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       # taz.de -- Basketballstar Satou Sabally: Der ersehnte Moment
       
       > Mit einer Glanzleistung hat Satou Sabally ihr Team ins Finale der WNBA
       > geführt. Sie könnte der zweite deutsche Basketballsuperstar in den USA
       > werden.
       
   IMG Bild: Lange mit Problemen, jetzt endlich voll da: Satou Sabally (links)
       
       Es gibt kaum eine bessere Kennerin des Basketballs der Frauen als [1][Sue
       Bird]. Die New Yorkerin hat 20 Jahre lang in der Profiliga WNBA gespielt,
       vier Meisterschaften gewonnen und war 13 Mal im All-Star-Aufgebot. Und so
       war es überaus glaubhaft, als sie versicherte, dass der endgültige
       Durchbruch von Satou Sabally für sie nicht die geringste Überraschung war:
       „Satou war schon immer da“, sagte Bird in ihrem Podcast, „es war nur eine
       Frage der Zeit, bis ihr Moment kommt.“
       
       Nun ist der Moment der Berlinerin da. Mit einer Glanzleistung führte sie am
       vergangenen Wochenende ihre Phoenix Mercury ins WNBA Finale. Und egal, ob
       sie dort gegen die Indiana Fever oder die Las Vegas Aces spielen – der
       Titel muss ihnen hart abgerungen werden. Damit unterstrich die 26-Jährige
       in ihrer fünften WNBA-Saison ihren Status als eine der dominanten
       Spielerinnen in der besten Liga der Welt.
       
       Da kommt freilich sofort wieder der Vergleich mit [2][Dirk Nowitzki] in den
       Sinn, der Sabally seit Beginn ihrer Profikarriere verfolgt. Er ist zwar
       abgenutzt, aber zu treffend, als dass man der Versuchung widerstehen
       könnte. Wie Nowitzki wurde sie als junge Spielerin aus Deutschland nach
       Dallas geholt. Und wie Nowitzki besitzt sie die einzigartige Fähigkeit,
       Körpergröße und Kraft mit Wendigkeit und Vielseitigkeit zu verbinden.
       
       Gerade erst im letzten Spiel gegen Minnesota war diese Kombination, die ihr
       den Spitznamen des seltenen Fabelwesens „Einhorn“ eintrug, wieder zu
       beobachten. Sabally konnte sich nach Bedarf unter dem Korb durchsetzen oder
       aus der Dreipunkt-Distanz treffen oder den Ball an ihre formidablen
       Partnerinnen Alyssa Thomas, DeWanna Bonner oder Kalheah Copper verteilen.
       
       ## Lange Wartezeit
       
       Doch genau wie Nowitzki musste sie lange warten, bis sie als
       Franchise-Spielerin eines meisterschaftstauglichen Teams den Status in der
       Liga bekam, der ihren Fähigkeiten entspricht. Sogar [3][ihre kleine
       Schwester Nyara kam ihr zuvor], als sie im vergangenen Jahr zusammen mit
       den New York Liberty und Leonie Fiebich die Meisterschaft gewann. Doch nun
       ist endlich Sabally dran. „Es wäre verlogen, wenn wir behaupteten, dass wir
       mit weniger als dem Titelgewinn zufrieden wären.“
       
       Sabally tat sich in ihren ersten Profijahren trotz ihres schon im College
       bewiesenen außergewöhnlichen Talents schwer. Ihre Rookie Saison 2020 fand
       während Covid im Quarantänelager statt – nicht gerade ein glanzvoller
       Einstand. Hinzu kamen Verletzungen, die sie auch in den folgenden zwei
       Spielzeiten immer wieder zurückwarfen. Die junge Berufsspielerin tat sich
       mit der Dreifachbelastung der WNBA-Saison, der Saison für Fenerbahçe
       Istanbul und im Nationalteam schwer. „Ich habe 365 Tage auf dem Platz
       gestanden“, sagte sie im Rückblick.
       
       ## Spielen trotz Schmerzen
       
       Immer wieder spielte sie trotz Schmerzen durch, wie zuletzt beim
       olympischen Turnier in Paris, doch der Körper ließ sich nicht dauerhaft
       überstimmen. So kam ihr Durchbruch in der WNBA erst in der Saison, in der
       sie international kürzer trat. Obwohl sie nach dem Auskurieren ihrer
       Olympia-Verletzung spät in die Saison startete, legte sie 2024 die besten
       Statistiken ihrer Karriere vor. Doch schon während dieser letzten Spielzeit
       in Dallas plante sie ihren Wechsel. „Die Zeit, in der ich mich einfach nur
       gefreut habe, in der WNBA dabei zu sein, war vorbei.“ Sabally wollte
       gewinnen.
       
       In Phoenix fand sie dazu ideale Bedingungen. Sie konnte dort mit Alyssa
       Thomas und Kahleah Copper ein beinahe unschlagbares Powertrio bilden. Hinzu
       kamen professionelle Bedingungen, von denen sie in Dallas nur träumen
       konnte – von der physiotherapeutischen Betreuung bis hin zur Ernährung.
       „Wir mussten uns in Dallas am Spieltag um unser eigenes Essen kümmern.“
       
       Mit dem Finaleinzug hat Sabally nun erneut in den USA die Aufmerksamkeit
       auf [4][den boomenden deutschen Basketball] gelenkt. Dennis Schroeder und
       die Wagner-Brüder sind unter Basketballkennern längst ein Begriff, Satous
       jüngere Schwester und Leonie Fiebich kennen wenigstens die WNBA-Fans.
       
       Nun hat Satou nach Dirk Nowitzki die Chance, als zweite Deutsche im
       US-Profibasketball ein Superstar zu werden. Eine Rolle, [5][die sie gerne
       annimmt]. „Ich repräsentiere hier internationale Gewässer“, sagte sie mit
       einer nicht ganz geglückten Metapher nach dem Spiel gegen Minnesota. Doch
       es war klar, was gemeint war: Sabally ist stolz darauf, auf der großen
       Bühne als Berlinerin mit afrikanischen Wurzeln aufzufallen. Nach
       Möglichkeit natürlich mit einem Pokal in der Hand.
       
       30 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Saisonsauftakt-bei-US-Basketballerinnen/!5773244
   DIR [2] /Dirk-Nowitzki/!t5033203
   DIR [3] /Deutscher-Erfolg-in-der-WNBA/!6041355
   DIR [4] /Deutscher-Basketballboom/!6025570
   DIR [5] /Basketballstar-Satou-Sabally/!5987764
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Sebastian Moll
       
       ## TAGS
       
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