einhalten
       kann. Lecornu will das Staatsdefizit bis Ende 2026 auf 4,7 Prozent der
       Wirtschaftsleistung (BIP) begrenzen. S&P schätzt, dass es bei 5,3 Prozent
       liegen wird.
       
       ## Krise auf dem Arbeitsmarkt
       
       Die Krise kommt die Wirtschaft teuer zu stehen: Die Zeitung Le Monde
       beziffert die Ausfälle bei den staatlichen Einnahmen auf 20 Milliarden Euro
       für die beiden Jahre 2025 und 2026, das Wachstum werde sich auf 0,7 Prozent
       reduzieren, 160.000 Arbeitsplätze würden wegfallen.
       
       Die schlechteren Noten haben für Frankreich unmittelbare Konsequenzen.
       Investmentfonds, die ihr Geld nicht in Anleihen von Staaten mit einer Note
       unter AA anlegen dürfen, sind gezwungen, ihre Obligationen zu verkaufen.
       Vor allem aber werden in der Folge die Zinsen für die von Frankreich
       benötigten Neuanleihen tendenziell steigen. Das spiegelt sich im
       [4][sogenannten Spread mit Deutschland] wider: Bis 2022 betrug die
       Differenz der Zinssätze für Neuanleihen 0,5 Prozent, jetzt ist sie auf 0,9
       Prozent gestiegen. Einziger Lichtblick für Frankreich war die leichte
       Baisse der Zinssätze für Obligationen. Frankreich muss für neue
       Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit aktuell 3,3 Prozent zahlen.
       
       Ein Ende der Schuldenspirale ist nicht in Sicht. Laut S&P wird der
       BIP-Anteil der Gesamtverschuldung von 112 Prozent 2024 bis Ende 2028 auf
       121 Prozent zunehmen.
       
       19 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Macron-in-der-Bredouille/!6109260&s=staatsanleihen/
   DIR [2] /Regierungskrise-in-Frankreich/!6116865
   DIR [3] /Regierung-in-Frankreich/!6116808
   DIR [4] https://de.investing.com/rates-bonds/de-10y-vs-fr-10y
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rudolf Balmer
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Frankreich
   DIR Staatsverschuldung
   DIR rating
   DIR Social-Auswahl
   DIR Schwerpunkt Frankreich
   DIR Schwerpunkt Emmanuel Macron
   DIR IWF
   DIR Schwerpunkt Frankreich
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Staatshaushalt in Frankreich: Leider wieder nackt
       
       Einen Etat für 2026 gibt es in Frankreich noch nicht. Das war Ende 2024
       ebenfalls der Fall. Premier Sébastien Lecornu sucht händeringend nach einem
       Kompromiss.
       
   DIR Lecornu verschiebt Rentenreform auf 2028: Warum nicht gleich so?
       
       Dass Macron die Verschiebung seiner Rentenpläne zulässt, kommt politischer
       Selbstverleugnung gleich. Und zeigt: Das Chaos wäre vermeidbar gewesen.
       
   DIR Internationaler Währungsfonds: Schulden steigen global
       
       Die Staatsverschuldung weltweit könnte bis 2029 höher als die
       Wirtschaftsleistung sein. Der IWF rät zum Sparen, hat aber auch selbst
       Hausaufgaben.
       
   DIR Regierungskrise in Frankreich: Höhere Schulden, schlechteres Rating
       
       Frankreichs Zinslast wächst. Das liegt auch daran, dass Ratingagenturen es
       schlechter als Deutschland bewerten.