# taz.de -- 50 Jahre Brennelementefabrik Lingen: Proteste gegen Kooperation mit Putin
> Die Lingener Brennelementefabrik feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit
> einer Gala. Atomkritiker sind nicht geladen. Sie wollen stattdessen
> demonstrieren.
IMG Bild: Atomkraftgegner wollen die Jubiläumsfeier von Advanced Nuclear Fuels GmbH stören
Berlin taz | Ein „Gala-Abend“ für die Mitarbeitenden sowie für
Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft ist angekündigt, und ein
[1][„Nachbarschaftstag“] auf dem Firmenparkplatz. Die Betreiberin der
Lingener Brennelementefabrik, die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF), feiert
an diesem Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen. Atomkraftgegner:innen
wurden nicht eingeladen. Sie wollen aber trotzdem kommen: Für Sonntag haben
örtliche Initiativen und die Anti-Atom-Organisation [2][Ausgestrahlt] zu
einer Demonstration aufgerufen. Sie kritisieren insbesondere, dass ANF
[3][mit dem staatlichen russischen Atomkonzern Rosatom kooperieren] will,
um auch AKW in Osteuropa mit speziellen Brennelementen beliefern zu können.
1975 als Exxon Nuclear Fuels GmbH gegründet, begann ANF 1979 mit rund 100
Beschäftigten die Produktion von Brennelementen für Atomkraftwerke.
Außerdem gibt es auf dem Gelände Lagerbereiche für die fertigen
Brennelemente, für Uranhexafluorid und für radioaktive Abfälle. 2022 wurden
eine neue Halle für die Wartung von Brennelementetransportbehälter und ein
Trainingszentrum gebaut.
Die Lingener Brennelementschmiede ist die einzige Fabrik dieser Art in
Deutschland. Ebenso wie die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau
ist sie vom deutschen Atomausstieg ausgenommen. [4][ANF ist eine
hundertprozentige Tochter des französischen Nuklearriesen Framatome],
beschäftigt heute rund 400 Menschen und betreibt im bayerischen Karlstein
eine weitere Fabrik, in der Komponenten für Brennelemente hergestellt
werden.
Weil die Nachfrage zuletzt schwächelte, will ANF seine Produktpalette um
Brennelemente für Atomkraftwerke russischer beziehungsweise sowjetischer
Bauart erweitern. Dafür braucht es Maschinen und das Fachwissen von
Rosatom. [5][Ein Antrag aus Lingen zur Zusammenarbeit liegt dem
niedersächsischen Umweltministerium zur Genehmigung vor.]
## Ausbau mithilfe von Rosatom trotz Krieg und Sanktionen
„Wer heute auf Know-how, Lizenzen und Uran aus dem Kreml setzt, verschafft
Putin strategische Vorteile für Jahrzehnte und bindet Europa an Moskaus
geopolitische Agenda“, sagt Bettina Ackermann von Ausgestrahlt. Während die
EU schärfere Sanktionen gegen den Kreml plane, halte Framatome/ANF in
Lingen unbeirrt an Plänen fest, die Brennelementefabrik mit Unterstützung
der russischen Atombehörde Rosatom auszubauen.
Alexander Vent vom Lingener Bündnis AgiEL (Atomkraftgegner:innen im
Emsland) weist darauf hin, dass der Verfassungsschutz erst kürzlich vor der
Zunahme von Spionage, Cyberattacken und Sabotage aus Russland gewarnt hat:
„Wer Brennelemente mit dem Kreml produziert, spielt Putin direkt in die
Hände – und setzt die Menschen hier in Lingen und der Region einem
zusätzlichen Risiko aus.“ Der Einstieg von Rosatom in die
Brennelementefertigung in Lingen sei „sicherheitspolitischer Irrsinn“ und
müsse gestoppt werden.“
Die Demonstration der Initiativen beginnt am Sonntag, 7. September, um 11
Uhr am Werksgelände, Am Seitenkanal 1, in Lingen.
5 Sep 2025
## LINKS
DIR [1] https://www.facebook.com/p/Advanced-Nuclear-Fuels-GmbH-100088361821271/
DIR [2] https://www.ausgestrahlt.de/
DIR [3] /Geplanter-Einstieg-in-Atomfabrik-Lingen/!6050924
DIR [4] /Zulieferer-fuer-Atomkraft/!6105175
DIR [5] /Eroerterungstermin-zur-Atomfabrik-Lingen/!6048767
## AUTOREN
DIR Reimar Paul
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