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       # taz.de -- Berliner Podcast-Festival: Wissen, das klingt
       
       > Beim Festival „Beats & Bones“ wurde Forschung fühlbar. Es zeigte, dass
       > Wissenschaft dann am stärksten ist, wenn sie spricht – mit dem Publikum.
       
   IMG Bild: Wissenschaft hautnah im Sauriersaal des Berliner Naturkundemuseum
       
       Berlin taz | Wie klingt Wissenschaft? Mal flatternd wie eine Fledermaus,
       die in den Wäldern Costa Ricas nachtblühende Pflanzen bestäubt. Mal
       hektisch-fiebrig wie die vom geheimnisvollen „Tulpenfieber“ erfassten
       Amsterdamer. Mal knisternd wie die elektrischen Messungen Giovanni Galvanis
       an Grimassen schneidenden guillotinierten Köpfen. Vor allem [1][klingt
       Wissenschaft] erst dann, wenn man sie zum Sprechen bringt.
       
       Solche Fragen und Probleme standen im Zentrum des „Beats & Bones
       [2][Podcast-Festivals]“. Am 19. September verwandelte sich das Museum für
       Naturkunde in Berlin bereits zum dritten Mal in eine Begegnungsstätte für
       Hörer:innen und Macher:innen von Wissenspodcasts. Formate wie „Der
       Rest ist Geschichte“ (Deutschlandfunk), „Spektrum“ (detektor.fm) und
       natürlich der hauseigene, hörpreisgekrönte Podcast „Beats & Bones“ brachten
       sie vom Ohr auf die Bühne.
       
       Das Publikum war so divers wie die Themen: Kinder neben Senior:innen,
       Studierende neben Fachleuten, Menschen mit und ohne Sehvermögen.
       Wissenschaft wurde erlebbar – als Gespräch, als Show, als gemeinsamer
       Erfahrungsraum.
       
       Ursprünglich wurde der Podcast „Beats & Bones“ während der Pandemie 2020
       ins Leben gerufen, als das Museum geschlossen bleiben musste, die Exponate
       aber trotzdem erfahrbar bleiben sollten. Heute, fünf Jahre und viele Folgen
       später, erreicht das Format auf Youtube über 100.000 Abrufe, auf
       Podcastplattformen von Spotify bis Podigee zählt es mehr als 1.000
       Abonnent:innen.
       
       Auch [3][medienwissenschaftliche Studien] untermauern anhaltend positive
       Trends [4][auf dem Podcastmarkt] – auch innerhalb des Subgenres der
       Wissens- und Bildungspodcasts. Podcasts ziehen zunehmend das Interesse von
       Unternehmen wie Forschung auf sich. Laut ARD/ZDF- und Podstars-Erhebungen
       von 2024/25 hört mindestens ein Viertel aller Deutschen ab 14 Jahren
       regelmäßig Podcasts. Ob beim Sport, beim Kochen, im Auto oder in
       Öffentlichen Verkehrsmitteln.
       
       ## „Safe Spaces“
       
       Gerade weil Podcasts Alltagsbegleitung und Entdeckungsplattformen, gar ja
       sogar „Safe Spaces“ für vertrauenswürdige, wie auch streitbare Produkte
       sind, [5][scheinen sie besonders] für die Generation Z so attraktiv.
       
       Diese Entwicklung ist alles andere als selbstverständlich. „Science-Casts“
       bewegen sich in mehreren Spannungsfeldern: zwischen seichter Unterhaltung
       und anspruchsvoller Informationsvermittlung, exklusiven akademischen
       Anerkennungsmechanismen und einem staatlich oder auch gesellschaftlich
       breiter gefassten, doch kaum definierten Bildungsauftrag. Der lässt sich
       auch aus der Freiheit der Wissenschaft im Grundgesetz ableiten.
       
       Zwischen Talk, Quiz, Lese- und Showeinlagen sowie Publikumsfragen erzählten
       Podcastende und Forschende wie etwa die Verhaltensbiologin Theresa
       Schabacker von außergewöhnlichen, spannenden wie prekären
       Arbeitsbedingungen, von psychisch-mentalen Belastungen, fehlender
       Finanzierung, gestrichenen Fördermitteln und bedrohten Projekten – Themen,
       die derzeit als allgegenwärtiger Abgesang das mediale Bild von Wissenschaft
       spiegeln.
       
       Eindeutig überwogen an diesem Abend Zuversicht, Passion, Freude und vor
       allem Wille zur Aufklärung sowie kritischer (Selbst-)Reflexion.
       
       Die Hosts und Expert:innen gaben transparente Einblicke in
       Finanzierungen, Sponsoring, Fehlerkultur, redaktionelles Making-of. Und
       sie vermittelten authentisch ihre Gefühle, die sie im Arbeitsalltag zum
       Skripten, Preparieren, Recherchieren, Interviewen und Mikroskopieren
       motivieren.
       
       Zwischen Dinosaurierskeletten drängte sich dann vor allem eine Frage auf:
       Woran sich künftig der „Erfolg“ von Forschung bemessen wird, hängt
       entscheidend davon ab, wie gut sie sich ihrer Anpassungsfähigkeit an
       populäre Formen von Wissenskommunikation und -konsum anpassen kann.
       
       ## „Warum gruseln wir uns?“
       
       Oder mit den Begrüßungsworten des Museumsdirektors Prof. Johannes Vogel
       gesagt: „Wissenschaft muss sich mehr bemühen zu kommunizieren. Nicht
       zuletzt, weil sie auf Steuermittel angewiesen ist.“
       
       Wie sich kreative, gegenwartsrelevante Erzählweisen von Geschichte mit
       ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung verbinden lassen, demonstrierte
       eindrucksvoll der Dlf-Podcast „Der Rest ist Geschichte.“
       
       Dort wurde die Frage „Warum gruseln wir uns?“ facettenreich beleuchtet –
       als Genre, als psychosoziales Phänomen. Mit einer Mischung aus Nahbarkeit
       und Tiefgang laden die Podcastenden bewusst dazu ein, sich auch über die
       einzelne Folge hinaus mit den besprochenen Themen und weitergehend deren
       Quellenbeständen und Sekundärliteratur auseinanderzusetzen und darüber
       zu informieren.
       
       Pod- und Videocasts, Workshops und Festivals eröffnen hybride Zugänge zu
       einem zirkulären Verstehen, das hören, sehen und erleben verbindet.
       
       Sie bauen Brücken zwischen Wissensobjekten und -subjekten, zwischen
       Expert:innen und Laien. Open Science und Citizen-Science verändern die
       Außenwahrnehmung und Selbstverständnis der Wissenschaften.
       
       Sie machen Forschung als prozesshafte, kontextgebundene und fehlbare Praxis
       sichtbar – und zeigen zugleich, dass wissenschaftliche Arbeit systemisch
       von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten durchdrungen sein kann.
       
       Jenseits reiner Ergebnispräsentation bilden Sciencecasts ein Puzzleteil in
       einer dialogischen Bewegung. Wissen schafft Dialog.
       
       23 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Wissenschaftliche-Publikationen/!6071910
   DIR [2] /Astrophysikerin-Woodrum-im-Gespraech/!6103383
   DIR [3] https://wissenschaftspodcasts.de/blog/podcastforschung-studie-ueber-wissenschaftspodcasts/
   DIR [4] /Podcast-A-Bit-Fruity/!6102626
   DIR [5] https://www.ard-media.de/mediaperspektiven-themenwelten/themamediennutzung/audio/konsolidierung-rund-ein-fuenftel-hoert-regelmaessig-podcasts;
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Laura Brauer
       
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