# taz.de -- Buhrufe gegen Trump bei US Open: Zensur für das TV-Publikum
> Die Missfallensbekundungen gegen US-Präsident Donald Trump im
> US-Open-Finale wurden im TV herausgefiltert. Der US-Tennisverband hatte
> vorgearbeitet.
IMG Bild: US-Präsident Donald Trump wurde vom Publikum der US Open ausgebuht
Auf dem Video, das die Universitätsprofessorin Gwen D. von der Tribüne der
US Open aus mit dem Smartphone aufgenommen hatte, klang es eindeutig so,
als würden die gesamten 23.000 Zuschauer dieses Grand-Slam-Finales ihren
Unmut kundtun. Dröhnende Buhrufe waren zu vernehmen. „So war es wirklich
heute im Arthur Ashe Stadion“, kommentierte sie in einem Facebook-Post.
Die Missfallensbekundungen richteten sich freilich nicht an die
[1][Finalisten Carlos Alcaraz] und Jannik Sinner. Sie ertönten vielmehr
nach dem ersten Satz, als die Kameras den prominentesten Ehrengast des
Matches, Donald Trump, ins Visier nahmen. Wenn man sich die Partie im
Fernsehen ansah, bekam man von den Buhrufen kaum etwas mit. Während der
Präsident in die Kameras grinste, war nur ein dumpfes, unbestimmtes
Hintergrundraunen zu hören.
Dass der Sportsender ESPN die von Zuschauern wie Gwen D. klar vernommenen
Buhrufe herausgefiltert hatte, war keine spontane Entscheidung der Regie.
Die Turnierveranstalter, die US Tennis Association (Usta), hatte in einem
Memorandum höflich darum gebeten, „Reaktionen auf die Anwesenheit des
Präsidenten“ nicht zu zeigen. Die volle Aufmerksamkeit, so der
Tennisverband, solle den Spielern gelten.
Donald Trump, der sich allenfalls peripher für das Tennisspiel
interessierte und lange vor dem Matchball wieder verschwand, hatte wohl
gehofft, dass die ganze Aufmerksamkeit ihm gehört. Große Stadionauftritte
passen in das Bild, das er von sich als Herrscher gerne zeichnen würde, die
historischen Vorbilder sind wohl vertraut.
## „Unforced error“
Doch anders als beim Golf, bei UFC Kämpfen [2][oder bei der Superbowl,]
konnte er wohl damit rechnen, dass das New Yorker Tennispublikum ihm nicht
sonderlich gewogen sein würde. So veranlasste er oder Leute aus seinem
Umfeld wohl die vorauseilende Zensur.
Überraschend ist das nicht. Der größere Skandal war deshalb, dass sich
sowohl der Tennisverband als auch der TV Sender ESPN dem Ansinnen überhaupt
gebeugt haben.
Die Entscheidung der Usta, den Wünschen des Weißen Hauses zu entsprechen
und Trumps Selbstinszenierung vor Störgeräuschen zu schützen, ist kaum
nachvollziehbar. [3][Der britische Guardian] nannte sie im Tennisjargon
einen „unforced error“ – einen Fehler ohne Not. Die US Open sind eigentlich
dasjenige unter den Grand-Slam-Turnieren, das sich am wenigsten um Etikette
schert.
Lautstarke Meinungsäußerungen und Dissens sind Teil ihres Charmes. So wurde
vor zwei Jahren ausführlich gezeigt, wie ein Demonstrant sich während des
Frauenhalbfinales an seinen Sitz geklebt hatte. Als ebenfalls vor zwei
Jahren Alexander Zverev einen Fan wegen seiner rechtsradikalen Äußerungen
zur Rede stellte, blieben die Mikrofone ebenfalls offen. Dass die Usta auf
der Tennisanlage, die der Frauen und – LGBTQ-Rechtlerin Billie Jean King
gewidmet ist, nun Trump zuliebe die Geräuschkulisse filtert, ist mindestens
befremdlich.
Eher nachzuvollziehen ist das Entgegenkommen von ESPN. Der US-amerikanische
Fernsehsender, der zum Disney Konzern gehört, hat jüngst das ligaeigene
NFL-Netzwerk erworben, was wiederum dazu führen soll, dass die
Football-Liga einen zehnprozentigen Anteil an dem Sportsender erhält. Der
Multi-Milliarden-Deal muss jedoch noch von der Trump-Regierung abgesegnet
werden und so hat ESPN jeden Grund, sich mit Trump gut zu stellen.
Das führte zuletzt mutmaßlich zur Absetzung einer Dokumentation des
Regisseurs Spike Lee über Colin Kaerpernick bei ESPN. Über jenen
Quarterback, der weltweite Sportlerproteste gegen rassistisch motivierte
Gewalt initiierte. Sicherlich wird die Dokumentation von Lee nicht ohne
Kritik an der NFL ausgekommen sein.
Dem Tennispublikum in New York war das freilich egal. Die Zuschauer machten
deutlich, was sie von Trump halten. Und im Zeitalter der sozialen Medien
war das auch durch TV-Zensur nicht zu verbergen.
9 Sep 2025
## LINKS
DIR [1] /Wimbledon-Sieger-Carlos-Alcaraz/!5944893
DIR [2] /Donald-Trump-und-der-Superbowl/!6065551
DIR [3] https://www.theguardian.com/sport/2025/sep/07/usta-trump-censorship-us-open-booing
## AUTOREN
DIR Sebastian Moll
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